Die Exklave Büsingen (siehe Infokasten) ist die kleinste Gemeinde im Landkreis Konstanz, doch von ihr ging gestern möglicherweise ein Zeichen für eine grundlegende Veränderung im Wahlverhalten aus. Mit der Wahl von Vera Schraner zur künftigen Bürgermeisterin wird am westlichen Bodensee erstmals der Chefposten in einem Rathaus mit einer Frau besetzt.

Die 1973 in Büsingen geborene Herausforderin von Markus Möll erhielt 259 Stimmen und erreichte damit mit einem Stimmenanteil von 50,5 Prozent knapp die im ersten Wahlgang erforderliche absolute Mehrheit. Auf den vor acht Jahren ins Bürgermeisteramt gewählten Markus Möll entfielen 223 Stimmen, was einer Quote von 43,5 Prozent entspricht. Marc Erny kam als dritter Kandidat mit 27 Stimmen auf einen Anteil von 5,3 Prozent.

Vier Stimmen für Roland Güntert

Das Interesse an der Wahl war mit einer Beteiligung von 57,2 Prozent relativ groß, wobei rund die Hälfte der Stimmberechtigten von der Möglichkeit zur Briefwahl Gebrauch machte. Die Zahl der Wahlberechtigten belief sich in der Exklaven-Gemeinde (siehe Infokasten) mit ihren rund 1500 Einwohnern auf 921. 527 machten davon Gebrauch, als ungültig wurden 14 Stimmabgaben eingestuft. Zu den Besonderheiten der Wahl zählte auch der Vorschlag von vier Stimmberechtigten, die gerne den stellvertretenden Bürgermeister Roland Güntert im Amt des Rathauschefs gesehen hätten. Er hatte zwar nicht kandidiert, laut Wahlrecht sind solche Vorschläge jedoch gültig.

„Der Job ist nicht einfach“

Roland Güntert hatte bei der Verkündung des Ergebnisses, das wegen der Pandemie im Freien auf dem Platz vor dem Büsingen Rathaus bekannt gegeben wurde, neben dem launigen Dank an seine vier Wähler allerdings auch eine ernste Botschaft im Gepäck. Abgesehen von ein paar Bemerkungen stufte er den Wahlkampf insgesamt als fair ein, allerdings stelle er in seiner Funktion als Stellvertreter verstärkt einen mangelnden Respekt vor dem Amt und den Personen fest, die dieses Amt ausüben. „Der Job ist nicht einfach“, sagte Roland Güntert vor rund 150 Besuchern und mahnte zur Besinnung.

„Demokratie ist Veränderung“

Damit dürfte er etlichen der zahlreich aus anderen Hegau-Gemeinden nach Büsingen gekommenen Bürgermeistern aus dem Herzen gesprochen haben. In ihrem Namen gratulierte der Steißlinger Bürgermeister Benjamin Mors der neuen Kollegin und hob die Besonderheit der ersten Frau im Amt einer Bürgermeisterin im Landkreis Konstanz hervor. Gleichzeitig dankte er dem bisherigen Bürgermeister Markus Möll, der in den vergangenen Jahren auch Funktionen als Sprecher der Hegau-Bürgermeister übernommen hatte. Benjamin Mors nahm das Ergebnis ferner zum Anlass, um die Normalität im Wechsel von Amtsträgern hervorzuheben: „Demokratie bedeutet Veränderung.“

Ursula Barmer als Vorsitzende des Wahlausschusses gratulierte der Gewinnerin und bedankte sich für die Leistung von Markus Möll sowie die Bereitschaft zur Kandidatur von Marc Erny. Sowohl für den Beitrag von Benjamin Mors wie für den der Wahlausschussvorsitzenden gab es Beifall.

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Sichtlich überwältigt zeigte sich Vera Schraner, die sich für das „Ver- und Zutrauen“ bedankte, ansonsten aber nur einen Satz sagte: „Ich bin überwältigt und habe keine Worte.“ Bei den anschließenden Gratulationen von Bürgermeistern sowie Gesprächen mit Bürgern bei einem Apéro fand sie dann aber doch noch zurück zur Sprache.

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