Elmar Veeser

Der Abend zur Verleihung der Kulturpreise in der Singener Stadthalle zeigte wieder einmal, wie bunt, breitgefächert und niveauvoll sich die Kulturszene im Hegau präsentiert. Die vom Kulturförderkreis Singen-Hegau (KFK) ausgeschriebenen und getragenen Kulturpreise stützen sich auch auf viele private Förderer, die mit zahlreichen Spenden im Vorfeld die Finanzierung der Preise und der großen Veranstaltung mit ermöglichen.

Entsprechend war die Publikumsresonanz am Abend der Preisverleihungen eine große und die Vorsitzende des KFK, Ursula Graf-Boos, freute sich sichtlich, so viele Gäste in der Stadthalle begrüßen zu dürfen.

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In herausfordernden Zeiten sei das Motto „Rucket zämme!“ der Singener Poppele-Zunft genau das richtige und Oberbürgermeister Bernd Häusler wies in seinen Grußworten darauf hin, dass die Stadt auch in Corona-Zeiten trotz mangelnder Auftrittsmöglichkeiten für die Kulturschaffenden dafür gesorgt habe, dass alle Kulturzuschüsse geflossen seien.

Viele Preisträger vom Friedrich-Wöhler-Gymnasium

Um es schon mal vorweg zu nehmen: Es war ein großer Abend für das Friedrich-Wöhler-Gymansium (FWG). Mit ihrem Musical ‚Meilen.Steine‘, das die fünfzigjährige Geschichte der Schule Revue passieren lässt, ergatterten sie den höchst dotierten Kulturpreis und rissen die Gäste mit einer halbstündigen Kompaktversion mit Live-Orchestermusik zu Beifallsstürmen hin.

Bei der Aufführung mit Gesang, Theater- und Artistik-Elementen, tollen Kostümen und einem gekonnten Bühnenaufbau gelang es den Beteiligten des FWG, die Emotionen auf das Publikum überspringen zu lassen, das von lustigen ausgelassen Szenen mitgerissen wurde und bei den tragischen Szenen mitlitt.

Devin Maier rezitierte aus seinem Werk.
Devin Maier rezitierte aus seinem Werk. | Bild: Elmar Veeser

Doch damit nicht genug, denn Devin Maier, der für sein Lyrikbuch mit dem herrlich schrägen Titel „Wetter. Oder wenn ihr das lest, stehe ich noch im Regen“ ausgezeichnet wurde, hat im Jahr 2017 am FWG sein Abitur gemacht. Beim Interview mit Laudator Simon Götz machte es der Kulturpreisträger seinem Laudator nicht ganz so einfach, denn Devin Maier ist als Künstler schwer einem Genre zuzuordnen, was auch so von ihm gewollt ist. Er sagt dazu: „Ich mag es, wenn es mal eine Irritation gibt.“

Sein Lyrikband ist keine Lyrik im herkömmlichen Sinne, weil sie auch Prosaelemente enthält, allerdings sind seine Texte sehr rhythmisch aufgebaut, was er bei der sehr eindrucksvollen Rezitation eines neueren, selbst verfassten Werkes bewies. Zudem ist er auch am Theater aktiv und ist derzeit Regieassistent am Konstanzer Stadttheater.

Der Ehrenpreis ging an Harald F. Müller, der eine von Antonio Zecca geschaffene Skulptur erhielt. In der von Sigmund Kopitzki gehaltenen Laudatio war dann zu erfahren, dass Harald F. Müller als Kunstpädagoge am Friedrich-Wöhler-Gymansium außergewöhnliche Wege beschritt, indem er seine Schüler zu Künstlern machte und Ausstellungen mit deren Werken realisierte. Der Laudator bezeichnete den Ehrenpreisträger als ‚Künstler der Farbe‘, der Gebäude und Plätze koloriert. Dazu gab es eine Diashow zu sehen, die Werke von ihm in Paris, Stuttgart, Karlsruhe und nicht zuletzt in Singen zeigen.

Harald F. Müller bezeichnete in seiner Dankesrede Singen als Stadt der Chancen und Möglichkeiten, für die er eine gute Zukunft sehe.

Auszeichnung für Kunst- und Kulturschaffende

Cristina Marton, auch sie Kulturpreisträgerin an diesem Abend, untermalte die Veranstaltung musikalisch, indem sie mehrere Einlagen am Flügel gab, unter anderem mit Stücken von Brahms und Schumann. Laudator Stephan Glunk bezeichnet sie als begnadete Pianistin, die sich als Solokünstlerin und als Mitglied verschiedener Ensembles einen großen Namen gemacht habe. Die in Rumänien geborene Klaviervirtuosin unterrichtet seit 2009 an der Jugendmusikschule in Singen und hat seit 2014 einen Lehrauftrag an der Musikhochschule in Augsburg.

Buch zeigt Leben und Leiden der Familie Wolf

Für ihre Forschung zum Landjudentum, das sie schriftstellerisch aufarbeitete, wurde Dr. Anne Overlack mit dem Kulturpreis ausgezeichnet. Von Wolfgang Kramer, der die Preisträgerin vorstellte, war zu erfahren, dass die vierfache Mutter als Mitglied des Kreistages politisch sehr aktiv ist und für die Grünen im Mooser Gemeinderat sitzt. Sie ist journalistisch auf vielen Interessensgebieten tätig, wobei ihr die jüdische Geschichte besonders am Herzen liegt.

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In ihrer Dankesrede stellt sie ihr Buch „In der Heimat eine Fremde“ näher vor, worin sie das Leben und Leiden der Familie Wolf aus Wangen von der Kaiserzeit bis in die Nachkriegszeit des Zweiten Weltkriegs beschreibt. Im Mittelpunkt steht Nathan Wolf, der als beliebter und geachteter Landarzt auf der Höri praktizierte und trotz der Leiden in der Nazi-Zeit, wie der Verschleppung nach Dachau, in der Nachkriegszeit in die Heimatstadt zurückkehrte und als Bürgermeister von Wangen fungierte.

In der hinteren Reihe stehend von links sind abgebildet: Monika Blaser-Eppler, Nancy Kräftenrath (beide FriWö), Harald F. Müller, ...
In der hinteren Reihe stehend von links sind abgebildet: Monika Blaser-Eppler, Nancy Kräftenrath (beide FriWö), Harald F. Müller, Cristina Marton, Christoph Fischer, Dr. Anne Overlack. In der vorderen Reihe sitzend von links sind abgebildet: Francesca Citera, Thea Zimmermann (beide FriWö), Devin Maier, Kai Azzaoui und Daniel Forster. | Bild: Elmar Veeser

Eine zehnköpfige Künstlergruppe mit dem Namen „Heimisch.Ex“ wurde für ihre kooperative Ausstellung in Gailingen mit dem Titel „Eicheln & Perlen“ ausgezeichnet. Marcel da Rin interviewte dazu einen der Künstler. Kai Azzaoui klärte dabei auf, dass die beteiligten Künstler aus der Heimat weggezogen und wieder zurückgekehrt seien und dies jeder auf seine eigene Weise seinen Bezug zur Heimat künstlerisch verarbeitet habe. Die daraus entstandenen Kunstwerke – präsentiert im Gailinger Schloss im Rahmen einer Vernissage – seien beim Publikum auf große Resonanz gestoßen.

Eicheln und Perlen hätten sie deshalb als Titel genommen, weil Gailingen die Perle am Hochrhein sei und die Eichelklauber, der Narrenverein, so coole Masken habe, wie Kai Azzaoui mit einem Augenzwinkern verriet.

Schutzpatronin gegen Seuchen

Der Steinmetz Christoph Fischer und der Steinbildhauer Daniel Forster wurden für ihr gemeinsam geschaffenes Corona-Kreuz ausgezeichnet, das im Pfarrgarten Friedingen zu bewundern ist. Wie von Laudatorin Ricarda Netzhammer zu erfahren war, hatten die beiden schon vor Corona-Zeiten geplant, ein Feldkreuz zu schaffen, wie es auf Prozessionswegen zu finden ist, doch als die Pandemie dazwischen kam, recherchierten die beiden und fanden heraus, dass die Heilige Corona im 2. Jahrhundert in noch jungen Jahren hingerichtet worden sei und seither als Schutzpatronin gegen Seuchen verehrt wird.

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Christoph Fischer erzählte in seiner Dankesrede dazu die Anekdote, dass ihr Chef von Grabmale W. Schwarz zu den ersten Anfängen skeptisch nachgefragt habe: „Was händ ihr denn do vor?“ Inzwischen lässt sich das Werk täglich im Pfarrgarten von St. Leodogar im Singener Stadtteil bewundern.