Es steht nicht gerade gut um das Image der Stadttauben. Dabei sind sie als Kulturfolger aus keiner Innenstadt wegzudenken. Von den einen als Friedensbotschafter geschätzt, stellen sie für viele Stadtbewohner eine lästige Plage dar.

So auch in Singen, wo die wachsende Zahl der Vögel an manchen Stellen zu Verunreinigungen von Hauseingängen, Fenstersimsen oder Bürgersteigen führt. Laut Satzung verbietet die Stadt das Füttern der Tiere. Doch es gibt regelmäßige Verstöße, vor allem im Winter. Wasser auf die Mühlen der Taubenfreunde brachte die Lockerung des Fütterverbotes in einigen Städten, wie zum Beispiel Hannover.

Tauben stürzten sich auf das Futter in einem Hauseingang in der Erzberger Straße in Singen.
Tauben stürzten sich auf das Futter in einem Hauseingang in der Erzberger Straße in Singen. | Bild: Gudrun Trautmann

Stiftung sorgt sich um Stadttauben

Bereits im Frühjahr 2020 forderte auch die Erna-Graff-Stiftung die Kommunen dazu auf, das Fütterverbot aufzuheben, weil die Tauben in den Innenstädten zu verhungern drohten. Als Grund wurde die Corona-Pandemie angegeben. Im ersten Lockdown hielten sich kaum noch Besucher in den Innenstädten auf. Essensreste fehlten den Vögeln als Nahrung.

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Singen hält am Fütterverbot fest

Für die Stadt Singen kam eine Lockerung des Fütterverbotes jedoch nie in Frage. Ganz im Gegenteil: Hier geht es eher darum, die Ausbreitung der Tauben zu verhindern. Seit Jahren wird in regelmäßigen Abständen über den Bau eines Taubenhauses diskutiert. Beispiele aus anderen Städten zeigen, dass solche Einrichtungen durchaus Erfolg haben.

Das hat nun auch den Singener Gemeinderat überzeugt. „Um die Stadttaubenpopulation langfristig unter Kontrolle zu halten, hat die Stadt Planungen für ein Taubenmanagement aufgenommen“, erklärt Pressesprecher Achim Eickhoff auf SÜDKURIER-Anfrage. „Städte wie Tübingen und viele andere haben gute Erfahrungen mit Taubenhäusern oder -schlägen gemacht. Im Haushalt 2021 hat die Stadt Singen hierfür 10.000 Euro eingestellt.“

Auch der Eingang zum SÜDKURIER ist betroffen. Jede Menge Weizenkörner locken die Tauben aus der Umgebung an.
Auch der Eingang zum SÜDKURIER ist betroffen. Jede Menge Weizenkörner locken die Tauben aus der Umgebung an. | Bild: Udo Krumpak

Taubenhaus könnte Problem lösen

Mit einer solchen Einrichtung könne die Kotmenge im Stadtgebiet deutlich verringert werden. Durch den Austausch der Eier mit Keramikeiern könne die Vermehrung der Vögel begrenzt werden. Tierschützer wie die Erna-Graff-Stiftung unterstützen die Pläne.

„Wenn Corona dies wieder erlaubt, plant die Stadtverwaltung eine Informationsveranstaltung“, sagt Eickhoff. Wer sich unabhängig davon informieren will, kann unter folgenden Adressen Kontakt aufnehmen: sindy.bublitz@singen.de und stefan.mohr@singen.de, Telefon (0 77 31) 851-95 oder (0 77 31) 851-05.

Unbekannte verstreuen Futter

Die Bestrebungen der Stadtverwaltung, die Taubenpopulation in der Innenstadt zu reduzieren, findet zwar breite Zustimmung in der Bevölkerung, allerdings nicht bei allen. Es gibt Menschen, die diese Haltung nicht teilen und unerkannt im Schutz des Morgengrauens immer wieder große Mengen Futters an verschiedenen Plätzen in der Innenstadt verstreuen.

Gegenwärtig sind die Taubenfreunde verstärkt unterwegs, sehr zum Ärger der Anlieger. Unter den Vögeln spricht sich herum, wo der Tisch für sie reich gedeckt wird. Beispiele kann man täglich in der Enge-/Ecke Erzbergerstraße, an der Herz-Jesu-Kirche oder in der Thurgauer Straße beobachten. Auf einer der Antennen über dem Postgebäude sitzen sie zu Dutzenden und stürzen sich auf die ausgestreuten Weizenkörner. Zurück bleibt jede Menge Kot.

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Stadt setzt auf Information

Wie geht die Stadt gegen das laut Polizeiverordnung verbotene Füttern von Tauben vor? „Wir setzen auf Information und Einsicht“, erklärt Achim Eickhoff. „Immer wieder weisen wir in unserem Amtsblatt auf die geltenden Verordnungen hin.“

Dabei werde auch erklärt, dass auch in den kalten Wintermonaten das Füttern nicht nötig sei, da Tauben von Natur aus darauf ausgerichtet sind, sich selbst zu versorgen. Das natürlich vorhandene Futterangebot sorge für einen zahlenmäßig gesunden Taubenbestand.

Falsch verstandene Tierliebe führt auch am Eingang zur Herz-Jesu-Kirche zur unerlaubten Fütterung von Tauben. Die Vögel verschmutzen die Fassade, weil sie sich angelockt durch die Fütterung, auf den Simsen aufhalten.
Falsch verstandene Tierliebe führt auch am Eingang zur Herz-Jesu-Kirche zur unerlaubten Fütterung von Tauben. Die Vögel verschmutzen die Fassade, weil sie sich angelockt durch die Fütterung, auf den Simsen aufhalten. | Bild: Trautmann, Gudrun

Angesichts der zahlreichen Futterstellen wirkt die Polizeiverordnung wie ein zahnloser Tiger. Ganze zwei Anzeigen hat es in den vergangenen Jahren gegen ertappte Fütterer gegeben. Und auch das Bußgeld in Höhe von 30 Euro scheint nicht gerade eine abschreckende Wirkung zu haben, selbst wenn es sich bei Wiederholung verdoppelt.

Ein Pflanzkübel in der Thurgauer Straße wird als Futterkrippe für die Stadttauben genutzt.
Ein Pflanzkübel in der Thurgauer Straße wird als Futterkrippe für die Stadttauben genutzt. | Bild: Gudrun Trautmann

Wie lässt sich die Situation überhaupt kontrollieren? „Das ist eine sehr schwierige Angelegenheit und eigentlich gar nicht wirklich leistbar“, sagt Eickhoff. „Es muss schon jemand direkt beim Füttern beobachtet werden oder durch einen Hinweis aus der Bevölkerung uns namhaft gemacht werden.“ Erst dann hätte die Stadt eine Möglichkeit, die Person zur Rede zu stellen und gegebenenfalls ein Ordnungswidrigkeitsverfahren einzuleiten.

Ältere Menschen wollen Gutes tun

Meistens handelt es sich laut Eickhoff um ältere Menschen mit einer hohen Affinität zu Tieren. Die glaubten, mit dem Füttern den Tieren etwas Gutes zu tun. „Wenn wir jemanden direkt entdecken, dann sprechen wir die Person an und erklären zuerst einmal, dass dieses Füttern im öffentlichen Raum verboten ist. Dennoch können wir nicht verhindern, dass diese Personen es vielleicht beim nächsten Mal dann doch wieder tun.“

Das Bundesverwaltungsgericht hat bereits im Juli 2002 den Lebensschutz von Wirbeltieren (damit auch Tauben) im Grundgesetz (Art. 20a) gestärkt. Darauf bezieht sich auch die Erna-Graff-Stiftung, wenn sie eine betreute Fütterung von Stadttauben einsetzt. Bereits im April 2020 hat die Stiftung zahlreiche Städte angeschrieben und zu dieser Methode aufgefordert. Darunter auch Singen. Ob das Problem der unkontrollierten Fütterung und den damit verbundenen Hinterlassenschaften durch den Bau eines Taubenhauses beseitigt wird, muss sich erst erweisen.

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Unterdessen rät die Verwaltung regelmäßig im Amtsblatt: „Körperkontakt mit Tauben und deren Kot vermeiden. Beim Entfernen von Taubendreck den Kot zuerst mit Wasser von außen nach innen aufweichen. Das verhindert, dass Kotstaub aufgewirbelt und eingeatmet wird.“