Die trauernde Witwe steht mit hängendem Kopf alleine neben dem Grab. Die wenigen Angehörigen stehen etwas abseits, im Abstand von jeweils rund zwei Metern: eine Dreier- und eine Zweiergruppe. Die Maßnahmen, mit denen die Corona-Pandemie im Griff behalten werden soll, haben vieles verändert. Auch die Abläufe von Beerdigungen. Diese finden derzeit meist bei jedem Wetter auf dem Friedhof statt, die Zeremonie ist kurz, die Anzahl der Trauergäste überschaubar.

Für das neu zusammengewürfelte Seelsorger-Team, das für die katholischen Christen aller Engener und Tengener Pfarreien zuständig ist, ist der Umgang mit Sterben und Tod ein wichtiges Thema. Auch andere Konfessionen sollen die katholischen Kirchen für die Trauerfeiern bei Beerdigungen benutzen dürfen.

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Erfahrung als Notfallseelsorgerin

Die Religionspädagogin Judith Müller gehört seit November zum Team. Sie erläutert: „Trauergespräche, die individuell auf die Angehörigen abgestimmt sind, sind einer meiner Schwerpunkte. Ich möchte würdevolle Verabschiedungen gestalten und die Angehörigen dabei gut begleiten.“

Judith Müller gehört zum Seelsorgeteam, das in den katholischen Gemeinden rund um Engen und Tengen tätig ist. Der Thema Trauer ist der Religionspädagogin wichtig. Sie möchte Angehörige im Trauerprozess unterstützen und für sie da sein.
Judith Müller gehört zum Seelsorgeteam, das in den katholischen Gemeinden rund um Engen und Tengen tätig ist. Der Thema Trauer ist der Religionspädagogin wichtig. Sie möchte Angehörige im Trauerprozess unterstützen und für sie da sein. | Bild: Uli Zeller

Erfahrungen hat sie dafür bereits viele gesammelt. Durch persönlich durchlebte Trauer, aber auch in der Notfallseelsorge. „Dort habe ich auch Angehörige begleitet, die einen lieben Menschen durch Suizid oder einen Unfall verloren haben“, so Müller.

Mitarbeit im Singener Hospiz

Auch für Pastoralassistent Ralf Ruder, der seit September zum Seelsorgeteam Engen-Tengen gehört, gehört der Umgang mit Sterbenden zu seinem Beruf. „Zweimal in der Woche bin ich im Singener Hospiz eingesetzt.“

Neben Sterbebegleitung gehören hier auch Gespräche mit Angehörigen und Personal zu seinen Aufgaben. „Sterben ist nie einfach – auch wenn ein Hospiz einen ansprechenden Rahmen dafür bietet“, berichtet der Seelsorger aus seiner Erfahrung.

„Am Ende schließt sich der Kreis“

Sterben führe einem permanent seine Verluste vor Augen. Es sei in Deutschland auch möglich, einen Verstorbenen 36 Stunden zuhause zu behalten, ihn aufzubahren und sich dabei über einen längeren Zeitraum zu verabschieden.

Die Trauer werde unterstützt, wenn der Leichnam präsent ist – dies habe manchmal auch Symbolcharakter: „Am Ende schließt sich der Kreis. Die Kinder waschen die verstorbene Mutter, so wie diese früher von ihr gewaschen wurden“, nennt Ruder ein Beispiel.

Abschied wegen Corona im Freien

Zu einem würdevollen Rahmen bei einer Beerdigung gehört auch, dass die Trauergäste bei der Beerdigung nicht im Regen stehen müssen. In manchen Kommunen wie Tengen ist dies schwierig, weil es dort keine Trauerhalle auf dem Friedhof gibt.

Dekan Matthias Zimmermann, Leiter der Seelsorgeeinheiten Engen und Tengen.
Dekan Matthias Zimmermann, Leiter der Seelsorgeeinheiten Engen und Tengen. | Bild: Dekanat

Auf Nachfrage erläutert Dekan Matthias Zimmermann, Leiter der beiden Seelsorgeeinheiten Engen und Tengen: „Im Moment finden wegen Corona fast alle Beerdigungen im kleinen Rahmen auf dem Friedhof statt.“ Daher stünden zur Zeit auch Katholiken manchmal im Regen – obwohl sie ein eigenes Gotteshaus haben.

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Wenn die Pandemie aber ausgestanden sei und Beerdigungen wieder möglich sind wie früher, dürfen auch Gläubige anderer Konfessionen die katholische Kirche für Beerdigungen benutzen. Dies gelte beispielsweise für Altkatholiken oder evangelische Christen.