Schaut man in Drogerie- und Supermärkten in die Regale mit Putzmitteln, ist man mit dem Sortiment fast ein wenig überfordert. Dort stapeln sich Unmengen von Putzmitteln für jeden Fleck, für jede Art von Schmutz, für alles eine andere Flasche – und diese aus Plastik. „Das will ich nicht mehr!“, dachte sich Cordula Stoll.

Sie erinnerte sich, dass ihre Mutter früher mit Hausmitteln wie Essig, Natron oder Backpulver geputzt hat und stöberte in alten Büchern und im Internet nach Alternativen zu den herkömmlichen Putzmitteln. Sie berichtet: „Ich reinige seit langer Zeit im und rund ums Haus mit wenig Putzmitteln und trotzdem ist alles sauber.“

Das Singener Wasser ist extrem kalkhaltig. Ablagerungen in Küche und Bad rückt Cordula Stoll mit Essig und Zitronensäure zu Leibe. „Einfach verdünnt in eine Sprühflasche füllen, aufsprühen, einwirken lassen, die Zitronensäure abspülen, und das war‘s“, sagt sie.

Eigenes Waschmittel für Singens kalkhaltiges Wasser

Auch ihr Waschmittel mischt sie selbst. Der Grund: Die Dosierungsangaben bei fertigen Waschmitteln seien für Wasser mit nur mittlerem Härtegrad ausgelegt, für Singens kalkhaltiges Wasser zu wenig.

„Wenn ich das Waschmittel selbst mische, spare ich Verpackung und kann es auf unsere Wasserqualität bezogen genauer dosieren. Füge ich einen Enthärter auf mineralischer Basis gegen Kalk hinzu, schäumt das Waschmittel mehr. Das heißt, dass ich durch den Enthärter weniger Waschmittel benötige und somit die Umwelt schone.“

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Natron und Waschsoda-Mittel, die es schon zu Omas Zeiten gab, eigneten sich hervorragend für das Reinigen von Fugen und wirken – statt Raumspray – gegen schlechte Gerüche. Beim Stöbern in alten Büchern sei sie auch auf das ideale Mittel für das Fensterputzen gestoßen, erzählt Cordula Stoll: Efeuwasser. „Efeu wächst überall und aufgekocht mit Wasser, eignet es sich perfekt zur Reinigung aller glatten Flächen, für Vinylböden, Glasscheiben und Spiegel.“

Löchrige T-Shirts und Handtücher werden als Putzlappen und einzelne Socken fürs Schuheputzen verwendet. „Das ist alles besser als Tücher aus Mikrofaser. Denn beim Waschen gelangt Mikroplastik ins Abwasser.“

Generation der Großeltern setzte auf Upcycling

Mittlerweile hat sie sich zur Fachfrau für umweltschonende und preiswerte Putzmittel entwickelt und berät Kunden und verkauft Putzmittel im Singener Laden Herzlich Unverpackt. „Zu unserem Geschäftsmodell gehört es, dass wir mit den Kunden ins Gespräch kommen. Auf diese Weise lernen wir immer noch dazu.“

Dabei erfahre sie immer wieder, dass sich viele an dem Verhalten ihrer Eltern oder Großeltern orientieren, einer Generation, die Dinge noch mehr wertschätzte und wiederverwendete.

Cordula Stoll hat nur noch vier Flaschen mit Putzmitteln in ihrem eigenen Haushalt. Das schafft nicht nur Platz, sondern schont auch Geldbeutel und Umwelt.