Herr Roth-Schuler, 50 Jahre Malteser in Singen, gab es schon einmal eine vergleichbare Situation, wie aktuell jemals zuvor?

Nein, bei Weitem nicht! Wir können nur, wie jeder andere, jeden Tag neu dazulernen und kurzfristig auf jede neue Lage reagieren. Dabei helfen uns aber unsere Ausbildungen und Grundsätze aus der Malteser Arbeit.

Wie läuft es derzeit mit den Schnelltests an den Schulen?

Wir sind dreimal die Woche in zwei Testzentren, die wir für die Stadt Singen betreuen. Hierbei sind jeweils zwei Helfer tätig. Wir finden bei unseren Tests relativ wenige Positivfälle, was aber vermutlich daran liegt, dass diejenigen, die sich vorsichtshalber testen lassen, auch so vorsichtig sind und sich an die Regeln halten. Die Besucher, die zum Testen kommen, sind hierbei sehr höflich und dankbar und bringen unseren Helfern große Wertschätzung entgegen. Manche bringen sogar Schokolade und Kekse mit.

An wie vielen Schulen sind die Malteser zurzeit im Einsatz?

Zwei, in Beuren die Grundschule und die Beethovenschule. Des Weiteren sind wir noch in Gailingen, Büsingen, Gaienhofen/Horn und bei verschiedenen Betrieben mehrmals wöchentlich im Einsatz mit mobilen Abstrichteams. Durchschnittlich testen wir insgesamt etwa 800 bis 1000 Personen pro Woche.

Was hat die Corona-Pandemie für Ihre Organisation für neue Aufgaben gebracht?

Wir sind seit Mai letzten Jahres am Krankenhaus Singen tätig und stellen dort das komplette Personal für das Besucher-Leitzentrum von täglich 6 bis 22 Uhr. Hier sind unsere Helfer verantwortlich für die Umsetzung der gerade geltenden Bestimmungen zur Besuchsregelung. Im ersten kompletten Lockdown haben wir kurzfristig einen Einkaufsservice für Senioren eingerichtet und unsere Rettungswagen stehen für Fernverlegungen bereit.

Haben Sie sich das Jubiläumsjahr – 50 Jahre Malteser-Hilfsdienst in Singen – so vorgestellt?

Unsere Jubiläumsfeier, welche am 13. März 2020 geplant war, haben wir acht Stunden vorher abgesagt. Es war an dem Tag, als die Zahlen in der ersten Welle explodiert sind. Das haben wir uns definitiv anders vorgestellt. Aber nach sehr kurzer Phase des Frusts darüber haben wir uns der Corona Situation gestellt und geschaut, wo wir helfen können.

Soll der zu Beginn der Pandemie abgesagte Jubiläumsakt noch nachgeholt werden?

Ja, auf jeden Fall. Zwar wurde auch der verschobene Termin im November letzten Jahres Opfer der zweiten Welle, aber wir planen einen erneuten Anlauf im Jahr Eins nach Corona – wann immer das sein mag...

Wie viele Ehrenamtliche sind derzeit im Einsatz?

Derzeit 122. Vor der Pandemie waren es durchschnittlich 50. Die Hilfsbereitschaft ist riesengroß und es haben sich viele Ehemalige, aber auch neue Helfer gemeldet, um zu helfen. Derzeit läuft sogar ein Sanitätskurs unter Pandemiebedingungen, teils virtuell, teils in Kleingruppen, mit 20 Teilnehmern.

Was sind in dieser besonderen Zeit die besonderen Herausforderungen?

Jeden Tag die Lage neu zu beurteilen und das kurzfristig, professionell umsetzen, was heute und morgen gebraucht wird. Pragmatische Lösungen gehen vor lang geplanten. Unser Planungshorizont beträgt derzeit sieben bis zehn Tage. Dazu kommt das Durchhaltevermögen. Anfangs dachte jeder, der Spuk sei nach sechs Wochen vorbei. Jetzt dauert es seit über einem Jahr und kein Ende ist absehbar. Wenn sich also noch mehr Menschen fürs Helfen entscheiden würden, statt sich über die Situation zu beklagen, dann würde es allen helfen. Wir können noch viele Freiwillige brauchen, gerade medizinische Fachkräfte aller Fachrichtungen – gerne auch aus dem Ruhestand.

Wirken sich die Maßnahmen im Zuge der Pandemie auch finanziell für den Hilfsdienst aus?

Anfänglich, als unsere Haupteinnahmen aus Erste-Hilfe-Kursen und Sanitätsdiensten komplett weggebrochen sind, ja. Da hatten wir wirklich Existenzängste. Die Ausfälle wurden aber teilweise durch das Land ersetzt und durch die übernommenen Zusatzaufgaben in den verschiedenen Abstrichzentren, welche uns vergütet werden, können wir uns finanziell ausgleichen.