„Wir wissen, was wir tun“ – nach diesem Motto gewährten über 40 Betriebe beim Tag des offenen Handwerks Einblicke in Berufsfelder, in denen sie Ausbildungsplätze anbieten. Rund 450 Schüler aus allen Schularten nutzten die Gelegenheit in Singen. „Wir wollen den jungen Leuten zeigen, was es im Handwerk für vielfältige Berufe gibt“, sagt Claudia Kessler-Franzen von Singen aktiv Standortmarketing. Wegen der Corona-Pandemie waren die Gruppen in diesem Jahr kleiner als sonst. „Das passt sehr gut, denn dadurch bekommen die Schüler besseren Kontakt“, sagt Kessler-Franzen. Sie hat den Tag federführend mit anderen Partnern organisiert.

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Der SÜDKURIER besuchte gemeinsam mit den Jugendlichen die Spedition Maier und den Garten- und Landschaftsbaubetrieb Denzel. Magdalena Kern, Ausbildungsleiterin bei der Spedition Maier, erzählte den Neuntklässlern der Zeppelin-Realschule zunächst etwas über den Beruf des Kaufmanns für Spedition- und Logistikdienstleistungen. „In diesem Beruf geht es um alles rund um Transporte von der Bestellung bis zur Zustellung“, sagte Kern.

Jessica Kobus und Kim Pertlwieser (von links) führten die Schüler beim Tag des offenen Handwerks durch die Spedition Maier.
Jessica Kobus und Kim Pertlwieser (von links) führten die Schüler beim Tag des offenen Handwerks durch die Spedition Maier. | Bild: Susanne Gehrmann-Röhm

Kommunikation ist in der Logistik wichtig

Für den erfolgreichen Transport von A nach B gibt es eine riesige Liste, die abgearbeitet werden müsse. Dazu gehöre das Erstellen von Dokumenten, die Auswahl des passenden Transportmittels und die Organisation des Verladens der Ware. In diesem Beruf sei die Kommunikation ein ganz wichtiger Aspekt.

Im Unternehmen betreut Magdalena Kern insgesamt 20 Auszubildende. Oft werden diese nach der Ausbildung auch übernommen. Das gilt auch für Kim Pertlwieser, die bald fertig ist und in der Personalabteilung bleibt. Beim Rundgang durch die Lagerhallen erläutert Kim Pertlwieser, was Kommissionieren ist. „Im Prinzip funktioniert es wie beim Einkaufen, wenn eine Palette für den Kunden zusammengestellt wird“, sagt sie.

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„Ich hätte nie gedacht, dass ich in einer Spedition beruflich einmal so aufgehe“, sagt Jessica Kobus, Abteilungsleiterin Service. Sie zeigt im Lager auf eine Palette mit Waren, deren Umverpackung beschädigt ist. Solche Ware würde an die Tafel oder das Frauenhaus gespendet.

Bei Maier werden außerdem Fachkräfte für Lagerlogistik, Berufskraftfahrer und Fachlageristen ausgebildet. Die Spedition Maier, die 1927 von Hermann Maier gegründet wurde, hat vier Standorte in Singen, Pfullendorf, Ramsen und Hagen/Westfalen. 80 Mitarbeiter arbeiten am Standort Singen. Seit 2014 gehört die Spedition zur Schweizerischen Planzer-Gruppe. In Singen hat die Spedition 42 eigene Fahrer plus Sub-Unternehmer.

Ortswechsel zur Gärtnerei

Es geht weiter zum Garten- und Landschaftsbaubetrieb von Rolf und Claudia Denzel. Hier ist gerade eine Gruppe aus der Wessenbergschule angekommen. Die Achtklässler erfahren von Ingenieurin Sybille Reichardt, was die rund 20 Mitarbeiter alles machen. „Wir legen nicht nur Gärten an, gestalten sie um oder pflegen sie, sondern bauen seit einigen Jahren auch Schwimmbäder, ungefähr 20 bis 30 im Jahr“, erzählt Reichardt. Auch Skateparks oder Schulhöfe habe der Betrieb schon gebaut oder umgestaltet.

Schüler der Wessenbergschule besuchen Gartenbau Denzel beim Tag des offenen Handwerks. Ingenieurin Sybille Reichardt (links) löst dabei ...
Schüler der Wessenbergschule besuchen Gartenbau Denzel beim Tag des offenen Handwerks. Ingenieurin Sybille Reichardt (links) löst dabei das Rätsel um den Inhalt einer der Grabbelboxen auf: Darin waren Grassamen. | Bild: Susanne Gehrmann-Röhm

Um eine Ausbildungsstelle zu bekommen, sollten Bewerber einen sehr guten Hauptschulabschluss haben, sagt Reichardt. „Und ihr müsst besonders gut rechnen können“, ergänzt sie. Die dreijährige Ausbildung findet im Wechsel im Betrieb und der Berufsschule in Villingen statt. Der Verdienst sei nicht schlecht. „Der Einstiegslohn als Geselle nach der Ausbildung liegt bei 2790 Euro brutto“, erfahren die Schüler.

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Die 15-jährige Rahaf Alsaour findet es klasse, dass sie beim Tag des offenen Handwerks Betriebe von innen kennenlernen kann, sagt sie im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Sybille Reichardt hatte für die Schülergruppen noch vier Grabbelboxen vorbereitet, in der Materialien, die im Gartenbau gebraucht werden, erraten werden konnten.