Seit Mai wird das Kultusministerium von Ministerin Theresa Schopper (Grüne) geleitet. In der vergangenen Woche kamen Staatssekretärin Sandra Boser und die Landtagsabgeordnete Dorothea Wehinger (Grüne) mit Schulleitern zusammen, um deren Erfahrungen, Kritik und Anregungen für die grüne Bildungspolitik im Land zu sammeln und die Pläne des neuen Kultusministeriums vorzustellen.

Was das neue Kultusministerium plant

Grundlage ist der Koalitionsvertrag mit der CDU. Kernthema sei, so Sandra Boser, die Chancengerechtigkeit. Dazu sollten die Schulen mit multiprofessionellen Teams aus Pädagogen, Helfern, Schulsozialarbeitern und Schulpsychologen unterstützt werden. Aufgreifen will man das Thema „Grundschule ohne Noten“. „Es ist wichtig, dass wir mit neuen pädagogischen Werkzeugen arbeiten“, sagte die Staatssekretärin. Vom selbstorganisierten Lernen zum Beispiel, wie es in den Gemeinschaftsschulen praktiziert werde, hätten Schüler im Fernunterricht profitiert. Aber es seien verschiedene Ansätze wichtig: „Manche Schüler brauchen mehr Führung.“ Insgesamt setze das neue Kultusministerium auf Austausch mit den Schulen: Gerade im Corona-Jahr zählten individuelle Lösungen: „Die Schüler sollen wiederholen oder auf Probe versetzt werden können“, ergänzte Boser. Ein Kurzschuljahr wie in den 1960-er Jahren soll es nicht geben, dafür aber mehr Unterstützung: Für das Programm Rückenwind, mit dem es nach den Ferien in den Schulen Lernunterstützung geben soll, will man bis zu 30.000 Lehrende und Helfer gewinnen.

Was die Schulleiter sich wünschen

Mehr Wertschätzung für die Gemeinschaftsschule forderten Bernhard Straile, Schulleiter der Gemeinschaftsschule Aldingen, und Alexander Bitter von der GMS Steißlingen. „Die Gemeinschaftsschule soll gleichwertig neben den anderen stehen“, wünscht auch Birgit Gegier-Steiner von der Ten-Brink-Gemeinschaftsschule in Rielasingen. „Wir sind keine Kuschelschule, sondern eine Leistungsschule.“

In Pandemie-Zeiten braucht man mehr Flexibilität

Im Umgang mit der Corona-Pandemie solle das Kultusministerium mehr Flexibilität zeigen, darüber waren sich die Rektoren einig: „In Stuttgart kann man nicht entscheiden, wie die Situation vor Ort ist. Je mehr Freiraum sie uns geben, desto besser werden wir die Probleme lösen“, fasste Rektor Straile zusammen. Katharina Ache-Hirschmann von der Singener Hardtschule wäre mit ihrer Grundschule gerne länger im Wechselmodell geblieben: „Schüler und Unterricht profitierten von Kleingruppen“, so ihre Erfahrung. Die Abmeldung vom Präsenzunterricht zum Beispiel solle nicht allein bei den Eltern liegen, wünschen sich einige Schulleiter: „Die Eltern waren mit der Entscheidung überfordert“, sagten Renate Paul und Petra Kible von der Weiherbachschule Mühlingen.

Mehr Mitsprache bei förderbedürftigen Kindern

Das Mitspracherecht der Schule etwa bei förderbedürftigen Kindern möchte auch Ache-Hirschmann gestärkt sehen. Die Singener Grundschulrektorin regte den Ausbau der Kindergarten-Kooperation sowie der Plätze am Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ) für Kinder mit Förderbedarf an. Eine Herausforderung ist nach Ansicht aller Schulleiter der Bedarf an Schulsozialarbeit. „Das erzieherische Feld an den Schulen nimmt Dimensionen an, die uns überfordern“, sagte Birgit Gegier-Steiner.