Die vielen bunten Fische auf Urban Priols Hemd schwimmen sicher nicht in jedem Fluss. Der Kabarettist war wieder einmal auf Einladung des Kulturzentrums Gems in der Stadthalle, dieses Mal mit seinem Programm „Im Fluss“. Immer mit auffälligen Hemden, seiner ihm eigenen Strubbelfrisur und dem alkoholfreien Bier auf dem Stehtisch, ritt Priol verbal brillant in zweieinhalb Stunden durch die politischen Dinge, die sich in den vergangenen ein, zwei Jahren ereignet haben.

Lindner hat er besonders auf den Kieker

Kürzlich hatte er auf die Frage von Max Frisch verraten, dass er Christian Lindner, Friedrich Merz, Markus Söder, Jens Spahn und das Leserforum von „Welt online“ nur mit Humor ertragen könne. Lindner hat er besonders auf dem Kieker, doch ausgesprochen gut gelingt ihm verbal Ministerpräsident Winfried Kretschmann, als stünde dieser auf der Bühne, wenn man nicht hinschauen würde.

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Sicher ist Urban Priol nach einem Jahr Ampel-Koalition: „Man kann nur dann richtig schlecht regieren, wenn die FDP mit im Boot sitzt“. Und er fragt: „Wann regelt der Markt endlich mal das mit der FDP – was niemand braucht, kann weg?“ Armin Laschet habe es sich hingegen auf der Oppositionsbank gemütlich gemacht und müsse nicht mehr zeigen, was er alles nicht könne.

Maskenpflicht von O bis O?

Zu den neuen Regeln des neuen Infektionsschutzgesetzes nimmt Priol Karl Lauterbach in die verbale Zange. Bei „Panik-Kalle“ gebe es nun wohl Maskenpflicht von O bis O (Oktober bis Ostern), während der Virologe Drosten wieder aus seinem Kellerlabor gekommen sei und alles noch viel schlimmer kommen sehe. Der erneute Blick auf die Inzidenzen erinnere ihn an den Film „Männer, die auf Ziegen starren“. Das ganze Theater gehe ihm so was von auf die Lende, gendert er, denn eigentlich meinte er natürlich „auf den Sack“.

Urban Priol zeigt sich gestenreich und wortgewandt.
Urban Priol zeigt sich gestenreich und wortgewandt.

Um bei den aktuellen Strömungen mithalten zu können, habe ihm sein Management empfohlen, er solle mehr „streamen“ oder auf „Insta“ aktiv werden. Doch das lehnt er ab. „So was machen nur Leute wie Philipp Amthor und so alt bin ich noch nicht.“ Priol (61) fragt sich auch, wie die „Babyboomer-Generation“ der heute um die Sechzigjährigen überhaupt die Impfwellen in den 1960/70er-Jahren überstehen konnten, zum Beispiel gegen Pocken oder Röntgenreihenuntersuchungen zur Früherkennung von Tuberkulose. „Wenn uns mal was nicht gepasst hat, haben wir einen Haschtag eingelegt und nicht in den sozialen Medien hashtags (#) hinterlassen.“

Viel Lob hat er für Außenministerin Annalena Baerbock: „Endlich ist das Katzbuckeln im Außenamt vorbei.“ Wirtschaftsminister Robert Habeck steche dabei eher durch „sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit“ hervor. Für eine Parodie, wie sie Priol perfekt von Angela Merkel drauf hatte, eigne sich ihr Nachfolger Olaf Scholz gar nicht: „Da muss man Pantomime können.“