Kommt sie nun doch, die häufig befürchtete Abhängung des Singener Bahnhofs von den Zügen der Gäubahn? Ein Gutachten der Schweizer Beratungsgesellschaft SMA hat zum Ende der Woche für Aufregung gesorgt. Andreas Jung, CDU-Wahlkreisabgeordneter im Bundestag, Chef der baden-württembergischen Landesgruppe und schon länger in Sachen Gäubahn aktiv, erklärt die Brisanz: Die Gutachter würden darlegen, dass man auf der Strecke zwischen Stuttgart und Zürich einen Fahrzeitgewinn von 20 Minuten schaffen könne. Doch dafür müssten die Züge am Haltepunkt Singen-Landesgartenschau halten und direkt über die neu zu bauende Singener Kurve (siehe Kasten) weiter in Richtung Schaffhausen fahren, so Jung.

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Hinzu kommen, so der Abgeordnete, unter anderem verschiedene zweigleisige Ausbauten und ein Tunnel zur Anbindung der Gäubahn an den Knotenpunkt am Stuttgarter Flughafen. Dieser Tunnel sei nun neu hinzugekommen, nachdem die Bahn nicht mit Neigetechnik-Zügen fahren wolle, die aber ursprünglich vorgesehen gewesen seien. Das SMA-Gutachten habe nun die Wirtschaftlichkeit der Variante mit Tunnelbau belegt. In einer Pressemitteilung des Bundesverkehrsministeriums werden all diese Investitionen mit 2,1 Milliarden Euro beziffert.

Umsteigeverbindungen würden sehr viel unbequemer

Die Wirtschaftlichkeitsuntersuchung sei zwar am Donnerstag der Öffentlichkeit vorgestellt worden, so Jung. Im Original ist sie beim Bundesverkehrsministerium allerdings noch nicht zugänglich. Mit ihr ist auch eine Befürchtung wieder in der Welt, die es schon gibt, seit der Plan einer Singener Kurve bekannt wurde, über die man die Fahrt zum Singener Bahnhof abschneiden kann: Dass der Personenverkehr von der Stadt weggehe. Denn eine Verlegung zum Haltepunkt Landesgartenschau würde die Umsteigeverbindungen aus dem Landkreis Richtung Stuttgart deutlich erschweren.

Die Singener Kurve auf der Landkarte: Es ist deutlich zu sehen, dass man über diesen Weg den Abstecher zum Bahnhof Singen (Hohentwiel) abschneiden könnte.
Die Singener Kurve auf der Landkarte: Es ist deutlich zu sehen, dass man über diesen Weg den Abstecher zum Bahnhof Singen (Hohentwiel) abschneiden könnte. | Bild: Südkurier

Das Szenario lautet: Wer aus Richtung Konstanz mit Umstieg in Singen nach Stuttgart will, muss zuerst zum Bahnhof Singen (Hohentwiel) fahren, dort in den Seehas nach Singen-Landesgartenschau umsteigen und dann wiederum dort den Zug der Gäubahn nehmen. In manchen der ersten Meldungen war sogar davon die Rede, dass Singen laut dem Gutachten komplett von den Gäubahn-Zügen abgehängt werden sollte. Steffen Bilger (CDU), parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, erklärte am Freitagabend auf Anfrage, das dies definitiv nicht der Fall sei. Ein kompletter Wegfall des Singener Halts stehe nicht im Gutachten.

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Empörte Reaktionen ließen jetzt, in der heißen Phase des Landtagswahlkampfs, trotzdem nicht lange auf sich warten. Matthias Gastel, bahnpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, schimpft per Pressemitteilung, der neu geplante Tunnel in Stuttgart koste eine Milliarde Euro und bringe dreieinhalb Minuten Fahrzeitersparnis. Auf Kosten von Halten in Böblingen und Singen würde dessen Wirtschaftlichkeit nun schöngerechnet. Auch die wieder antretenden Grünen-Landtagsabgeordneten Nese Erikli (Konstanz) und Dorothea Wehinger (Singen) kritisieren den Vorschlag der Gutachter als abschreckend für die Fahrgäste und schlecht für die Verkehrswende.

Jung betont hingegen, dass nicht eine externe Gutachterfirma den Fahrplan mache, sondern immer noch die Deutsche Bahn. Im Gutachten gehe es um die Infrastruktur, nicht um den Fahrplan. Die CDU-Landesgruppe stehe dahinter, dass die Gäubahn schneller werden müsse, und zwar von Innenstadt zu Innenstadt. In dieser Frage sei man auch im Austausch mit Singens Oberbürgermeister Bernd Häusler. Und auch mit der SPD-Landesgruppe im Bundestag sei man einig. Nach seinem Stand würde der Abstecher der Züge zum Bahnhof Singen sechs Minuten kosten und die Ersparnis zwischen Stuttgart und Zürich auf 14 Minuten schmelzen lassen. Ursprünglich seien für den Deutschlandtakt nur elf Minuten Einsparung vorgesehen gewesen.