Stabwechsel bei den Stadtwerken Singen: Markus Schwarz ist seit 31. Juli nicht mehr Geschäftsführer des städtischen Eigenbetriebes. Der 63-Jährige hat allerdings keine neue Anstellung gefunden, sondern ist zum Monatsende in den Ruhestand gewechselt. Markus Schwarz hat die Geschicke der Stadtwerke beinahe über ein Vierteljahrhundert hinweg geleitet. Seit dem Jahr 1997 war er im Amt, nun wartet das Rentendasein auf ihn. Zusammen mit dem SÜDKURIER blickt er auf seine Zeit in der Hohentwiel-Stadt zurück. Meilensteine gab es in dieser Zeit viele, wie er im Gespräch verrät.

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Die neue Herz-Jesu-Parkplatz Tiefgarage beispielweise. Sie war laut Markus Schwarz eines der großen Projekte der vergangenen Jahren. Mit 5,5 Millionen Euro sei sie laut Schwarz nicht nur eine teure Angelegenheit gewesen, sondern auch ein sehr aufwändiges Bauvorhaben. Das hänge vor allem mit dem Baugrund zusammen. „Wir haben komplett im Grundwasser bauen müssen, daneben die historische Herz-Jesu-Kirche, auf die wir beim Bau haben achten müssen“, sagt Schwarz. Aber der Aufwand habe sich gelohnt, der Herz-Jesu-Platz habe eine deutliche Aufwertung erfahren.

Schwarz: „Der ZOB ist ein Meilenstein.“

Ein weiterer Meilenstein in seiner Zeit als Chef der Singener Stadtwerke: der neue Bahnhofsvorplatz. „Der neue ZOB hat dem Stadtbusverkehr einen unheimlichen Auftrieb verliehen“, betont Schwarz. Aber der Bau habe auch seine Schattenseiten gehabt. „Wir hatten gerade im Busverkehr quasi über zwei Jahre hinweg wegen den Umleitungen nur Verspätungen“, so Schwarz. Logistisch sei dies eine Katastrophe vor allem für den öffentlichen Nachverkehr gewesen. „Man muss es schon so deutlich sagen: Da sind uns viele Kunden abgesprungen und dieses Vertrauen müssen wir erst wieder zurückgewinnen“, sagt der 63-Jährige.

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Aber er sei sich sicher, dass sich die Investition von knapp sechs Millionen Euro rentiert habe. „Mit dem ZOB haben wir jetzt den gesamten Bahnhofsvorplatz barrierefrei gestalten können“, so Schwarz. In seiner Zeit als Geschäftsführer der Stadtwerke habe er zehn Neubaugebiet begleitet – etwa das Bühl oder das Schnaidholz. „Wir als Stadtwerke sind dort ganz im Vorfeld beim Bau der Entwässerung mit dabei, das vergessen viele“, betont Schwarz. Ebenfalls hebt er den Bau der Tiefgaragen Stadthalle und Heinrich-Weber-Platz hervor. Mit rund 950 Stellplätzen sind die Stadtwerke laut Schwarz der größte Parkhausbetreiber in der Stadt.

Der neue Wertstoffhof im Gaisenrain 12 wurde im Jahr eröffnet. Heidi Urbatsch und Markus Schwarz luden den SÜDKURIER damals vorab zu einem kleinen Rundgang ein.
Der neue Wertstoffhof im Gaisenrain 12 wurde im Jahr eröffnet. Heidi Urbatsch und Markus Schwarz luden den SÜDKURIER damals vorab zu einem kleinen Rundgang ein. | Bild: Sabine Teche

Ein wichtiger Schritt für die Stadt sei auch die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED gewesen. „In Singen gab es 2012 über 60 verschiedene Leuchtentypen“, verrät Schwarz. Was viele Bürger nicht wissen: Singen ist laut Schwarz die Kommune mit den meisten Lichtpunkten in Baden-Württemberg. Mittlerweile sind alle Leuchten in der Stadt auf LED umgestellt. Als einen Quantensprung seiner 24-jährigen Zeit nennt Schwarz auch den neuen Wertstoffhof, der 2017 eröffnet wurde.

Mecker-Thema gelber Sack

Aber es bleibt auch ein Mecker-Thema seiner Zeit bei den Stadtwerken zurück: Die leidige Diskussion um den gelben Sack. „Wir haben es jetzt 2021 endlich geschafft, dass die Abfuhr der gelben Säcke zumindest von vier- auf zwei-wöchig umgestellt wurde“, so Schwarz.

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Dies sei ein ewiger Kampf mit der beauftragten Firma gewesen. Schwarz rechne damit, dass irgendwann in Singen die gelbe Tonne eingeführt werde.

Nachfolger steht schon fest – nur ein Name fehlt noch

Wie geht es nun nach der Ära-Schwarz weiter? Ein Nachfolger stehe bereits fest. Wer es ist solle laut Schwarz in den kommenden Tagen bekannt gegeben werden. Der 63-Jährige ist sich sicher, dass das Thema Stadtbus ein wichtiges für seinen Nachfolger werden wird. Er selbst habe zwei Ausschreibungen miterlebt: 2006 und 2016 wurden neue Fahrzeuge ausgeschrieben. 2026 stehe die nächste Vergabe an. Schwarz geht davon aus, dass dann alle 13 Stadtbusse elektronisch unterwegs sein werden. Er sagt dies mit Blick auf das von der Stadt ausgegebene Ziel, 2035 komplett klimaneutral zu agieren. „Dann wird die Technologie soweit sein, dass diese Variante mehr Vorteile haben wird“, so Schwarz. Und er bleibt beim ÖPNV: 2006 habe man in Singen die erste barrierefreie Bushaltestelle gebaut. Bis 2022 sollten alle Haltstellen umgerüstet werden. Doch Schwarz warnt vor unrealistischen Erwartungen: „Das wird sich finanziell keine Stadt leisten können.“ Aber Singen sei gut aufgestellt, die wichtigsten Haltestellen seien schon barrierefrei.

Ein wichtiger Meilenstein für die Stadtwerke: Bis zum April 2022 soll das neue Parkhaus in der Bahnhofstraße fertiggestellt sein.
Ein wichtiger Meilenstein für die Stadtwerke: Bis zum April 2022 soll das neue Parkhaus in der Bahnhofstraße fertiggestellt sein. | Bild: Freißmann, Stephan

Auch ein Projekt, das Schwarz für sehr wichtig für die Entwicklung der Stadt erachte, wird dann fertiggestellt sein: das neue Parkhaus in der Bahnhofstraße. 5,8 Millionen Euro wird das Vorhaben kosten und im Juli 2022 eröffnet werden. „Der Hintergrund ist, dass die Tiefgarage am Herz-Jesu-Platz nur 70 Stellplätze ausweisen kann, wegen des Grundwassers“, erklärt Schwarz. In der östlichen Innenstadt würden 400 bis 500 Parkplätze fehlen. Von daher sei es sinnvoll, ein Parkhaus leicht außerhalb der Innenstadt zu bauen, sagt Schwarz. Damit könne man auch oberirdische Parkplätze anbieten. Er sei sich sicher, dass das Parkhaus gut angenommen werde.