Das Corona-Virus lässt krude Verschwörungstheorien aufblühen: Von vermeintlichen Machenschaften von Bill Gates und Zwangsimpfungen bis zum Überwachungsstaat und der Abschaffung der Grundrechte reichen die Fantasien.

„Je ausgeprägter die Verschwörungsmentalität ist, desto stärker fällt die Zustimmung zu extremistischen Einstellungen aus.“Dirk Baier, Professor an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften
„Je ausgeprägter die Verschwörungsmentalität ist, desto stärker fällt die Zustimmung zu extremistischen Einstellungen aus.“Dirk Baier, Professor an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften | Bild: privat

Um Gerüchten und skurrilen Argumenten entgegen zu wirken, sprach Dirk Baier, Leiter des Instituts für Delinquenz und Kriminalprävention an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften, auf Einladung der Singener Kriminalprävention über Verschwörungstheorien und was sie für unsere Demokratie bedeuten. Ergänzt wurde sein Vortrag durch einen Auftritt des Schauspielers und Kabarettisten Fatih Çevikkollu.

Nährboden für konspiratives Gedankengut

Was sind Verschwörungstheorien, und warum sind sie so attraktiv? Diese Frage beschäftigt die Menschen, was sich an vielen Zwischenfragen im Bürgersaal zeigte. Wie Professor Baier erläuterte, wiesen Menschen, die Verschwörungstheorien zustimmen, eine Verschwörungsmentalität auf, die besonders in Krisenzeiten Aufwind erhält. „Die Menschen suchen nach Erklärungen und Deutungen“, dies sei ein Nährboden für konspiratives Gedankengut.

Zusammenhang mit extremistischen Einstellungen

Repräsentative Umfragen in Deutschland und der Schweiz hätten fast identisch gezeigt, dass große Gruppen zustimmen, ein hoher Bildungsstand vor der Ausbildung einer Verschwörungsmentalität aber schützt. Folgen von Verschwörungstheorien in Bezug auf Corona seien weniger Vertrauen in die Wissenschaft und sie wirkten sich demokratiegefährdend aus: „Je ausgeprägter die Verschwörungsmentalität ist, desto stärker fällt die Zustimmung zu extremistischen Einstellungen aus“, so Baier.

Fakten sind existentiell für die Demokratie

Die wissenschaftliche Studie rät, den Umgang mit Quellen zu erlernen, selbst zu recherchieren, Aufklärungskampagnen zu initiieren und im sozialen Umfeld Zivilcourage zu zeigen.

Nicht alle Fragen aus dem Publikum konnte Professor Baier beantworten, die Corona-Krise führe zu ganz speziellen Verhaltensweisen. Die Studie stelle selbstgebauten Erklärungsmodellen wissenschaftliche Forschungen gegenüber und basiere auf Fakten, die existentiell für die Demokratie seien.