Momentan herrscht Eiszeit auf der Museumsbahnstrecke Singen/Etzwilen. Nicht nur Schneemassen bremsen den Zugverkehr, sondern auch die Pandemie-Einschränkungen. Doch irgendwann könnte die Strecke wieder regelmäßig befahren werden, sollte es zur Reaktivierung kommen. Doch richtig rentabel war die grenzübergreifende Schienenstrecke zwischen Singen und Etzwilen wohl nie. „Ein Grund für die frühe Insolvenz der ursprünglichen Erbauer und Betreiber war vor allem, weil es der damaligen Nationalbahn nicht gelungen war, einen Zugang in den Zürcher Hauptbahnhof zu erhalten“, erinnert der historisch versierte Singener Jahrbuch-Verleger Klaus-Michael Peter. Die mächtige Nordostbahn unter ihrem Präsidenten Alfred Escher sei dem im Wege gestanden. „Zürich wäre der Schlüssel zu einem rentablen Gotthardverkehr gewesen“, erläutert Peter nach dem großen SÜDKURIER-Bericht zur Geschichte der Etzwiler Bahn. Dabei war der Begriff Nationalbahn von Anbeginn an hochtrabend, denn staatlich sei das Eisenbahnverkehrsunternehmen zwischen Deutschland und der Schweiz nie gewesen. Das Unternehmen wurde aber dennoch mit dem nationalen Namen benannt, so Peter. Hauptsächlich, weil viele Gemeinden sich finanziell beteiligten. Diese mussten an der Insolvenz auch besonders stark leiden: Stein am Rhein beispielsweise habe zwei Höfe verkaufen müssen und zahlte bis 1964 an den Schulden ab.

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Problematisch sei die finanzielle Beteiligung vieler Gemeinden auch bei der Streckenziehung geworden. „Jede teilnehmende Gemeinde wollte auch einen Bahnanschluss, so dass die Strecke Singen-Etzwilen-Winterthur bald so kurvig verläuft wie die Sauschwänzlebahn“, berichtet Peter. Auch dies sei der Rentabilität nicht zuträglich gewesen. Dass aber der Personenverkehr auf den Gleisen nicht nur bis Mai 1969, als die Schweizerischen Bundesbahnen den Betrieb einstellten, Nachfrage erzeugte, offenbare die bis heute betriebene Buslinie auf der gleichen Strecke. „Mit Förderung der Schweiz wird die Linie ab Bahnhof Stein am Rhein bis Singen unterhalten und stellt noch immer gute Anschlüsse her“, weiß Peter.

„Grund für die Insolvenz der ursprünglichen Betreiber war vor allem, weil die damalige Nationalbahn keinen Zugang in den Zürcher Hauptbahnhof erhalten hat.“Klaus Michael Peter, Jahrbuch-Verleger
„Grund für die Insolvenz der ursprünglichen Betreiber war vor allem, weil die damalige Nationalbahn keinen Zugang in den Zürcher Hauptbahnhof erhalten hat.“Klaus Michael Peter, Jahrbuch-Verleger | Bild: SK-

Auch die jüngste Potenzialanalyse der Landesregierung zur Reaktivierung der Etzwiler-Bahn weist eine große Nachfrage aus. Doch wie realistisch dieser Blickwinkel ist, sorgt für heftige Diskussionen zwischen Befürwortern und Gegnern der künftigen Nutzung für den öffentlichen Nahverkehr. Dabei entpuppt sich das vorliegende Gutachten für alle mit weniger ausgeprägtem Wissen um die Zusammenhänge der Nahverkehrsplanung durchaus als Buch mit sieben Siegeln. Dies hat die SPD in Singen nun dazu bewogen, Licht ins Dunkel bringen zu lassen: „Die Reaktivierung ist aus Sicht der SPD Fraktion Singen ein wichtiger Baustein für eine zukunftsweisende Verkehrspolitik“, betont die Fraktionsvorsitzende Regina Brütsch angesichts der Tatsache, dass die Platzierung der Etzwiler Bahn unter den ersten 20 im Landesranking gute Chancen auf eine Umsetzung biete. Vor der Vergabe einer Machbarkeitsstudie beantragt die Fraktion deshalb eine Vorstellung der Potenzialanalyse durch die Gutachter. „Möglichst in einer gemeinsamen Sitzung der Gemeinderäte von Rielasingen-Worblingen und Singen – gerne auch als Hybridsitzung“, erläutert die Fraktionsvorsitzende. Erst wenn das Gutachten verstanden sei, könne weiter geplant werden.

„Wir beantragen vor der Vergabe einer Machbarkeitsstudie zur Reaktivierung der Etzwiler Bahn eine Vorstellung der Potenzialanalyse durch die Gutachter.“Regina Brütsch, SPD Singen
„Wir beantragen vor der Vergabe einer Machbarkeitsstudie zur Reaktivierung der Etzwiler Bahn eine Vorstellung der Potenzialanalyse durch die Gutachter.“Regina Brütsch, SPD Singen | Bild: Partei

Just in diesem Sommer ist erstmals nach über 50 Jahren wieder ein Personenzug gelang aus Richtung Rielasingen in den Singener Bahnhof eingefahren. Seit 2011 hat der Museumsbahnverein auf diesen Tag im vergangenen Sommer hingearbeitet. Dank der politischen Unterstützung durch Singens Oberbürgermeister Bernd Häusler und den Gemeinderat der Stadt Singen war zuletzt der fehlende Abschnitt am Kreisel Georg-Fischer-/Güterstraße mit einem flachen Straßenbahngleis wieder befahrbar gemacht worden.

Ein bedeutender Moment für die Bahnstrecke Singen/Etzwilen: Im vergangenen Sommer konnte erstmals nach über 50 Jahren wieder ein Personenzug, gezogen von der Schlepptender-Dampflok 01 202, vom Singener Hauptbahnhof über Rielasingen Richtung Schweiz fahren.
Ein bedeutender Moment für die Bahnstrecke Singen/Etzwilen: Im vergangenen Sommer konnte erstmals nach über 50 Jahren wieder ein Personenzug, gezogen von der Schlepptender-Dampflok 01 202, vom Singener Hauptbahnhof über Rielasingen Richtung Schweiz fahren. | Bild: MarkOrPlan, Agentur und Verlag