„Es kommt nicht darauf an, wo das Schicksal dich hinstellt, sondern was du daraus machst“ – das ist das Credo von Matthias Berg. Wie er sein Leben mit seiner Contergan-Behinderung bewältigt, das erfuhren die Zuhörer bei seinem Vortrag „Mach was draus! – Expedition zur inneren Kraftquelle“ im Singener Ratssaal.

Das könnte Sie auch interessieren

„Meine Eltern haben alles richtig gemacht“, erzählt Berg und beschreibt die ersten zehn Jahre seiner Kindheit, die er in Detmold verbrachte. Seine Eltern hätten ihn trotz seiner Behinderung wie selbstverständlich überall mitgenommen. Schwieriger wurde es nach dem Umzug nach Trossingen, als er zehn Jahre alt war. „Ich fiel dort auf mit meinen roten Haaren – Kupferdächle – , meinen kurzen Armen und vor allem auch, weil ich kein Schwäbisch konnte.“ Er sei zunächst ein kompletter Außenseiter gewesen, doch in der vierten Klasse habe er einen tollen Lehrer bekommen und sei in die Versehrtensportgemeinschaft eingetreten.

Wenn Blicke schnell weg driften

Berg erzählt auch von Bahnfahrten, die er von Trossingen nach Freiburg gemacht hat, weil er dort Hornunterricht erhielt. Diese Blicke, die immer schnell weg drifteten, wenn er sie erwidern wollte. Dass er ab dem siebten Lebensjahr mit dem Horn-Spielen angefangen hatte, hat er seinen Eltern zu verdanken. „Instrumente wie Klavier, Geige, Posaune oder Trompete kamen nicht in Frage“, so Berg. Drei Finger, drei Ventile – das passt für Horn, hatten seine Eltern kurzerhand entschieden und brachten ihm schon mit fünf Jahren zunächst ein Jagdhorn, um es mal auszuprobieren. Daraus wurde eine Leidenschaft, die in unzählige Konzerte weltweit mündete.

Das könnte Sie auch interessieren

Auch bei der Berufswahl ging natürlich nicht alles. „Ich brauchte einen Beruf, wo der Kopf wichtiger ist als der Körper. Mein Onkel empfahl mir, Jurist zu werden“, erzählt Berg. Doch auch er habe Rückschläge gehabt. Wie 2011, als er insgesamt vier Jahre mit einer Netzhautablösung gekämpft habe.

Sein Tipp: Nicht auf Defizite konzentrieren

In seinen Vortrag packt er auch einige schöne Karikaturen, wie die, als Charlie Brown zu Snoopy sagt: „Eines Tages werden wir sterben“, und dieser optimistisch antwortet: „Ja, aber alle anderen Tage werden wir leben.“ Wichtig sei es, seine Ziele zu kennen. Eine seiner Grundentscheidungen sei: „Ich packe es an“ (oder „it schwätze – mache!“) und nicht dieses schwammige, unverbindliche „mer sott“. Wichtig sei es auch, sich auf das zu konzentrieren, was man kann, und nicht auf die eigenen Defizite.

Das könnte Sie auch interessieren

Die Veranstaltung konnte mit Mitteln aus dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“ durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert werden. Die Singener Kriminalprävention hatte den Vortrag gemeinsam mit dem Kreisbehindertenbeauftragten Oswald Ammon organisiert. Ammon kennt Matthias Berg schon seit etwa 40 Jahren.