Die Vesperkirche in Singen ist seit fünf Jahren eine Erfolgsgeschichte. Zwei Wochen im Januar öffnet die Lutherkirche zur Mittagszeit ihre Türen und bietet allen, die kommen und gemeinsam essen wollen, ein Mittagessen. Kostenlos oder gegen eine Spende, je nach Geldbeutel. Über 300 Essen und viele Kuchen wurden jeden Tag verspeist. Der Mittagstisch war auch in diesem Jahr voll besetzt. Corona-bedingt mussten die Organisatoren für Januar 2021 jetzt umplanen. Die Vesperkirche ganz ausfallen zu lassen, war keine Option. „Wir wollten niemand gefährden, aber auch nicht alles absagen“, erklärt Andrea Fink-Fauser, Pfarrerin der Lutherkirche und Mitinitiatorin. Eine Überlegung war, die Vesperkirche mit Anmeldung zu machen, aber das widerspräche dem Gedanken des offenen Zusammenkommens. Auch die Vorstellung, jemand abweisen zu müssen oder nur drei Leute mit Abstand an einen Tisch zu setzen, würde dem Charakter der Veranstaltung nicht entsprechen. Sie lud immer zur Begegnung aller gesellschaftlichen Schichten ein. „Wir wollten den Geist der Vesperkirche trotz Corona weitertragen“, so Fink-Fauser.

Fünfte Vesperkirche 2020: Jeder Tisch in der Lutherkirche ist zur Mittagszeit voll besetzt und Mitglieder des Lions-Clubs bedienen. Archivbild: Christel Rossner
Fünfte Vesperkirche 2020: Jeder Tisch in der Lutherkirche ist zur Mittagszeit voll besetzt und Mitglieder des Lions-Clubs bedienen. Archivbild: Christel Rossner

Joachim Hager, Vesperkirchen-Organisator der ersten Stunde, hatte die Idee, wenigstens den Bedürftigen ein Mittagessen zu spenden. Udo Engelhardt von der Tafel und die Pfarrerin waren sofort dabei. Im Tafelrestaurant und im Siedlerheim wird es nun ab 18. Januar 2021 drei Wochen lang ein Mittagessen geben. Das Essen wird unter der Woche vom Stockacher Partyservice Maier und am Wochenende vom Haus am Hohentwiel zubereitet. Geplant sei, das Essen in zwei Schichten auszugeben, um die Abstandsregeln einzuhalten, erklärt Engelhardt. „Wir haben dabei die gleichen Vorgaben wie in der Gastronomie„, so der Vorsitzende des Tafelvereins. So könnten an den zwei Standorten rund 100 Essen serviert werden. Neben dem Tafelrestaurantteam werden je zwei Helfer des Vesperkirchenteams mithelfen. Die Helfer werden die gewohnten grünen Schürzen als Erkennungszeichen tragen. Zusätzliche Helfer würden in diesem Jahr nicht gebraucht.

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„Für die Tafel ist das ein Geschenk“, sagt Engelhardt zur geplanten Vesperkirche 2021. Das Küchenteam der Tafel am Heinrich-Weber-Platz war begeistert und die Gäste empfänden das Angebot als besondere Wertschätzung. Einen Mittagstisch in der Südstadt im Rahmen der Vesperkirche anzubieten sei neu. Doch die Voraussetzungen seien da: Die Küche des Siedlerheims soll in dieser Woche fertig werden. Sie sei dann auch für Catering und andere Angebote, wie zum Beispiel ein Adventskaffee nutzbar. Engelhardt hat keine Bedenken, dass ein zweiter Mittagstisch in der Südstadt von den Bedürftigen angenommen werde. „Wir haben den Kontakt zu den Menschen über die Südstadttafel, den Südstadttreff und die Initiative Stark im Süden“, so Engelhardt.

Gottesdienst zur Vesperkirche

Viele Gäste der Vesperkirche hätten bedauert, dass die Veranstaltung im kommenden Jahr nicht wie gewohnt stattfinden kann. Doch Singen ist damit nicht allein. Pfarrerin Fink-Fauser hat auch von Vesperkirchen in anderen Gemeinden gehört, die wegen Corona ausfallen müssen. „Einige bieten als Ersatz einen Bringservice kalter Speisen an, weil sie nicht wie wir mit der Tafel Räumlichkeiten für ein Angebot haben“, berichtet sie. Den Geist der Vesperkirche als Ort der Begegnung und des menschlichen Miteinanders will sie auch in einem ökumenischen Gottesdienst am Sonntag, 24. Januar in der Lutherkirche weitertragen. Außerdem soll es am Wochenende während der Vesperkirche kurze, geistliche Impulse geben.

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