2012 gelang dem Schweizer Autor Thomas Meyer mit seinem Roman „Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse“ der Durchbruch.

Im Zentrum der Handlung stand der junge Motti Wolkenbruch, der mit seiner streng jüdischen Familie in Zürich lebte. Als jüngster Sohn stand er unter dem Pantoffel seiner Mame. Diese wünschte sich nichts sehnlicher, als endlich eine anständige jüdische Ehefrau für ihren Sohn zu finden.

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Doch als Motti stattdessen im Studium die attraktive Laura kennen lernt, nimmt das Unheil seinen Lauf. Das Entsetzen der Familie ist groß, als sie von Mottis Liebe zu einer Schickse – einer Nichtjüdin – erfährt. In seinem Debütroman überzeugte Meyer vor allem mit seinem jiddischen Wortwitz und einer großen Portion Humor.

Verfilmung läuft auf Netflix

Das Buch wurde im deutschsprachigen Raum zu einem Besteller, erhielt unter anderem eine Nominierung für den Schweizer Buchpreis. Auch die 2018 erschienene Verfilmung von Michael Steiner stand dem nicht nach. Sie wurde zum beliebtesten Schweizer Film des Jahres und ist bisher die einzige weltweit erhältliche Schweizer Produktion auf Netflix.

Fast ausschließlich in Zürich gedreht, bietet sie eine gute Möglichkeit, einen Blick auf die mittlerweile doch weit entfernte Stadt zu werfen. Vor einigen Monaten erschien nun die viel erwartete Fortsetzung, die der Autor in der „Erzählzeit ohne Grenzen“ vorstellen wollte.

Anführer wider Willen

Nachdem er für seine Familie aufgrund des Verhältnisses zu einer Schickse gestorben ist (sie gaben eine Todesanzeige auf), droht Motti im Hotel zu versumpfen. Doch das währt nicht lange. Von einem Gleichgesinnten wird er in ein Kibbuz eingeladen, was sich schnell als Standort der Gesellschaft des Weltjudentums entpuppt.

Trotz prominenter Unterstützung ist deren Streben nach Weltherrschaft bisher erfolglos. Erst als Motti gegen seinen Willen zum Anführer ernannt wird, wendet sich das Blatt. Doch eine geheime Untergrundbewegung der Nazis verfolgt dasselbe Ziel. Mit einer attraktiven Agentin wollen sie Motti deshalb aus dem Weg räumen.

Von Nazis und dem Weltjudentum

Spielte der erste Band noch überwiegend im beschaulichen Orthodoxen-Viertel in Zürich, schlägt Meyer in seinem zweiten Band unerwartete Wege ein. Immer noch mit viel Witz und jiddischen Charme macht er dabei vor keinem Klischee halt und führt diese stattdessen ad absurdum.

Da versuchen Nazis jüdischer zu werden, um Juden zu infiltrieren. Die Mitglieder des Weltjudentums wollen dagegen mit einer Freundschaftsanfrage an Mark Bergzucker Facebook übernehmen.

Mit Ironie gegen Antisemitismus

Obwohl beim Leser für viele Lacher gesorgt ist, möchte Meyer auf ein ernstes Thema aufmerksam machen. Mit Logik könne man nicht gegen Antisemitismus ankommen, da sei er eben ironisch geworden. Dass dabei ein wirklich unterhaltsames Buch herausgekommen ist, ist umso besser.

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