Veronika Netzhammer sagt von sich selbst: „Ich bin schon eher ein Machertyp. Ich diskutiere gern, aber irgendwann muss man was tun.“ Dafür stehen 30 Jahre Kommunalpolitik im Singener Gemeinderat, 15 Jahre lang war sie als Abgeordnete im baden-württembergischen Landtag.

Am 13. Januar feiert sie ihren 70. Geburtstag. Bei der Gemeinderatswahl 2019 hatte sie ihr Mandat abgegeben. Der Zeitdruck sei jetzt weg, aber ruhiger geworden ist es nicht. Noch heute ist Veronika Netzhammer vielfach engagiert. Sie ist Vorsitzende oder Vorstandmitglied in verschiedenen Vereinen.

Sie merkte: Mit Engagement kann man etwas bewegen

Politisch aktiv war sie schon während ihres Studiums der Wirtschaftswissenschaften und Wirtschaftspädagogik. Da habe sie erlebt, dass man mit Engagement auch etwas bewegen kann. Über die Heirat mit Emil Netzhammer kam sie aus der Ortenau 1975 nach Singen und unterrichtete dann am Berufsschulzentrum in Radolfzell.

In die Singener Kommunalpolitik rutschte Netzhammer regelrecht hinein. 1989 wurde ihr Mann von der CDU als Kandidat für den Gemeinderat vorgeschlagen, das Amt konnte er aus Zeitgründen aber nicht antreten.

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„Dann mache ich es“, habe seine Frau gesagt. Es war ihre erste Kandidatur und sie wurde direkt gewählt. Damit begann ihre kommunalpolitische Laufbahn. 1994 wurde Netzhammer Fraktionsvorsitzende und Kreisrätin bis 2019.

Die Politik ist dynamisch

Dass politische Entscheidungen nicht voraussehbar sind, zeigte ihre Nominierung als CDU-Abgeordnete für den Landtag 1996. „In der Versammlung wurde dann auch Franz Moser vorgeschlagen, und er erhielt eine Stimme mehr als ich“, erzählt Netzhammer.

Sie sagt, dass so ein Vorgehen nicht ungewöhnlich sei. In der anschließenden Abstimmung jedoch erhielt sie dann eine Stimme mehr und vertrat den Wahlkreis bis 2011 im Landtag.

Niederlagen gehören dazu

Bei den Neuwahlen steckte Netzhammer die erste Niederlage ein, als die CDU für die Landtagswahl 2011 den Herausforderer Wolfgang Reuther nominierte, der in den Landtag einzog. Es sei anfangs schon eine Enttäuschung gewesen, sagt sie. Aber Kommunalpolitik habe sie immer gern gemacht und in Singen hätten viele Aufgaben angestanden.

Auszug aus einem alten SÜDKURIER-Artikel: Veronika Netzhammer bei ihrer Kandidatur für den Landtag bei einem Frühstück mit dem damaligen ...
Auszug aus einem alten SÜDKURIER-Artikel: Veronika Netzhammer bei ihrer Kandidatur für den Landtag bei einem Frühstück mit dem damaligen CDU-Fraktionsvorsitzenden Günther Oettinger. | Bild: Sk-Archiv

Die Zeit im Gemeinderat, im Kreisrat und im Landtag seien intensive, arbeitsreiche Jahre gewesen, aber es sei auch viel bewegt worden.

Aktiv bis heute

Als Beispiel nennt sie die Landesgartenschau 2000. Netzhammer setzte sich für einen Stadtpark Förderverein ein: „Über Lobbyismus fanden sich Bürger zur Gründung zusammen, bis heute übernimmt der Förderverein die Pflege des Kräutergartens und veranstaltet das jährliche Drachenfest“, sagt sie als Vorsitzende des Vereins.

Aktiv sein so lange es geht, das ist ihr Motto auch mit 70 Jahren. Als begeisterte Färbe-Besucherin war es für sie keine Frage, den Vorsitz des Fördervereins der Färbe zu übernehmen.

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„Sich ehrenamtlich einzubringen, bringt auch viele Kontakte mit sich, es treffen sich Gleichgesinnte und es entstehen Freundschaften“, ist ihr Fazit nach 30 Jahren Einsatz. Trotz der vielen Arbeit in ihren verschiedenen Ämtern habe sie immer Zeit zum Abschalten gefunden. Dazu nutzte sie neben Theaterbesuchen und Bücher lesen auch wandern, schwimmen und Ski laufen.