Wo bleibt man als Autor, wenn plötzlich alle Veranstaltungen abgesagt werden? Für Schriftsteller Thomas Hürlimann, der eigentlich am Sonntag den Schlusspunkt der diesjährigen Erzählzeit ohne Grenzen setzen sollte, stellen sich ganz andere Fragen: Wo landet man, wenn man auf vereister Fahrbahn im Februar im Weihnachtsmannkostüm ein Brückengeländer durchschlägt. Heinrich Übel erwacht in Thomas Hürlimanns Roman „Heimkehr“ in Sizilien. Was ist passiert, wie ist er nach Sizilien gekommen und was ist real – der Autor Thomas Hürlimann entführt in seinem Werk auf eine Reise voller Fragen. Protagonist und Leser haben viele Fragen, die sich Abschnitt um Abschnitt ein Stück weit lüften, nur um zu beweisen, dass man dadurch nun doch nicht so viel erfahren hat, wie gedacht.

Zurück auf alten Pfaden

Der notorische Verlierer tritt seine Heldenreise zu seiner Überraschung als Respektsperson an. Überrascht über die eigene Verwandlung gelangt er nach einer abenteuerlichen Odyssee zurück auf seine alten Pfade. Unerkannt erkundet er nicht nur sein altes Umfeld sondern auch sein altes Leben, das er nun inkognito wie einen flüchtigen Dritten untersucht.

Unterwegs ist Hürlimanns Heimkehr vermutlich eines der Bücher, die besonders stark von seinen Lesern selbst geprägt werden, da es seine Geheimnisse nicht preisgibt. Bis die Auflösung eines Rätsels stattfindet, weiß man zumindest, jede einzelne Frage liegt eigentlich viel tiefer.

Der Weg zu den Erinnerungsfetzen ist eine Parade der schrägen Figuren, skurrilen Begegnungen und absurden Begebenheiten. Und irgendwo im Hintergrund huscht außerdem die Weltgeschichte durch, wobei ein Ohrensessel dem Mauerfall an Präsenz durchaus die Schau stehlen kann.

Rückkehr zu alten Fehlern

Auf die Heimkehr hin spitzt sich das Buch zwar scheinbar zu, aber Hürlimann legt dazu zwei Gegenentwürfe bereit. Genauso geht es um Wiederkehr, die Rückkehr zu den menschlichen und eigenen Fehlern. Oder der Frage, ob Rückkehr überhaupt möglich ist oder nicht beide Seiten schon längst erneuert sind.

Worte verkörpern das Leben

Steht zunächst die Frage im Raum, ob das nun Realität, Zwischenwelt oder Fiebertraum ist, stellt das Buch dann die Frage, was genau das eigentlich ausmacht. Thomas Hürlimann lässt seinen Hauptdarsteller über Lebendiges und Totes philosophieren und auch über das Erzählen selbst: „Wörter sind tote Gegenstände: Buchstaben Zeilen Papier, doch verkörpern sie das Leben – bei höchster Qualität, von einer geringen Versprödung abgesehen, sogar das ewige Leben“.

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