Keine Bohlinger Wallfahrt nach Schienen, kein Weinfest und jetzt auch keine Sichelhenke. Der sonst so festfreudige Singener Stadtteil Bohlingen bekommt die Corona-Pandemie kulturell voll zu spüren. Das überregional bekannte und beliebte Heimatfest hätte an diesem Wochenende zum 62. Mal gefeiert werden sollen, doch der Festplatz im Espen neben der Reithalle bleibt in diesem Jahr leer. Dort wo eigentlich seit Tagen die vielen Ehrenamtlichen aus dem Dorf das Festzelt aufgestellt und zu einer großen Bauernstube ausgebaut hätten, stehen vereinzelt nur einige geparkte Autos.

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„Die Absage durch die Corona-Pandemie beschert unserem Vorstandsteam und allen Helfern zwar viele freie Stunden, aber als Bohlinger fällt es einem schon schwer unser traditionsreiches Erntedankfest nicht feiern zu können“, sagt Heike Erb sichtlich betroffen und in den Worten der Vorsitzenden des Musikvereins und des diesjährigen Sichelhenke-Veranstalters ist schon etwas Wehmut zu spüren. Und auch die Zuschüsse für das geplante Lagergebäude auf dem Festplatz haben die Ratsmitglieder angesichts der finanziellen Auswirkungen für die Stadt Singen vorerst zurückgestellt.

Verordnung zwingt zu Vollbremsung

Die Vorbereitungen auf das große Fest mit vielfältigem Programm seien bereits gemacht gewesen. Dann kam die Corona-Pandemie und die Durchführung der Sichelhenke war zunächst einmal lange Zeit ungewiss. Doch der richtungsweisende Beschluss der Bundesregierung und der Ministerpräsidenten der Länder kam am Ende doch nicht unerwartet: Zur Verlangsamung der Ausbreitung des Corona-Virus in Deutschland wurden Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern bis in den Herbst 2020 abgesagt. Für die Sichelhenke kam dadurch das Aus, denn jedes Jahr kamen mehrere Tausend Besucher und ein Hygienekonzept war nicht umsetzbar.

Die Plakate kann Musikvereinsvorsitzende Heike Erb wieder wegpacken.
Die Plakate kann Musikvereinsvorsitzende Heike Erb wieder wegpacken. | Bild: Rolf Hirt

„Finanziell können wir den Ausfall des diesjährigen Festes gerade so verkraften. Allerdings muss unser Erspartes nun vier Jahre bis zur nächsten Sichelhenke 2022 halten“, erklärt Erb, nachdem letztmals bei der Sichelhenke 2018 Erlös für den Musikverein erwirtschaftet werden konnte. Die Veranstalterrolle werde mit dem Sportverein im Jahreswechsel getauscht. Mit den Rücklagen wird vor allem die Jugendarbeit finanziert, aber auch neue Instrumente und die neu angeschafften Uniformen hätten viel Geld gekostet, so Heike Erb. Die Sorgenfalten für die Zukunft stehen ihr und dem Vorstandsteam im Gesicht, denn auch musikalisch ist nach dem Corona-bedingt mehrmonatigen Einstellen aller Aktivitäten erst seit wenigen Wochen ein Probenbetrieb der Kapelle im Freien und mit viel Abstand möglich geworden.

Die Festprominenz (vorne links Singens OB Bernd Häusler, ganz rechts Manfred Siegwarth vom Kulturforum Bohlingen) sind guter Stimmung bei der Sichelhenke.
Die Festprominenz (vorne links Singens OB Bernd Häusler, ganz rechts Manfred Siegwarth vom Kulturforum Bohlingen) sind guter Stimmung bei der Sichelhenke. | Bild: Rolf Hirt

Wie sich die Großveranstaltungen in Corona-Zeiten in der Zukunft entwickeln werden ist derzeit noch ungewiss. In der Ausrichtung der Bohlinger Sichelhenke ist neben dem Musikverein auch der Sportverein im zweijährigen Turnus Veranstalter des Heimatfestes, die Sportler mit ihrem Mannschaftssport in verschiedenen Abteilungen sind mehr denn je auf diese Einnahmequelle angewiesen. „Der Musikverein und der Sportverein brauchen die Sichelhenke um finanziell zu überleben“, stellt Dominik Beck klar. Er ist Hauptkassier in beiden Bohlinger Vereinen und weiß aus seiner langjährigen ehrenamtlichen Erfahrung welche Ausgaben jeweils auf die Vereine zukommen. Nach der diesjährigen Absage hoffen die Sportler als Veranstalter der nächsten Sichelhenke im kommenden Jahr inständig, dass die Corona-Krise bis im Sommer 2021 hoffentlich ausgestanden ist.

Tausende Besucher kommen alljährlich zur Bohlinger Sichelhenke und freuen sich wie hier in der Marktgasse über den Mix aus Tradition, Klassik und einem modernen Volksfest.
Tausende Besucher kommen alljährlich zur Bohlinger Sichelhenke und freuen sich wie hier in der Marktgasse über den Mix aus Tradition, Klassik und einem modernen Volksfest. | Bild: Rolf Hirt

Aber eben auch ein anderes Projekt in diesem Zusammenhang kann vorerst nicht realisiert werden. Die Bohlinger Vereine wünschen sich seit Jahren sehnlichst den Bau eines Lagergebäudes am Festplatz, um dort das bäuerliche und traditionelle Equipment für die historische Sichelhenke gesamthaft besser lagern zu können. „Doch Corona ist nun dazwischen gekommen, die Stadt Singen hat die finanziellen Zuschüsse für dieses ehrgeizige Projekt zurückgestellt“, berichtet Bohlingens Ortsvorsteher Stefan Dunaiski.

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