Roxanne, zersägen Sie Männer?

Also wenn, dann nur privat! (lacht) Nein, mal ehrlich, ich bin ganz ungefährlich. Ich kann auch nicht jemandem Elefantenohren an den Kopf zaubern, oder ein frisch gezapftes Bier auf den Tisch, so wie es häufig gefragt wird. Da muss ich passen. Ich zaubere nur zu Unterhaltungszwecken.

Beim Magic Circle in London herrschte lange Zeit Frauenverbot, erst vor gut 20 Jahren wurden Magierinnen zugelassen. Bereits zu ihrer Schulzeit waren Sie Mitglied der Theater-AG. Deren Leiter, Eberhard Riese, ist heute Präsident des Magischen Zirkels von Deutschland. Unter den rund 3000 Mitgliedern befinden sich nur etwa zehn Prozent Frauen. Wie schwierig war es für Sie, sich in der Szene durchzusetzen?

Ich hatte unheimlich viel Glück, weil ich in meinem nahen Umfeld tolle Unterstützung hatte – unter anderem auch von Eberhard Riese. Zudem zeigten die männlichen Kollegen keinerlei Berührungsängste oder behandelte mich weniger wertschätzend, weil ich eine Frau bin. Mir standen die Türen wirklich immer offen. Für mich war es zudem gut, dass die Pfade der Magierinnen noch nicht so ausgetreten waren und es daher einfacher war, etwas Neues zu entwickeln, etwas, was eben zuvor noch keine Kollegin gemacht hat. Es stand mir frei, einen Bühnencharakter zu entwickeln, und ich hatte dazu Ideen ohne Ende. Ich bin dabei von einer Theaterfigur ausgegangen und habe überlegt: Wie würde sie aussehen, wie würde sie idealerweise zaubern, was macht diese Figur aus? Es gibt bei einer solchen Vorgehensweise immer zuerst eine Idee und dann steht die Frage im Fokus: Wie setze ich das um?

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Ihr Mann ist der Magier Topas. Beraten Sie sich mit ihm?

Aber ja, mit ihm und mit Eberhard Riese. Außerdem arbeiten wir mit einem Illusionsbauer zusammen und mit Derek von Krogh, der die Musik für die Darbietungen produziert, die eine wahnsinnig starken Einfluss auf die Atmosphäre haben. Diese Kooperationen mit Menschen, die sich im Genre auskennen, sind extrem wichtig.

Sie haben internationalen Bekanntheitsgrad erlangt, standen in Europa, China, Indien, Nordafrika und in den USA auf der Bühne und wurden mehrfach ausgezeichnet. Womit hebt sich Roxanne von anderen Magiern ab?

Es ist wohl die szenische Darbietung – ohne Sprache und deshalb über alle Sprachbarrieren hinweg – die beispielsweise auch in kurzen Sequenzen, in einer zehnminütigen Aufführung oder in einem Varieté funktioniert. Ich präsentiere eine kurze Geschichte, die nacherzählbar ist. Roxanne bietet eine kleine Charakterstudie, nämlich die einer dunklen Schlossherrin, die in ihrem Verlies mit Spinnen spielt. Ich habe dabei originelle Effekte entwickelt.

Unterscheidet sich die Art und Weise der Magie von Magierinnen und deren männlichen Kollegen?

Ich denke, dass das immer mehr verschwimmt, aber natürlich gibt es Unterschiede. Man muss als Frau nicht zwangsläufig eine sexy Bühnenfigur haben. Starke Frauen sind gefragt, sie können sogar bedrohlich wirken. Das ist oft verführerischer, als wenn sie im kurzen Höschen auftreten.

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Apropos Frauen: Am 8. November gastieren Sie mit den Sisters of Comedy in der Singener Gems. Kabarettistin Tina Häussermann ist Patin und Moderatorin des Abends, an dem auch Comedy-Frau Erika Radcliff und Slammerin Lisa Christ auftreten werden. Was ist das Konzept?

Bei vielen Veranstaltungen ist es so, dass man höchstens eine Solokünstlerin mit dabeihat. So ist es zumindest bei der Zauberei oder bei der Comedy, zwei Genres, die noch sehr männerdominiert sind. Dass das so ist, finde ich immer wieder erstaunlich. Mit den Sisters of Comedy wollen wir nicht männerfeindlich sein, sondern ein Statement setzen. Wir sind da und zeigen abendfüllend eine unglaubliche Vielfalt von Unterhaltung. Am 8. November finden daher in ganz Deutschland Auftritte der Sisters of Comedy statt und zwar in unterschiedlichen Formationen. Das bedeutet geballte Frauenpower mit all ihren Facetten, von krachend kabarettistisch über furios feminin bis hin zu derbe und divenhaft. Unser Programm ist zwar von Frauen, aber für alle, die Lust auf ein super Programm haben. Die Sisters of Comedy, die es seit dem Jahr 2018 gibt, spenden einen Teil der Einnahmen an soziale Projekte, vorwiegend um Frauen zu unterstützen, zu fördern und hoffentlich in eine bessere Lebenssituation zu bringen. Unsere Spende mit den Eintrittsgeldern der Gems wird an das Singener Frauenhaus gehen.