Die Stadtverwaltung Singen sperrt am Freitag den Obi-Kreisel in der Singener Südstadt. Polizei und Sicherheitsbehörden wollen verhindern, dass sich ähnliche Szenen abspielen, wie am vergangenen Freitag, als sich über 200 Anhänger der Tuningszene an der Tankstelle und dem angrenzenden Parkplatz eines Schnellrestaurants trafen. Bei dem Treffen kam es zu Verkehrsbehinderungen, Lärmbelästigungen und Verkehrsstraftaten. Es waren nicht nur Autofans aus der Region vor Ort, viele kamen aus angrenzenden Landkreisen und der Schweiz.

Der Obi-Kreisel mit seinen Zufahrten über die Georg-Fischer-Straße, Industrie-, Fitting- und Gießereistraße wird am Freitag mit Absperrschranken verschlossen. Die Sperrungen gelten in der Zeit von 21 Uhr bis Samstag um 2 Uhr. Die Polizei werde in dieser Zeit umfangreiche Kontrollen des Verkehrs durchführen und dabei besonders die getunten Autos und ihre Fahrer im Blick haben, so die Stadt in einer Pressemitteilung. „Die Sperrung ist ein Mittel, um das Treiben dort massiv zu unterbinden. Wir wollen zeigen, dass wir so etwas nicht mehr hinnehmen“, erklärte Marcus Berger, Leiter des Singener Ordnungsamts, die Maßnahmen. Sie werden hoffentlich viele Tuningfreunde davon abhalten, sich überhaupt nach Singen aufzumachen. Nachdem der Geschäftsführer der Aral-Tankstelle mitgeteilt hat, dass er das Treiben auf seinem Gelände nicht dulden will, kündigt jetzt auch das Schnellrestaurant KFC auf Nachfrage des SÜDKURIER an, seinen hinteren Parkplatz zu sperren. Dies geschehe auf Empfehlung der Behörden.

Die Singener Südstadt ist seit vielen Jahren Treffpunkt für Schrauber und Autofans. Viele verhielten sich vernünftig, erklärt Marcus Berger. „90 Prozent der Szene trifft sich friedlich, unterhält sich und zeigt sich ihre Autos, dann gibt es aber Wenige, die zeigen wollen, wie laut ihr Auto ist“, so Berger, der mit Mitgliedern der Szene gesprochen hat. Es gab aber immer wieder Ärger, weil die Anwohner genug hatten vom Lärm aufheulender Motoren. Stadtverwaltung und Polizei haben in Kooperation mit der Schweizer Polizei gemeinsame Kontrollaktionen durchgeführt, die die Autoprotzer abschrecken sollten. Durch Einführung einer 30er-Zone freitags von 20 bis 2 Uhr konnten Überschreitungen schärfer geahndet werden. Dadurch sei etwas Ruhe eingekehrt. Von der Situation am vergangenen Freitag waren alle Beteiligten überrascht. „Es kann sein, dass Corona etwas damit zu tun hat, es gibt derzeit wenig Plätze, wo sich junge Menschen treffen können“, sagt Berger im Gespräch mit dem SÜDKURIER.

Einige Protzer machen Ärger

  • Wer zur Szene gehört: Seit über zehn Jahren gibt es in Singen eine Szene von Autoschraubern und Tuningfans, die sich auf dem ehemaligen Bauhaus-Parkplatz treffen und fachsimpeln. Doch schon in der Vergangenheiten liefen die Treffen immer wieder aus dem Ruder, weil einige Autofans durch Lärm, Verkehrsbehinderungen und – gefährdungen negativ auffielen. Da sich die Szenemitglieder spontan über soziale Netzwerke verabreden, können sich Ordnungsbehörde und Polizei nicht auf die Treffen einstellen.
  • Was die Stadt tut: Die Stadt ist in der Vergangenheit immer wieder gegen die Protzer vorgegangen und hat klar gemacht, dass sie die Treffen nicht duldet. Die Anwohner litten unter der Lärmbelästigung. So wurden die Treffen zum Beispiel über ein Osterwochenende komplett verboten, außerdem gilt am Obi-Kreisel immer freitags Tempo 30. Zusätzlich gab es gemeinsame Polizeikontrollen der deutschen und Schweizer Polizei.