Mancher mag sich noch daran erinnern, für andere sind Rübengeister eine vergessene Tradition. Doch im Hegau lautet die Antwort auf Halloween immer häufiger wieder Rübengeister. „Nur sind Rübengeister viel schöner und passen besser zu unserer Kulturlandschaft als Kürbisse“, findet Jürgen Schröder vom Bürgerverein Überlingen am Ried, welcher in diesem Herbst zum ersten Mal die Rübengeisteraktion ins Leben gerufen hatte.

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Ihren Anfang hatte die Idee mit den Rübengeistern schon früh im Jahr. Auf dem Ackerland von Rainer Moser sollte aus dem Plan in Form von Samen Realität werden und die Saat ist aufgegangen. Im Sommer hatte es eine gemeinsame Aktion gegen das unliebsame Unkraut gegeben, bis die mittlerweile selten gewordenen Futterrüben im Herbst geerntet werden konnten. Auf dem großzügigen Firmengelände der Firma Fensterbau Lauber verwandelten sich diese dann mit etwas Geduld, Kreativität, scharfen Messern und einem Löffel zum Aushöhlen in herrliche Rübengeister – und weil die Arbeiten im Freien stattfanden, konnte trotz Corona-Pandemie unter Einhaltung aller vorgeschriebenen Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen gewerkelt werden.

In Überlingen am Ried werden fleißig Rübengeister gefertigt.
In Überlingen am Ried werden fleißig Rübengeister gefertigt. | Bild: Sandra Bossenmaier

Die Rübengeister erhielten scharfe Zähne, eckige Augen, runde Nasen, gruselige Gesichter und einen Deckel auf dem Kopf. Über 50 liebenswerte Fratzen sind so an einem heiteren Vormittag in Überlingen am Ried entstanden und fanden den Weg in die Häuser der Familien. Schon bald werden sich manche davon auf den Weg von Haus zu Haus machen, die Kinder werden einen Reim aufsagen und hoffentlich etwas Süßes dafür erhalten.

Die ersten Rübengeister sind fertig, von links: Alexander Brombach mit Natalie, Tobias und Maren Herrmann mit Rhea und Jürgen Schröder mit Hannah, Leonie und Sina Krüger.
Die ersten Rübengeister sind fertig, von links: Alexander Brombach mit Natalie, Tobias und Maren Herrmann mit Rhea und Jürgen Schröder mit Hannah, Leonie und Sina Krüger. | Bild: Sandra Bossenmaier

Der Bürgerverein Überlingen am Ried wollte mit der Schnitzaktion an eine alte Tradition anknüpfen. „Hier geht es um ein Miteinander und die Freude an einer gemeinsamen Sache“, lobte Tobias Hermann aus Überlingen am Ried diese gelungene Aktion. Eltern und Kinder gleichermaßen seien begeistert vom Schnitzen und von ihren Rübengeistern.

Auch Tengen traditionell

Und wenn es früher dunkler wird, sehnt man sich auch in Tengen nach allem, was etwas heller macht -so auf die leuchtenden Gesichter der Rübengeister, in die man eine Kerze hineingestellt hat. Vor vielen Häusern konnte man einst einen Runkel leuchten sehen. Eine Tradition, die aber in den letzten Jahren abgenommen hat. Manche bedauern das, zum Beispiel Simone Engesser aus Tengen. Sie stammt aus Leipferdingen. „Dort macht der Narrenverein seit ein paar Jahren einen Umzug mit Rübengeistern. Als ich ein Kind war, bin ich mit einer Freundin losgezogen“, erläutert die zweifache Mutter. Da ihr diese Tradition in Tengen fehlt, hat sie für ihre Kinder und die benachbarten Straßen einen solchen Umzug organisiert. „Es haben von Anfang an viele Kinder teilgenommen“, berichtet sie. 25 Kinder und ihre Eltern seien dabei gewesen. Die Kinder seien an vier bis fünf Häuser gezogen. Zuvor habe man organisiert, dass sie dort Süßigkeiten bekommen. Engesser sieht verschiedene Unterschiede des Rübenumzugs gegenüber Halloween: „Die Kinder sind nicht verkleidet. Und wir verwenden Rüben statt Kürbisse.“ Außerdem würde man bei dem einheimischen Brauch ausführliche Sprüche aufsagen statt des beim Halloween üblichen „Süßes oder Saures.“ Der Brauch mit den Runkelrüben sei einer der christlich-heidnischen Erntedankbräuche“, so Engesser.

Aus einem kleinen Familienanlass wurde eine Aktion, die inzwischen auch die benachbarten Straßen auf dem Tengener Wannenberg einbezieht: Andreas Engesser bohrt mit dem 30 Millimeter-Holzbohrer Futterrüben aus. Seine Töchter Emma (7) und Theresa (4) schnitzen mit vielen anderen Kindern Rübengesichter daraus.
Aus einem kleinen Familienanlass wurde eine Aktion, die inzwischen auch die benachbarten Straßen auf dem Tengener Wannenberg einbezieht: Andreas Engesser bohrt mit dem 30 Millimeter-Holzbohrer Futterrüben aus. Seine Töchter Emma (7) und Theresa (4) schnitzen mit vielen anderen Kindern Rübengesichter daraus. | Bild: Helmut Groß

Wegen Corona ist in diesem Jahr der Umzug so wie in den letzten drei Jahren nicht möglich. Alternativ haben sich die Initiatoren etwas Neues überlegt: Die Runkelrüben wurden von den Engessers ausgehöhlt. Andreas Engesser hat dafür einen speziellen Aufsatz auf seine Bohrmaschine geschraubt. „Ich bin zum Heimwerkermarkt in Blumenfeld gefahren und habe gesagt: Ich brauche den größten Bohrer, den sie haben“, so Andereas Engesser. Und während er sonst am letzten Samstag im Oktober am Stand der Feuerwehr auf dem Schätzele-Markt Wurst verkauft, hat er in diesem Jahr die Grillzange gegen den Bohrer ausgetauscht. Kinder konnten die vorbereiteten Rüben abholen und noch weiter aushöhlen. In der Woche darauf wurden die Runkelgesichter auf der Mauer der Engessers aufgestellt und die Kerzen darin angezündet.

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