Anlässlich des internationalen Frauentags, der seit 1921 am 8. März gefeiert wird, hat Sozialwissenschaftlerin Gabriele Winker auf Einladung der Gewerkschaft Verdi einen Vortrag über die sogenannte „Care Revolution“ gehalten.

Dabei geht es um ein Konzept, mit dem sich Gruppen und Initiativen für einen grundlegenden gesellschaftlichen Wandel und die Wertschätzung von Care- oder Sorgearbeit einsetzen. Darunter fallen Tätigkeiten wie Kinderbetreuung oder Altenpflege, aber auch familiäre Unterstützung, häusliche Pflege oder Hilfe unter Freunden.

Situation ist ein Dauerbrenner

Thomas Weisz, Gewerkschaftssekretär im Fachbereich Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen im Verdi-Bezirk Südbaden Schwarzwald sowie Moderator des Abends, sagte zu Beginn der Veranstaltung, schon vor Corona sei die Situation im Gesundheitswesen ein Dauerbrenner gewesen.

„Es ist sehr sichtbar geworden, dass überall gespart wir, es zu wenig Personal gibt und die Institutionen hauptsächlich darin interessiert sind, Geld zu verdienen“, so Weisz.

Sorge umeinander im Mittelpunkt

Die Referentin Gabriele Winker (65) setzt sich seit vielen Jahren im Netzwerk Care Revolution dafür ein, dass man menschliche Bedürfnisse und die Sorge umeinander in den Mittelpunkt stellen müsse und nicht Profitmaximierung und Kostensenkungen.

Seit rund 30 Jahren gebe es den Begriff Sorgearbeit, die die Gesamtheit familiären und ehrenamtlicher Sorgearbeit für andere und für sich selbst sowie entlohnte Arbeit in den Bereichen Erziehung, Gesundheit und Pflege umfasst. Diese Sorgearbeit, die primär von Frauen geleistet werde, sei ohne Qualitätsverluste kaum rationalisierbar.

Für eine solidarische Gesellschaft

Während es in den 70er-Jahren noch das sogenannte Ernährer-Modell gegeben habe, hätten Frauen ab den 80er-Jahren immer mehr dazu verdienen können. Heute wären jedoch rund 42 Prozent aller Alleinerziehenden in prekären Arbeitsverhältnissen mit langen Arbeitszeiten, schlechter Entlohnung und wenig Zeit für Sorgearbeit tätig. Die Aktivisten der Care Revolution streben einen Perspektivwechsel hin zu einer solidarischen Gesellschaft sowie einen Stopp der ökologischen Zerstörung an, so Winker.

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Mittlerweile gebe es zehn Regionalgruppen und 80 Kooperationspartner des Netzwerks. Die Regionalgruppen, erreichbar unter www.care-revolution.org, rufen zu Aktionen wie beispielweise dem „Tag der unsichtbaren Arbeit“ am 1. Mai auf. Care-Aktivistin Gabriele Winker, die von 1975 bis 1981 in Konstanz studiert hatte, appellierte an die zehn Teilnehmer des Online-Vortrags, auch im Landkreis Konstanz aktiv zu werden.

„Wir haben noch zehn Jahre, um die Welt ökologisch umzugestalten“, meint sie. Auch dem Caritasverband, der kürzlich einen Tarifvertrag in der Altenpflege abgelehnt habe, müsse man aufzeigen, dass es so nicht gehe.