Wie viele Viertel Singen tatsächlich hat, muss die Zukunft weisen. Doch was die Bewohner der Innenstadt an ihrem Viertel gut finden oder was man hingegen unbedingt ändern sollte, das wollen Martin Burmeister und Anne Allmrodt von der Stabstelle Quartiersarbeit herausfinden. „Die Frage steht im Fokus der Koordinationsstelle, die in der Stadtverwaltung nun ihre Arbeit aufgenommen hat“, so Martin Burmeister. Um das herauszubekommen, habe Anne Allmrodt als neue Quartiersmanagerin eine Fragebogenaktion organisiert, die jetzt gestartet wird. Wie es in einer Pressemitteilung der Stadtverwaltung heißt, soll es darum gehen, Meinungen und Erfahrungen der Innenstadt-Bewohner über ihr jeweiliges Quartier zu erfragen. Das Ziel dabei sei, gemeinsam mit den Bürgern die Stadt und ihre Lebensräume weiterzuentwickeln. „Am Samstag, zum Tag der Vielfalt in der Innenstadt, stellen wir das Projekt an der Ecke von Hegau- und August-Ruf-Straße vor und verteilen Fragebogen“, kündigt Martin Burmeister an.

Das könnte Sie auch interessieren

Anne Allmrodt hat dazu den speziellen Fragebogen entwickelt, dessen Beantwortung rund zehn Minuten Zeit erfordere und der in 14 Sprachen übersetzt wurde, damit auch wirklich jeder Bewohner ab 18 Jahren an der Befragung teilnehmen kann. Die dieser Tage gestartete Befragung soll insgesamt sechs Wochen laufen. Die Organisatoren erhoffen sich, daraus Erkenntnisse zu gewinnen, was die Bewohner der Innenstadt gut an ihrem Stadtteil finden oder was sich noch verbessern lässt. Die Ergebnisse der Befragung sollen im März nächsten Jahres im Rahmen einer öffentlichen Bürgerkonferenz dann vorgestellt werden.

Quartiersmanagerin Anne Allmrodt ist 29 Jahre alt und im altmärkischen Stendal zur Welt gekommen. Sie hat in Leipzig und Bamberg Deutsch als Fremdsprache und Geographie studiert. „Ihre Expertise lässt sich daher an der Schnittstelle zwischen sozialen und räumlichen Fragestellungen verorten“, erläutert Burmeister. Bevor sie im August ihre Tätigkeit bei der Stadt Singen aufgenommen hat, war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Bamberg im Bereich der Humangeographie und bei einem Planungsbüro tätig.

„Am Samstag, zum Tag der Vielfalt in der Innenstadt, stellen wir das Projekt an der Ecke von Hegau- und August-Ruf-Straße vor und verteilen Fragebogen.“Martin Burmeister, Stabstelle Quartiersarbeit
„Am Samstag, zum Tag der Vielfalt in der Innenstadt, stellen wir das Projekt an der Ecke von Hegau- und August-Ruf-Straße vor und verteilen Fragebogen.“Martin Burmeister, Stabstelle Quartiersarbeit | Bild: Hanenberg, Marla

Durch die Quartiersarbeit in Singen sollen Angebote stadtteilbezogen gebündelt werden und die Identifikation der Bewohner mit ihrem Stadtteil stärken. Klar sei, so Burmeister, dass es in der Stadt mehr Viertel gäbe, als die Stadtteile und die drei Kernstadtbereiche City, Nord- und Südstadt. Letztlich soll aber eine höhere Lebensqualität für alle Menschen in Singen erreicht werden. Bereits in anderen Städten gesammelte Erfahrungen sollen dabei genutzt werden. „Eine deckungsgleiche Übertragung anderer Quartiersarbeit auf Singen ist aber nicht unbedingt sinnvoll“, wendet Allmrodt ein. Projekte und Methoden aus Städten wie Mannheim, Freiburg oder auch Münster würden aber eine spannende Orientierung bieten. Entscheidend sei es, an alle Bevölkerungsgruppen heranzukommen. Das würde auch in Singen eine Rolle spielen. Die Daten sollen Hinweise bieten, wie Angebote im Stadtteil angenommen werden und was man noch weiterentwickeln könnte. Die Umfrage soll aufzeigen, was die City im Gegensatz zur Süd- und Nordstadt ausmacht. Der Fragebogen soll nicht nur direkt im Stadtteil über Vereine, Beratungsstellen und Kirchen verteilt werden sondern kann bis 24. November auch im Internet auf den Seiten der Stadtverwaltung ausgefüllt werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr Info und der Link zum Fragebogen im Internetauftritt der Stadt bei Pressemitteilungen im Bereich Aktuelles

„Nach der Befragung stehen zu Beginn des nächsten Jahres eine Stadtteilkonferenz mit wichtigen Akteuren und eine Bürgerkonferenz an, zu der alle Menschen des Stadtteils Innenstadt herzlich eingeladen sind.“Anne Allmrodt, neue Quartiersmanagerin
„Nach der Befragung stehen zu Beginn des nächsten Jahres eine Stadtteilkonferenz mit wichtigen Akteuren und eine Bürgerkonferenz an, zu der alle Menschen des Stadtteils Innenstadt herzlich eingeladen sind.“Anne Allmrodt, neue Quartiersmanagerin | Bild: Stadt Singen

4 Fragen an die Quartiersmanagerin Anne Allmrodt

Frau Allmrodt, was sind Ihre Aufgaben in der Quartiersarbeit?

Martin Burmeister als Stabsstellenleiter und ich arbeiten zusammen an der Quartiersarbeit. Zurzeit kümmern wir uns sehr stark darum, ein Netzwerk aufzubauen, das für die Arbeit in den Quartieren, also in den Stadtteilen Singens, entscheidend ist. Das sind einerseits Beschäftigte der Stadt, aber vor allen Dingen auch Kooperationspartner aus Vereinen, Wohlfahrtsverbänden, Kirchen, Schulen und vielen weiteren. Dieses vielseitige Netzwerk verfügt einerseits über einen großen Erfahrungsschatz aus der jahrelangen Arbeit im Stadtteil und hilft andererseits auch dabei, Kontakte zu den Menschen im Quartier herzustellen. Ohne dieses Netzwerk wäre Quartiersarbeit nur schwer möglich.

Wie soll sich die jetzt gestartete Befragung auf Ihre Tätigkeit in Singen auswirken?

Die Aussagen aus der Befragung bilden die wichtigste Diskussionsgrundlage für die weitere Planung von Projekten im Stadtteil. Daraus werden konkrete Projekte und Maßnahmen entwickelt, die im Stadtteil etabliert werden sollen. Das können sowohl räumliche Projekte wie ein neuer öffentlicher Treffpunkt sein, als auch neue Beratungs- oder Freizeitangebote. Entscheidend ist, dass die Ideen der Bürgerinnen und Bürger der Ausgangspunkt sind.

Welche Maßstäbe gibt es für eine gute Quartiersarbeit in einer Stadt wie Singen?

Wir würden die Quartiersarbeit in Singen als gelungen einschätzen, wenn sie es schafft, verschiedene Gruppen miteinander zu vernetzen. Wenn also Angebote und Orte vorhanden sind, die allen Menschen im Stadtteil die Möglichkeit zur Teilhabe und zur Entfaltung geben, dann wären wir sehr zufrieden. Darüber hinaus ist es wichtig, dass die Verbindung zwischen Stadtteil und städtischer Verwaltung gestärkt ist und dadurch die Kommunikation zwischen beiden gewährleistet wird. Einfacher gesagt: Die Stadt muss eine genaue Vorstellung davon haben, was im Stadtteil gerade Thema ist und dauerhaft ein Teil der Stadtteilentwicklung sein. Und der Stadtteil muss das Gefühl bekommen, seine Anliegen artikulieren zu können und bei der Stadt Gehör zu finden.

Was sind die nächsten Projekte, wenn die Befragungsergebnisse ausgewertet sind?

Nach der Befragung stehen zu Beginn des nächsten Jahres eine Stadtteilkonferenz mit wichtigen Akteuren und eine Bürgerkonferenz an, zu der alle Menschen des Stadtteils Innenstadt herzlich eingeladen sind. Ferner führen wir bereits jetzt vorbereitende Gespräche für die Quartiersarbeit in der Südstadt und der Nordstadt, die im Laufe des nächsten Jahres starten soll. (sk)