Maximale Vorsicht wandelt sich in große Betroffenheit: Acht Menschen in zwei Caritas-Einrichtungen sind aktuell mit Corona infiziert, die Häuser Christophorus und St. Klara sind bis auf Weiteres in Quarantäne. Das bestätigt die Caritas dem SÜDKURIER, nachdem sie selbst von die Infektionslage mitgeteilt hat. Die Situation spitzt sich zu, weil bei einem der Getesteten die britische Virus-Mutation festgestellt wurde, die als noch ansteckender gilt als das seit einem Jahr auftretende Coronavirus. Caritas-Vorstand Wolfgang Heintschel schildert, welchen Kraftakt das nun für die Einrichtung bedeutet: „Es ist eine riesige logistische und personelle Herausforderung.“ Und das mit der großen Hoffnung, dass die Betroffenen die Erkrankung gut überstehen.

Dabei war für nächste Woche ein Impftermin geplant. Ob der nun stattfinden kann, ist laut Heintschel ungewiss.

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Womöglich sind noch mehr Menschen infiziert. Auch mit der Mutation?

Zehn Menschen mit Behinderung leben im Haus Christophorus in Singen und führen dort ein weitgehend selbstständiges Leben. Doch sechs davon haben sich nun mit dem Coronavirus infiziert. „Wir vermuten, dass auch die anderen sich infiziert haben“, sagt Wolfgang Heintschel. Am Dienstag standen die ersten vier Testergebnisse fest, nach einem Schnelltest war auch das Laborergebnis positiv. „Wir testen Menschen mit Behinderungen bei den kleinsten Symptomen“, erklärt der Vorstand, denn diese sind bei einer Infektion besonders gefährdet. Am Donnerstag war klar, dass eine der Infektionen auf eine britische Virus-Mutation zurückgeht – mindestens, denn darauf seien die anderen nicht getestet worden.

Wolfgang Heintschel (Vorstand Caritasverband Singen-Hegau)
Wolfgang Heintschel (Vorstand Caritasverband Singen-Hegau) | Bild: Wolfgang Heintschel

Auch zwei Caritas-Mitarbeiterinnen haben sich infiziert. Bei einem Bewohner im Haus St. Klara besteht dringender Verdacht auf eine Infektion, wie Heintschel erklärt.

Dutzende Menschen sind bis Monatsende in Quarantäne

Das Gesundheitsamt habe beide Häuser unter Quarantäne gestellt. Das bedeutet, dass die zehn Bewohner des Haus Christophorus und 41 Bewohner des Haus St. Klara ihre Wohnungen nicht verlassen dürfen. Die Mitarbeiter sind in sogenannter Pendel-Quarantäne: Sie dürfen nur noch zur Arbeit fahren und sind in der Freizeit ebenfalls in Quarantäne.

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Wie kam das Virus in die Einrichtungen?

Bislang unklar ist, wie sich die Menschen infiziert haben. „Wir können den Weg des Virus bisher nicht nachvollziehen. Dabei halten wir penibelst die Auflagen ein, übertreffen sie teilweise sogar“, sagt Heintschel auf Nachfrage. Um eine Ausbreitung einzudämmen, soll weiter intensiv getestet werden.

Haus St. Klara hat bereits Erfahrungen mit einem Corona-Ausbruch gemacht: Im Herbst starben nach einer Infektion zwei Menschen, einer mit und einer an Corona.
Haus St. Klara hat bereits Erfahrungen mit einem Corona-Ausbruch gemacht: Im Herbst starben nach einer Infektion zwei Menschen, einer mit und einer an Corona. | Bild: Biehler, Matthias

Im Herbst hätten sie selbst erlebt, wie gravierend ein Corona-Ausbruch verlaufen kann: Damals starben zwei Bewohnerinnen von Haus St. Klara, laut dem Verantwortlichen eine mit und eine an Corona. Nun sei die Sorge groß, dass es wieder schwere Verläufe geben könnte.

Eine normale Grippe? Keinesfalls, sagt der Verantwortliche

Aktuell müsse keiner der Betroffenen im Krankenhaus behandelt werden. Doch das Tückische am Coronavirus sei auch, dass sich das von einem auf den anderen Tag ändern könne. „Die betroffenen Menschen haben alle Vorerkrankungen, man muss sie als besonders gefährdete Personen einstufen.“ Wer das Coronavirus mit einer normalen Grippe vergleiche, habe noch keine schweren Verläufe in solchen Einrichtungen oder einer Klinik erlebt.

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Die Herausforderung: Mehr Betreuung nötig, aber weniger Betreuer da

Durch die Quarantäne entsteht auch ein anderes Problem: Kranke Menschen bräuchten mehr Betreuung, die Bewohner im Haus Christophorus dürfen beispielsweise nicht mehr selbst einkaufen. Auf der anderen Seite würden erkrankte Mitarbeiter ausfallen. Deshalb werden Mitarbeiter aus anderen Caritas-Häusern aushelfen – selbst wenn sie dann selbst in Pendel-Quarantäne müssen und sich einer höheren Ansteckungsgefahr aussetzen.

Dieses Risiko soll mit Schutzmaßnahmen möglichst niedrig gehalten werden. Dazu zählen nicht nur Desinfektionsmittel und FFP2-Maske, sondern auch ein Schutzanzug, wie der Caritas-Verantwortliche erklärt. Heintschel weiß den Einsatz zu schätzen: „Einrichtungen, die es trifft, haben eine ganz schwere Zeit. Ich habe großen Respekt vor jedem, der uns dabei so sehr unterstützt.“ Das Angebot der Caritas Singen-Hegau soll trotz dieser Einschränkungen aufrecht erhalten werden.

Impftermin nächste Woche wackelt

Wie es weiter geht, sei momentan noch nicht absehbar, sagt Wolfgang Heintschel: Bis 28. Februar befinden sich die Einrichtungen vorerst in Quarantäne. Man sei ständig in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt. Für Samstag sind weitere Reihentests unter allen Bewohnern und Mitarbeitern der Wohneinrichtungen geplant. Mit den Ergebnissen plane die Caritas Singen-Hegau dann zeitnah die weiteren Schritte, wie die soziale Einrichtung mitteilt. Der Impftermin in der nächsten Woche ist noch nicht abgesagt: Eigentlich sollte im Haus St. Klara geimpft werden. Ob in einer anderen Einrichtung geimpft werden kann oder es einen ganz neuen Termin braucht, soll noch geklärt werden.

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