Zum ersten Mal waren kürzlich Mentoren der Mentor-Stiftung an der Hohentwiel-Gewerbeschule zu Gast. Die Schüler der Ausbildungsvorbereitungsklassen haben dabei gelernt, dass der Weg in den richtigen Beruf nicht immer gradlinig verläuft.

Mit sieben Mentoren war die Stiftung mit Sitz auf der Insel Mainau in die Schule gekommen. Mit dabei war auch Thomas Strobel, der für das Mentoren-Programm verantwortlich ist. In mehreren Runden konnten die Schüler in Gruppen von zwei bis drei Personen jeweils 15 Minuten mit den Mentoren sprechen.

Bis man den Traumberuf gefunden hat kann es dauern

Dabei erfuhren sie, dass es länger dauern kann, bis man den richtigen Beruf gefunden hat. So war es auch bei Strobel. „Als ich in Eurem Alter war, hatte ich keinen Plan, wie es nach der Schule weiter gehen soll. Und überhaupt keinen Bock auf Schule“, erzählt Strobel. Er habe zunächst eine Augenoptikerlehre gemacht, die Meisterschule danach aber abgebrochen.

Nachdem er bei einer Veranstaltungsagentur reingeschnuppert hatte, fand sich dann das Richtige für ihn, erzählt er. Auch bei Paul Kunad verlief der Werdegang über Umwege. „Ich habe nach der Realschule eine Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik gemacht“, erzählt der 28-jährige Filmemacher aus Friedrichshafen. Seit 2019 ist er selbständig und produziert Werbefilme. „Das ist genau das, was ich machen wollte“, sagt er.

Probleme bei der Berufswahl trotz Fachkräftemangels

Als 16-Jähriger fällt es trotz Fachkräftemangels nicht jedem leicht, einen Ausbildungsplatz zu finden. Und auch die Schüler wissen um die Herausforderung, wie Klassenlehrer Holger Epp mitbekommt.

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Ein Schüler beispielsweise strebe eine Ausbildung als Fachkraft für Lagerlogistik an. Ihm sei empfohlen worden, es bei Obi mit einer Bewerbung zu versuchen. Er zähle zu jenen, die wissen, was sie wollen. Das Lager bei Obi sei wie eine eigene Welt. Das wäre was für ihn, habe er Epp erzählt.

Es gebe aber auch andere Erkenntnisse, wie zum Beispiel ein Mitschüler, der ein Praktikum als Metallbauer gemacht habe und feststellen musste, dass dies nichts für ihn sei.

„Es gibt kein richtig oder falsch“

„Wir wollten Euch heute vermitteln, dass es bei der Berufswahl kein richtig oder falsch gibt“, resümierte Strobel. Manche Schüler sind derzeit noch unsicher, wohin es gehen soll. „Ich bin mir sicher, Ihr geht Euren Weg“, so Strobel. Als Physiotherapeutin und Ernährungsberaterin war Simona Winter mit dabei. „Ich hab Bock auf Eure Generation. Es hat echt Spaß gemacht“, sagt sie.

Für die jungen Erwachsenen der Ausbildungsvorbereitungsklasse steht nun die Entscheidung an, ob sie eine Ausbildung anfangen wollen. „Sie haben im Laufe des Schuljahrs insgesamt fünf Wochen Praktika“, sagt Klassenlehrer Holger Epp. Während der Praktikumsphasen besucht der Lehrer seine Schüler, um zu schauen, wie sie sich machen.