In einer Innenstadt stehen Gebäude dicht beieinander – das lässt sich unter anderem in Singen beobachten. Angesichts eines Bauvorhabens an der Ecke von Freiheit- und Thurgauer Straße wurde es Stadtverwaltung und Bauausschuss allerdings zu viel. Laut einer Bauvoranfrage sollte auf dem Grundstück ein Wohngebäude mit sechs Stockwerken und einer Tiefgarage entstehen.

Ersatz für die ehemalige Reithinger-Bank

Das neue Bauwerk sollte das Gebäude der früheren Reithinger-Bank ersetzen, die im Jahr 2006, vier Jahre nach dem Verkauf an neue Eigentümer, einigermaßen krachend bankrott gegangen war. Das Gebäude nimmt einen großen Teil des Blocks entlang der Thurgauer Straße in Richtung Theodor-Hanloser-Straße ein. Auf der gegenüberliegenden Seite der Thurgauer Straße wird derzeit ebenfalls ein mehrstöckiges Gebäude errichtet. Zwischen der früheren Reithinger-Bank und der Einfahrt in die Tiefgarage am Heinrich-Weber-Platz liegt entlang der Freiheitstraße ein brachliegendes Grundstück, von dem aus derzeit wilde Pflanzen und ein abgestelltes Auto hinter dem Bauzaun grüßen.

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Beide Grundstücke, die Brache und das der früheren Reithinger-Bank, das dafür hätte abgerissen werden sollen, wollte der Bauherr bebauen, wie aus den Sitzungsunterlagen des Gemeinderatsausschusses für Stadtplanung, Bauen und Umwelt hervorgeht. Das geplante Gebäude wäre wesentlich höher geworden als der Bestand, wie ebenfalls aus der Vorlage hervorgeht. Etwa 80 Prozent der Grundstücksfläche hätten überbaut werden sollen, was „die Maße der vorhandenen Bausubstanz wohl maßstabsändernd überschreiten“ werde, wie es in der Vorlagenprosa heißt.

Der Straßenabschnitt aus der anderen Blickrichtung: Im Vordergrund ist die Einfahrt zur Tiefgarage am Heinrich-Weber-Platz zu sehen, ...
Der Straßenabschnitt aus der anderen Blickrichtung: Im Vordergrund ist die Einfahrt zur Tiefgarage am Heinrich-Weber-Platz zu sehen, dahinter das brachliegende Grundstück und die frühere Reithinger-Bank. Im Hintergrund das neue Haus, das gerade gebaut wird. | Bild: Freißmann, Stephan

Die Stadtverwaltung wollte deswegen einen Bebauungsplan für das Gebiet zwischen Freiheitstraße, Alpenstraße und Theodor-Hanloser-Straße aufstellen, was dem Ausschuss zur Entscheidung vorgelegt werden muss. Es gebe dort immer wieder Anfragen, sagte OB Bernd Häusler im Ausschuss: „Deswegen haben wir uns entschlossen, dort städteplanerisch tätig zu werden.“ Der städtische Stadtplaner Felix Freitag wies in der Vorstellung des Bebauungsplans auf die aufgelockerten Strukturen der Nordstadt hin, die sich an dieser Stelle gegenüber der Lutherkirche schon andeuten würden, und auf das Kulturdenkmal Villa Hirrling mit seinem großen Garten, das weiter in Richtung Alpenstraße liegt. Das Gebäude, das gegenüberliegend in der Thurgauer Straße gerade errichtet wird, fülle das Grundstück zwar auch sehr stark, wie aus der Vorlage hervorgeht. Doch es orientiere sich an den städtebaulichen Strukturen am Heinrich-Weber-Platz.

Bauherren ziehen das Vorhaben zurück

Die Bauherren scheinen diese Entwicklung kommen gesehen zu haben. Am Tag vor der Sitzung des SBU-Ausschusses sei ein Bote ins Baurechtsamt im Singener Rathaus gekommen und habe die Nachricht überbracht, dass der Bauträger das Vorhaben zurückziehe, erklärte Baurechtsamtsleiter Patrick Wacker in der Ausschusssitzung.

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Da war der Bebauungsplan allerdings schon beschlossen. Denn unabhängig von der Zukunft des konkreten Bauprojekts wollte der Ausschuss ein Zeichen setzen, wie es Ausschussmitglied Walafried Schrott (SPD) formulierte. Karin Leyhe-Schröpfer (Grüne) unterstützte das, auch aus ihrer Sicht sei das geplante Gebäude viel zu massiv. Klaus Niederberger (CDU), der selbst ein Planungsbüro betreibt, konnte die Bedenken ebenfalls nachvollziehen, wies aber auch darauf hin, dass man in einer Innenstadt Nachverdichtung zulassen müsse. Auf seine Frage hin benannte Adam Rosol, Abteilungsleiter Stadtplanung, die Dauer für die Aufstellung des Bebauungsplans im bebauten Innenbereich mit etwa zwei Jahren. Und Dietrich Bubeck (Grüne) stellte zum zurückgezogenen Bauvorhaben die Frage, ob eine so geschlossene Fassade überhaupt sinnvoll sei, was die Lärmentwicklung angehe.

Der Ausschuss stimmte einstimmig für die Aufstellung des vorgeschlagenen Bebauungsplanes. Damit könne man künftig mit Bauherren besser verhandeln, so Patrick Wacker. Einen kompletten Baustopp in dem Gebiet bedeute der Aufstellungsbeschluss im Übrigen nicht: „Bauanträge können auch während der Aufstellung genehmigt werden, wenn sie die städtebaulichen Ziele einhalten.“