Briefmarken als gewinnbringende Wertanlage sind nicht mehr zeitgemäß. Wer Briefmarken sammelt oder vielleicht durch eine Erbschaft zu einer Sammlung kam, hat dies vermutlich auch schon schmerzlich erfahren müssen. Und ja, eine Briefmarkensammlung als eine sichere Geldanlage zu betrachten oder in diesem Zusammenhang von einer Aktie des kleinen Mannes zu sprechen, sei bei diesem Hobby der falsche Ansatz, bestätigt Michael Bandel, Vorsitzender des Briefmarken- und Münzensammlervereins Singen. Ergänzt aber: „In jedem Briefmarkensammler steckt auch ein kleiner Schatzsucher.“ Wer auf einer Auktion für ein paar Euro einen Karton voller Alben kauft, werde vermutlich darin auch nach einem Schatz suchen.

Sammeln entspannt und entschleunigt

Es geht beim Briefmarkensammeln um die Freude am Sammeln und damit auch um eine schöne Freizeitbeschäftigung, die entspannend wirkt und entschleunigen kann, erklärt Michael Bandel. Die Zeiten um mit Briefmarken ein wahnsinniges Vermögen aufzubauen seien vorbei. Exemplarisch für unterschiedliche Sammlungen zeigt Michael Bandel ein Album ausschließlich mit Marken mit abgebildeten Schmetterlingen. Alle wunderbar bunt und wunderschön anzuschauen, Kunstwerke im Miniformat. Oder in einem anderen Album sind Briefmarken mit Engeln fein säuberlich einsortiert, weiter Marken aus aller Welt zum Thema Olympia oder Fußball. „Und irgendwann entwickelt man sich vom Briefmarkensammler zum Philatelisten“, so Michael Bandel, bevor er zu einem Album seiner Heimatsammlung greift.

Jede Marke erzählt eine Geschichte

Die Geschichte darin ist spannend und jeder Brief und jedes Postwertzeichen erzählt seine Eigene. Mit dabei eine Zuschlagsmarke aus dem Jahr 1939 mit dem Hohentwiel, die damals 75 Pfennige kostete, inklusive einem 35 Pfennig hohen Zuschlag für die Winterhilfe. Die Postwertzeichen in den Alben geben Einblick in Kulturen aus aller Welt. Große Ereignisse und bekannte Persönlichkeiten sind abgebildet. Darunter sind jedoch auch Briefe mit traurigen Kapiteln wie beispielsweise Feldpostbriefe mit schrecklichen Nachrichten.

Michael Bandel mit Briefmarken, die besondere Geschichten erzählen.
Michael Bandel mit Briefmarken, die besondere Geschichten erzählen.

Die Mitgliederzahl im Verein sinkt, aktuell zählt der Verein etwa 50 Personen. Noch vor rund vier Jahrzehnten waren es 160 Personen. In einem Zeitalter, in dem man E-Mails anstatt Briefe versende oder Briefe automatisch frankiert werden, verliere man leicht den Bezug zu Briefmarken. Kaum ein junger Mensch würde heutzutage noch Briefmarken von Briefen ausschneiden oder ablösen um diese dann mühevoll zu sortieren, so Bandel. Aber seiner Überzeugung nach wird das Hobby der Philatelisten weiterleben. Auch während der Pandemie sei dies eine Freizeitbeschäftigung, der man ungehindert nachgehen könne. Und Menschen, die sich intensiv mit dem Sammeln und mit den damit verbundenen spannenden Themen beschäftigen, wird es seiner Meinung nach immer geben. Und schließlich gebe es immer noch viele Marken, die gesucht seien und einen hohen Wert haben, so der Philatelist.

Was macht die Marke wertvoll?

Was eine Marke wertvoll macht, kann Michael Bandel nicht pauschal beantworten. Es gibt verschiedene Faktoren. Zum einen spielt mit Sicherheit die Höhe der Auflage eine wichtige Rolle. Dann der Zustand einer Briefmarke inklusive des Zustands der Zacken daran. Und natürlich der Stempel, falls vorhanden. Ist dieser schön und sauber? Weiter kann entscheidend sein ob eine Briefmarke samt Brief auch wirklich gelaufen, also versendet wurde oder ob die Briefmarke neu und gestempelt gekauft wurde. Aber wann genau eine Marke wertvoll ist, kann auch der Vorsitzende des Briefmarkenvereines nicht sicher sagen.