Herr Möll, was bedeutet Ihnen der Erhalt des heimischen Dialekts?

Alemannisch, als unsere Muttersprache und Mundart, ist ein stückweit unsere Identität. Alemannisch spricht man seit 400 nach Christi – wenn auch in sich verändernden Variationen – und es stellt damit ein Stück unserer Kultur dar, die erhalten bleiben soll.

Sie sind seit 41 Jahren Gruppenleiter der Muettersproch-Gsellschaft Regionalgruppe Hegau. Können Sie kurz erklären, was deren Aufgabe ist und wie sie das umsetzt?

Die Muettersproch-Gsellschaft wurde im Jahr 1965 gegründet. Es haben sich Mundartdichterinnen und -dichter zusammengefunden, die sich zur Aufgabe gemacht haben, die alemannische Mundart zu pflegen und zu erhalten. Der in Freiburg ansässige Verein hat mittlerweile rund 3000 Mitglieder, die über den ganzen Sprachraum verteilt sind, also vom Bodensee, über den Schwarzwald bis in die Ortenau. Es gibt 16 Regionalgruppen – die im Hegau ist mit knapp 300 Mitgliedern eine der größten. Die Gruppen agieren selbständig, planen also selbst Projekte oder Veranstaltungen in ihrer Region.

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Sie haben einen eigenen YouTube-Kanal, auf dem man unter anderem die Preisverleihung des Mundartwettbewerbs 2021 streamen kann, sowie einen Podcast. Wie wichtig ist es, Tradition und zeitgemäße Medien zu vereinen?

Wir nutzen jedes Medium, das sich für uns eignet. Das Internet bietet sich für uns an, weil wir damit viele Menschen erreichen, vor allem auch die jungen Leute.

Die Muettersproch-Gsellschaft hat ein Buch herausgebracht, das man – für Kindergärten und Grundschulen sogar kostenlos – bestellen kann.

„Sing emol“ ist eine Sammlung von 46 Kinderliedern, zu denen es Pantomime, Abzählreime, Fingerspiele und Tänze gibt. Es sind ebenso alte und bekannte Lieder mit dabei, wie auch Lieder von aktuellen Komponisten. Mit Uli Führe, der Experte für Chormusik ist, konnten wir einen absoluten Profi für die Entstehung des Buches gewinnen. Er hat wirklich viel Herzblut in die Arbeit gesteckt, schrieb zu den Liedern Noten und Gitarrengriffe, so dass sie leicht musikalisch umgesetzt werden können. Für uns ist es wichtig, die Kinder schon im Kindergartenalter spielerisch für die Mundart zu begeistern, und wir denken, dass uns das ganz gut gelingt.

Helmut Dold, Dixieland- und Swing Trompeter, gastiert mit seiner Figur „De Hämme“ in Singen. Er schwankt zwischen Kabarett ...
Helmut Dold, Dixieland- und Swing Trompeter, gastiert mit seiner Figur „De Hämme“ in Singen. Er schwankt zwischen Kabarett und Entertainment. | Bild: Helmut Dold

Auch für die Erwachsenen bringen Sie was auf den Weg, so zum Beispiel am kommenden Freitag eine Mundart-Veranstaltung mit „De Hämme“.

Wir möchten die Mundart erlebbar machen und das auf möglichst unterhaltsame Weise. Nach drei Jahren Corona, in denen es wenig zu lachen gab, ist es sicherlich schön, einen Abend mit unbeschwerter Unterhaltung zu verbringen. Der Künstler, den wir eingeladen haben, ist nicht nur unter seinem bürgerlichen Name Helmut Dold als Dixieland- und Swing Trompeter in ganz Deutschland bekannt, sondern auch als die Figur ‚De Hämme‘. Seine Witze, seine Lieder und Geschichten aus der Ortenau sind wirklich urkomisch und bei seinem Programm kommt man tatsächlich aus dem Lachen nicht mehr heraus.

Der Abend wird unter dem Motto: „Lache isch d‘beschd Medizin!“ stattfinden. Meinen Sie, dass auch eine Rheinländerin wie ich das Programm verstehen würde?

Natürlich! Das funktioniert ganz gut. Beim Hämme gibt es keine komplizierten Geschichten. Wer hier in der Region lebt – auch als Zugezogener – der wird alles verstehen. Trauen Sie sich!

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