Sieben Monate Lockdown prägten die vergangene Theatersaison der Singener Färbe. Umso größer war daher die Freude bei allen Beteiligten, zum alljährlichen Theaterfest am vergangenen Sonntag endlich wieder ein größeres Publikum, natürlich unter Einhaltung der Hygieneregeln und Angabe der Kontaktdaten, begrüßen zu dürfen.

Theaterleiterin und Intendantin Cornelia Hentschel hatte nicht nur aufgrund des Neustarts allen Grund zur Freude. Denn im März dieses Jahres stimmte der Singener Gemeinderat mit breiter Mehrheit für die ehemalige Dramaturgin als langfristige Pächterin der Färbe, wie Catharina Scheufele, Fachbereichsleiterin Kultur der Stadt Singen, berichtete.

Für die musikalische Unterhaltung beim Theaterfest sorgte wie gewohnt die Dieter-Rühland-Band.
Für die musikalische Unterhaltung beim Theaterfest sorgte wie gewohnt die Dieter-Rühland-Band. | Bild: Sandra Baindl

Ausschlaggebend bei der Entscheidung sei nicht nur Hentschels künstlerisches, sondern auch ihr fundiertes wirtschaftliches Konzept gewesen, das die Räte überzeugte. Oberbürgermeister Bernd Häusler betonte beim Theaterfest die außerordentlich gute Zusammenarbeit zwischen der Stadt Singen, der Färbe und dem Förderverein und freute sich, dass Hentschel das kulturelle Erbe des Theatergründers Peter Simon fortsetze.

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Auch die Vorsitzende des Fördervereins der Färbe, Veronika Netzhammer, freute sich über die Entscheidung der Singener Räte. So komme die Färbe weiter in den Genuss von Zuschüssen von Stadt und Land.

Die Kulturamtsleiterin der Stadt Singen Catharina Scheufele und OB Bernd Häusler zeigen sich erfreut darüber, dass das kulturelle Erbe der Färbegründer langfristig fortgesetzt wird.
Die Kulturamtsleiterin der Stadt Singen Catharina Scheufele und OB Bernd Häusler zeigen sich erfreut darüber, dass das kulturelle Erbe der Färbegründer langfristig fortgesetzt wird. | Bild: Sandra Baindl

Die Tradition der von Milly van Lit gegründeten Färbe-Ballettschule setzt seit 2019 Ines Kuhlicke fort. „Enthusiastisch gestartet und dann durch Corona ausgebremst“ wurde die ehemalige Ballettschülerin nach eigener Aussage in ihrem ersten Jahr in Eigenregie, wie sie beim Fest zur Saisoneröffnung erzählte. Doch sie erhielt in dieser Zeit viel Unterstützung durch die Eltern der Ballettschüler und ging neue Wege, auch wenn Online-Ballettunterricht für sie sehr gewöhnungsbedürftig war.

Ihre Hoffung ist jetzt, dass kein weiterer Lockdown mehr folgt. Ein Wunsch, dem sich Theaterleiterin Hentschel vorbehaltlos anschloss. Denn nach dem Gastspiel der Schweizer Schauspielerin Dodo Hug zur Saisoneröffnung im September 2020 kamen pandemiebedingt mit „Kunst“, „As time goes by“ und „Bauernopfer“ gerade einmal drei Stücke in der gesamten vergangenen Saison zur Aufführung.

Die Leiterinnen des Färbe-Theaters Cornelia Hentschel (v.l.) und der Färbe-Ballettschule Ines Kuhlicke mit den Schauspielern und Regisseuren beim Theaterfest: Ralf Beckord, Andreas von Studnitz, Marcus Calvin, Klaus Hemmerle, Daniel Leers, Elmar F. Kühling, Dina Roos, Milena Weber und Reyniel Ostermann.
Die Leiterinnen des Färbe-Theaters Cornelia Hentschel (v.l.) und der Färbe-Ballettschule Ines Kuhlicke mit den Schauspielern und Regisseuren beim Theaterfest: Ralf Beckord, Andreas von Studnitz, Marcus Calvin, Klaus Hemmerle, Daniel Leers, Elmar F. Kühling, Dina Roos, Milena Weber und Reyniel Ostermann. | Bild: Sandra Baindl

Hentschel dankte insbesondere ihren Schauspielern für die Unterstützung während des Lockdowns und nutzte die Gelegenheit beim Theaterfest, um die neuen Mitglieder des Schauspielteams vorzustellen. So übernahm in diesem Sommer spontan Ralf Beckord, der in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen und zehn Jahre am Theater Konstanz mitspielte, bei der Freilicht-Produktion „Bauernopfer“ die Hauptrolle und wird auch in weiteren Stücken zu sehen sein.

Ebenfalls neu ist der Deutsch-Amerikaner Marcus Calvin, der auch in zahlreichen Produktionen mitspielte und mit bekannten Regisseuren zusammenarbeitete. Die Schweizer Schauspielerin Dina Roos trat 2017 erstmals in der Färbe in „Boeing, Boeing“ auf. Unter anderem wird sie im Dezember im Stück „Die Kellnerin Anni“ von Herbert Rosendorfer zu sehen sein.

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Gleich zu Beginn der aktuellen Saison startet die Färbe mit einem Höhepunkt: Am Freitag, 17. September, findet um 20.30 Uhr eine Lesung mit Siegmund Kopitzki und seiner Frau Waltraud Liebl statt, die mit ihrer gemeinsamen Anthologie „Überlingen literarisch. Ein Spaziergang durch die Jahrhunderte“ einen Blick auf das Zentrum der Literatur am Bodensee im 20. Jahrhundert werfen. Als Gastleser wird Autor Arnold Stadler anwesend sein.

Am 1. Oktober feiert das Stück „Trafikant“ mit acht Monaten Verspätung Premiere. Es basiert auf dem Roman des österreichischen Schriftstellers Robert Seethaler, der zur Zeit des Nationalsozialismus in Wien spielt. Regie führt Klaus Hemmerle. Der in Singen aufgewachsene und an vielen Bühnen im deutschsprachigen Raum tätige Regisseur betonte bei der Vorstellung des Stücks, wie besonders für ihn die Arbeit in seiner Heimatstadt sei.

„Cyrano von Bergerac“ kommt nun im Dezember

Vom 27. bis zum 30. Oktober wird in Kooperation mit der Singener Gems das Stück „Max Maddalena 36“ von Gerd Zahner gespielt. Ein Jahr später als ursprünglich geplant findet am 3. Dezember die Premiere von „Cyrano de Bergerac“ unter der Regie und Mitwirkung von Andreas von Studnitz statt. Zuvor wird von Studnitz, der ebenfalls neu in der Färbe ist, im November mit dem Monologstück „Event“ auftreten.

Zum Ende des Festes kam noch richtige Theaterstimmung auf, als Elmar F. Kühling, Daniel Leers, Reyniel Ostermann und Milena Weber Teile des literarisch-musikalischen Kabaretts „As time goes by“ präsentierten.