Ist der Wolf nun im Hegau angekommen? Diese Frage stellen sich die Fachleute der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg, nachdem sie am Mittwoch zwei tote Schafe und zwei tote Lämmer mit deutlichen Bissspuren auf der Weide von Jürgen Engesser eingesammelt haben. Derzeit sei weder einen Hund noch einen Wolf als Angreifer auszuschließen, heißt es in einer Pressemitteilung aus Freiburg. „Um die näheren Todesumstände vollständig aufzuklären, werden die Tierkörper nun beim Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) in Freiburg untersucht. Außerdem hat die FVA genetische Proben ans Senckenberg-Institut geschickt“, teilt die Landesbehörde weiter mit.

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Friedinger Landwirt will Aufklärung

Während die Untersuchungen laufen, hofft der Besitzer der Tiere auf Hinweise aus der Bevölkerung. „Ich gehe zweimal am Tag auf die Weide“, erzählt der Landwirt. Erst im vergangenen Herbst haben er und seine Frau die Nachfolge des Friedinger Traditionshofs angetreten. Neben Pferden, Rindern, Hühner und Stallhasen gehören auch über 60 Schafe zum Aussiedlerhof. Dass Tiere gerissen wurden, sei bisher noch nicht vorgekommen.

DNA-Analyse läuft derzeit in Freiburg

Erst vor zwei Wochen hat Engesser die 33 Muttertiere mit ihren 43 Lämmern aus dem Stall auf die Weide geholt. Einige Lämmer zieht er mit der Milchflasche auf, weil sie von ihren Müttern nicht akzeptiert werden. „Wenn so ein Tier zu Schaden kommt, blutet mir das Herz“, sagt der Bauer. Der Anblick der toten Schafe mit den großen Bisswunden hat ihn erschüttert. Er rief die Polizei, die wiederum die Wildtierforscher informierte. Anhand des Speichels soll festgestellt werden, ob es sich um einen Hund oder einen Wolf handelt.

Diese beiden Lämmer hat Jürgen Engesser mit der Milchflasche aufgezogen. Wenn solche Tiere gerissen werden, blutet ihm das Herz besonders.
Diese beiden Lämmer hat Jürgen Engesser mit der Milchflasche aufgezogen. Wenn solche Tiere gerissen werden, blutet ihm das Herz besonders. | Bild: Trautmann, Gudrun

Nicht alle Hundehalter haben ihre Haustiere im Griff

Engesser hat in der Corona-Pandemie beobachtet, dass viel mehr Hundehalter in der Aachniederung mit nicht angeleinten Haustieren unterwegs sind. „Wenn ein Wildtier meine Schafe gerissen hat, könnte ich das akzeptieren“, sagt er. „Das ist Natur. Wenn es aber ein freilaufender Hund war, dann ist das sehr fahrlässig und muss aufgeklärt werden.“

Singen und Hegau nicht im Wolfspräventionsprogramm

Singen gehört nicht zum Fördergebiet „Wolfsprävention Schwarzwald„. Das baden-württembergische Umweltministerium, die FVA und der lokale Wildtierbeauftragte haben die Nutztierverbände und Wildtierbeauftragen über den aktuellen Fund informiert und aufgefordert, eventuelle Beobachtungen an die FVA in Freiburg zu melden: http://info@wildtiermonitoring.de oder 0761/4018-274.

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Die Polizei und der Bauer hoffen auf Zeugenhinweise

Bauer Engesser wünscht sich auch Zeugenhinweise, um den Fall aufzuklären und vielleicht noch die zwei fehlenden Lämmer zurückzubekommen. Neben der Ursachenforschung gibt ihm die Tatsache, dass der Elektrozaun noch so stand wie am Abend zuvor, gibt ihm ein weiteres Rätsel auf. „Das ist sehr mysteriös“, sagt er. Den Verlust seiner sechs Schafe schätzt er auf 1000 bis 1500 Euro.

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