Während in den Parteien der Stuttgarter Regierungs-Koalitionspartner Grüne und CDU das Hauen und Stechen um die Landtagskandidatur groß war, zeichnet sich bei der SPD ein ruhiges Rennen um die Position ab. „Im Kreisverband ist uns im Wahlkreis Singen/Stockach bislang keine Gegenkandidatur bekannt“, betont der Kreisvorsitzende Tobias Volz und dankt Hans-Peter Storz ausdrücklich dafür, noch einmal für die Genossen in den Ring zu steigen – nun zum dritten Mal.

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„Nachdem sich niemand vorgedrängelt hat, habe ich mich in der Pflicht gefühlt“, erklärt Storz seine Motivation zur neuerlichen Kandidatur. Seine Jahre als Landtagsabgeordneter haben ihm Freude bereitet und der Schock nach der Wahl vor fünf Jahren dem Kontrahenten von der AfD unterlegen zu sein, der ist mittlerweile auch verdaut. „Mein Ziel ist, es nicht noch einmal zuzulassen, dass 26 Prozent der Stimmen am rechten Rand landen.“ Dazu will er auf die Menschen zugehen, Zielgruppen ansprechen und nicht nur auf der Straße Präsenz zeigen, sondern auch im Internet. „Umso dankbarer bin ich, dass mich mit Tim Strobel ein junger Kandidat unterstützt.“ Strobel steht als Ersatzkandidat parat. Eine besondere Rolle in der baden-württembergischen Landespolitik: Wenn Storz sein Amt bis zum letzten Tag ausfüllen kann, bleibt Strobel nur die Zuschauerrolle. „Aber es ist eine Zeit um Erfahrungen zu sammeln“, so Strobel.

Von Höhen und Tiefen

Das hat Storz hinter sich. Er kennt Höhen und Tiefen der politischen Arbeit und demokratischer Wahlen. Einmal konnte er am Wahlabend unerwartet jubeln, ein andermal musste er überraschend die Niederlage verkraften. Jetzt will es der 60-jährige noch einmal wissen. „Seit es bekannt ist, haben mich von vielen Seiten positive Stimmen erreicht“, berichtet Storz. Volz pflichtet ihm bei: Storz sei durchaus vermisst worden als Stimme aus dem Hegau.

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„Als Kreisvorsitzender muss ich mich bei der Kandidatensuche fragen: Wer kann‘s? Wer mag‘s? Und wer macht‘s?“, erklärt Volz. Wenn dann einer wie Storz komme, und sage: Ich mach‘s, dann könne man glücklich sein. Storz sei ein Kümmerer für die Menschen in der Region. Er wolle für die Bürger da sein und baldmöglichst in die Wahlkampfarbeit einsteigen. Soziales, Bildung und Wirtschaft soll der Dreiklang sein, den es zu vereinen gelte. Wie dies gelingen könne, habe Karstadt gezeigt. „Der direkte Draht zum Betriebsrat hat es der SPD in Singen möglich gemacht, ohne Umwege unterstützend eingreifen zu können“, betont Storz. Zum Thema soziale Bildung zählt für den tätigen Religionslehrer eine gebührenfreie Kinderbetreuung – und die Energiewende müsse für den Bürger bezahlbar bleiben. „Wir müssen den Blick nach vorne richten und Antworten für die Zukunft erarbeiten“, sagt Storz und rechnet sich durchaus Potenzial für seine Kandidatur aus

Die SPD startet den Landtagswahlkampf. Kandidat Hans-Peter Storz mit Ersatzkandidat Tim Strobel (links) und dem Kreisvorsitzenden Tobias Volz (rechts).
Die SPD startet den Landtagswahlkampf. Kandidat Hans-Peter Storz mit Ersatzkandidat Tim Strobel (links) und dem Kreisvorsitzenden Tobias Volz (rechts). | Bild: Tesche, Sabine

Die drei Anläufe des Landtagskandidaten

  • 2011: Jubeln konnte der SPD-Kandidat Hans-Peter Storz 2011, als er ein Zweitmandat für die SPD im Regierungsbezirk Freiburg gewonnen hat und als Abgeordneter in den neuen Landtag einzog. 23,4 Prozent der Stimmen haben ihm dafür gereicht. Nicht gereicht hat es damals dem Kandidaten der Grünen, Udo Engelhart, der seine Partei von 12,9 auf 22,6 Prozent hochgehievt hat, und FDP-Kandidat Oliver Kuppel.
  • 2016: Die Stimmung schwankte zwischen Ratlosigkeit und Schock, die Wahlbeteiligung mit 58,7 Prozent sechs Prozentpunkte über 2011 und die SPD kam nur auf 15,9 Prozent. Storz, der 2011 erstmals in den Landtag einzog, konnte seinen Sitz nicht verteidigen. Die Enttäuschung war ihm deutlich anzumerken: „Ich bin geschockt, die Parteien im Bundestag wurden abgestraft und die AfD spielt mit den Ängsten der Menschen.“
  • 2021: Die Wahlperiode des 16. Landtags von Baden-Württemberg endet regulär am 30. April 2021. Die Neuwahl des 17. Landtags wurde auf den 14. März 2021 festgelegt. Wahlvorschläge müssen bis spätestens Donnerstag, 14. Januar 2021, um 18 Uhr beim zuständigen Kreiswahlleiter schriftlich eingereicht werden. Die SPD im Wahlkreis Singen/Stockach will ihren Kandidaten am 17. September nominieren. (bie)

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