Das Gespräch des SÜDKURIER mit dem 44-Jährigen findet spät abends statt. Er sitzt gerade irgendwo zwischen Bayern und Thüringen in einer Gartenwirtschaft und berichtet am Telefon, sozusagen live aus seinem Sommerurlaub 2020: „Warum in die Ferne schweifen? Schließlich gibt es so viele schöne Ecken im eigenen Land, die ich noch nicht kennen“, sagt er.

Am vergangenen Wochenende hat der passionierte Harley-Fahrer den spontanen Entschluss gefasst: Die Wetterprognose ist gut, am Montag geht‘s los. Montag in der Früh packte er seine Tasche, befestigte sie auf seiner Harley und dann? „Ich habe in den Himmel geschaut, wohin die Wolken ziehen, in diese Richtung wollte ich fahren. Also, Helm aufgesetzt und los gings“, erzählt er lachend.

Keine Autobahnen und Großstädte

Sein Plan: Deutschland bereisen, spontan, dabei Autobahnen sowie Großstädte konsequent meiden und in zwei Wochen wieder zurück am Bodensee sein. Der Weg führte ihn zuerst Richtung Bayern, nun ist er in Thüringen. Er lässt sich treiben, genießt den Moment, verweilt dort, wo es schön ist.

Dabei macht er teils skurrile Erfahrungen. Er erzählt: „Mittags mache ich eine Pause, suche ein Restaurant, möglichst mit bodenständiger, regionaler Küche.“ Dass sich das als schwierig erweisen würde, mag er selbst kaum glauben. „In Bayern fand ich Thai-Restaurants, Schnellpizzerien und jede Menge Kebap-Buden. Aber typisch bayrische Gasthöfe, wo ich einen ordentlichen Schweinebraten mit Knödeln essen könnte? Fehlanzeige! Dort stand ich oft vor verschlossenen Türen. Das Sterben der Gaststätten schockiert mich wirklich und ich weiß nicht, ob das allein Corona geschuldet ist.“

Gute und weniger gute Erfahrungen

Für den Abend sucht er eine Unterkunft vor Ort. In der ersten Nacht hatte er eine gute Erfahrung gemacht. Er erzählt: „Ich war in einer Gaststätte und habe den Wirt nach einer Übernachtungsmöglichkeit gefragt. Der meinte: Ich frag mal den Josef, hat telefoniert und mir ein sagenhaftes Quartier vermittelt. Einen alten Bauernhof, der gerade umgebaut wird, wunderschön, mit sensationellem Frühstück und das zu einem top Preis-Leistungsverhältnis. Die Homepage von der Unterkunft ist noch gar nicht fertig, über das Internet hätte ich die niemals gefunden.“

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In Thüringen angekommen, hat er eine andere Erfahrung gemacht. „Ich hatte vorab über Google den Gasthof ausgesucht, telefonisch gebucht und fand den Wirt schon am Telefon äußerst einsilbig. Dort angekommen, wollte ich etwas essen. Er hat mich zwar in der Speisekarte stöbern lassen, aber entgegen meiner Bestellung, wortkarg das Tagesessen vor die Nase gesetzt. Basta.“ Dennis Bauer lacht und fügt zu: „Ich habe das mit Humor genommen. Ehrlich gesagt, ist mir das im Urlaub egal. Auch ein griesgrämiger Wirt bringt mich nicht aus der Ruhe.“

Mit Genuss von A nach B

Bei seiner Tour durch Deutschland lässt er sich Zeit und für einzelne Etappen von einer App über kurvenreiche und sehenswerte Strecken leiten. Er würde dann manchmal mehr als doppelt so lange brauchen, um von A nach B zu kommen, dafür aber die Fahrt genießen, erzählt der Biker. Corona begleitet ihn auch während des Urlaubs und gewährt unterschiedliche Perspektive auf den Umgang mit dem Virus.

Während man in Bayern überaus streng mit der Maskenpflicht und der Einhaltung von Hygieneregeln umginge, sei man in Thüringen sehr entspannt. Urlaub, das ist für Dennis Bauer Entspannung, „seine Ruhe zu haben“, spontan zu sein, in den Tag hinein zu leben. Keine Verpflichtungen, keine Termine, das Handy auszuschalten, keine E-Mails zu lesen, soziale Netzwerke komplett zu meiden. Und Urlaub auf seiner Harley bedeutet für ihn die perfekte Mischung aus Entspannung und dem unbändigen Gefühl von Freiheit.

Lieber spontan als geplant

Dennis Bauer lebt in Singen-Friedingen. Der 44-Jährige ist passionierter Motorradfahrer. Er bezeichnet sich als den „untypischen Urlauber“, denn anstatt Reisen von langer Hand zu planen, bucht er lieber spontan. Wichtiger, als ferne Länder zu entdecken, ist ihm der Entspannungsfaktor und seinen eigenen Rhythmus leben zu dürfen. Für den Herbst hat er einen Flug nach Griechenland gebucht – nur den Flug, sonst nichts. Denn auch dort wird er den Urlaub spontan gestalten.