Lange ist es her, aber wenn er seine Geschichte erzählt, sieht Fabian Dobler die Menschen und die Situationen noch genau vor sich; er fühlt die Atmosphäre und ist wieder der neunjährige Fabian.

Vater leitete Jugendmusikschule

Fabian Dobler ist 1971 mit seinen Eltern nach Singen gekommen und dort aufgewachsen. Sein Vater, Fritz Dobler, hatte damals die Leitung der Singener Jugendmusikschule übernommen und aufgebaut. „Ich war ein wohl typisches Kind von Bildungseltern“, erzählt er schmunzelnd, „ich wurde gut behütet, gefördert, konnte schon lesen und schreiben ehe ich in die erste Klasse kam.“ Die Schule sei für ihn ein Klacks gewesen. Als Fünfjähriger bekam Fabian Dobler seine ersten Klavierstunden. Sein Vater hatte als Musiker professionelle Ansprüche an das Klavierspiel, war aber auch konfliktscheu und wollte keinen Druck auf seinen Sohn ausüben. Seine Mutter fühlte sich für die Erziehung zuständig und hielt ihn deshalb zum täglichen Üben am Klavier an. „Über das Klavierspielen sollte ich lernen, dass ich Fleiß, Arbeit und Disziplin investieren muss, um etwas erreichen“, erzählt er.

Der junge Fabian Dobler am Klavier, das Bild ist undatiert.
Der junge Fabian Dobler am Klavier, das Bild ist undatiert. | Bild: privat

Unterricht mit neun Jahren

Als Fabian Dobler neun Jahre alt war, bekam er einen neuen Klavierlehrer, einen richtigen Pianisten, Deutsch-Rumäne, der zuvor eine Gastprofessur in Japan hatte. „Ich fand ihn toll, er hat mich unglaublich beeindruckt und motiviert“, erinnert er sich. Weil der Klavierlehrer und seine Frau neu in Singen waren und noch niemanden kannten, hatte Fabian Doblers Vater sie eingeladen, gemeinsam Weihnachten in im Haus der Familie zu feiern. Gleichzeitig meldete sich aber Verwandtschaft aus dem Ruhrgebiet an. „Meine Eltern trauten sich nicht, die verschiedenen Welten aufeinanderprallen zu lassen und suchten nach Wegen, die Verwandtschaft – die sie nicht eingeladen hatten – ohne größeres Gemetzel wieder auszuladen“, erinnert sich Fabian Dobler, „es war fast wie in einer amerikanischen Weihnachtskomödie.“

Basteln oder Üben für das Vorspiel?

Dann bekam der junge Fabian einen Bausatz für ein Harley-Davidson-Modell geschenkt, mit dessen Zusammenbau er sich die kompletten Weihnachtstage beschäftigte. Dabei sollte er doch eigentlich das Klavierstück für den Neujahrsempfang mit dem damaligen Oberbürgermeister Friedhelm Möhrle einüben. „Meine Mutter, wegen der familiären Situation ohnehin schon überfordert und äußerst angespannt, versuchte, mein Basteln mit dem Bausatz durch vorsichtige Suggestivfragen zu unterbrechen, indem sie nachhakte, ob ich nicht doch mal mit dem Üben für den Empfang im Rathaus beginnen wolle.“ Der Bausatz hatte schließlich gewonnen, Fabian Dobler hatte seine Harley fast fertig gebaut, als der Mutter der Geduldsfaden riss und es zu einer „sehr, sehr großen Explosion kam“, wie Fabian Dobler sich noch bestens erinnern kann.

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Mutter ist stinksauer auf den Jungen

Seine Mutter zerriss die Klaviernoten in Schnipsel in Konfettigröße, schmiss diese wutschnaubend in den Mülleimer, schimpfte lauthals, dass sie Fabian Dobler umgehend vom Klavierunterricht abmelden würde, ehe sie, die Tür dabei zuknallend, das Zimmer verließ. „Ein paar Minuten saß ich wie paralysiert in meinem Zimmer. Dann holte ich eine große Rolle Tesa-Film, ging zum Mülleimer und puzzelte in mühevoller Kleinarbeit die Partituren wieder zusammen und begann zu üben. Ich hatte soeben entschieden, Musiker zu werden“, berichtet Dobler.

Fabian Dobler: „Ich war ein wohl typisches Kind von Bildungseltern.“
Fabian Dobler: „Ich war ein wohl typisches Kind von Bildungseltern.“

Mittlerweile lebt er in Hamburg und ist ein mehrfach ausgezeichneter Pianist, Dirigent, Autor und Tonsetzer. Die zusammengeklebten Partituren verwahrte er noch lange in einer Schublade. „Ach ja“, schließt er schmunzelnd seine Erzählung ab, „mein Vorspiel beim Neujahrsempfang des Oberbürgermeisters klappte dann doch ganz gut.“