Zwölf Jahre lang haben Whitney Rodi und Cosima König darauf hingearbeitet: Vom 4. bis 21. Mai schreiben sie am Friedrich-Wöhler-Gymnasium in Singen ihr Abitur. Die 18-Jährige Mühlhausen-Ehingerin und ihre 17 Jahre alte Freundin aus Rielasingen-Worblingen gehen gerne zur Schule – wenn der Lockdown dies nicht gerade verhindert. Doch die zwei angehenden Abiturientinnen haben auch Sorgen. Sie hatten sich auf den Sommer ihres Lebens gefreut, doch das Coronavirus durchkreuzt ihre Pläne wie die so vieler Abiturienten. „Die jetzige Situation ist sehr schwierig für uns“, sagt Whitney Rodi.

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Eigentlich würden sie und ihre Klassenkameraden gerade in der Wiederholungsphase des Abi-Stoffes sein, doch bedingt durch den ersten Lockdown im vergangenen Jahr und dem aktuellen hinke man dem Zeitplan hinterher. „Wir sind gerade ein bisschen orientierungslos, weil wir in manchen Fächern hintendran hängen“, sagt auch Cosima König. Die beiden jungen Hegauerinnen haben Sorge, dass sie mit dem Stoff nicht fertig werden. „Wir können uns momentan einfach nicht vorstellen, in zwei oder drei Monaten unser Abi zu schreiben, weil der Bezug zur Schule total fehlt“, so Whitney Rodi. Alles sei im Moment alles wegen Corona und dem Lockdown so surreal.

„Die Lehrer lassen uns nicht hängen!“

Bei aller Sorge vor dem Corona-Abi wollen die beiden Schülerinnen den schwarzen Peter in dieser misslichen Lage nicht den Schulen oder gar den Lehrern zuschieben. Im Gegenteil: „Unsere Lehrer tun ihr Möglichstes, dass wir gut durch diese schwere Zeit kommen“, sagt Whitney Rodi. Vieles, was im ersten Lockdown mit Blick auf den Fernunterricht noch gehakt habe, laufe jetzt besser. „Sie unterstützen uns, wo sie nur können“, ergänzt Cosima König, „unsere Lehrer haben es doch genau so schwer, wie wir“.

Fernunterricht ist keine Dauerlösung

Im Moment wird natürlich viel von zuhause aus gelernt. Meist alleine und oder maximal zu zweit. Mehr lassen die aktuellen Corona-Verordnungen nicht zu. Hinzu kommen zwei bis drei Videokonferenzen am Tag mit den Klassenkameraden und den Lehrern. Diese dauern in der Regel eine Schulstunde, manchmal auch länger. „Den Unterricht in der Schule kann dies aber nicht ersetzen“, sagt Cosima König.

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Vielmehr gleiche der Fernunterricht über den Computer oder dem Tablet einer Vorlesung oder einem Podcast. „Eine mündliche Beteiligung ist viel schwerer möglich“, sagt Whitney Rodi. Es gebe Situationen, die am Handy oder Tablet nicht klärbar seien. Oft fehle es auch einfach an Rückmeldungen, oder man müsse länger drauf warten. „Das Lernen in der Gruppe fehlt. In der Schule kann ich auch mal schnell zu einem Freund gehen und sagen: Wie bist du auf die Lösung gekommen“, sagt die 18-Jährige.

Zeugnisübergabe mit Freunden und Familie?

Seit Montag dieser Woche darf der Abi-Jahrgang am Fri-Wö zumindest teilweise wieder zum Präsenzunterricht erscheinen. „Das ist ein Abitur im Ausnahmezustand„, sagt Whitney Rodi. Dabei geht es nicht nur um die schulischen Aufgaben, die vor den Abiturienten in Singen und dem Hegau stehen. Sondern auch ganz alltägliche Dinge: der Abi-Ball oder der Abi-Streich. „Als Acht- oder Neuntklässler schaut man immer zu den Abiturienten hoch, wenn sie den Abi-Streich durchziehen oder wenn sie sich für den Abi-Ball schick machen“, sagt sie.

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Ihr Jahrgang werde dies wohl alles nicht erleben. „Wir waren zwölf Jahre lang in der Schule und können diese Momente wohl nicht zusammen feiern. Das stimmt uns schon traurig“, sagt Whitney Rodi. Wie echte Abiturienten fühlen sie sich deshalb eigentlich nicht. „Ich hoffe einfach, dass wir uns zur Zeugnisübergabe alle noch einmal sehen“, so die 18-Jährige weiter. Man habe das Gymnasium zusammen begonnen, da wäre es schon, wenn man es auch zusammen beenden könnte.

Corona erschwert auch Zukunftsplanungen

Und auch wie es nach ihrem Abitur weitergehen soll, bereitet ihnen Sorgen. „Ich weiß derzeit nicht, was danach kommt“, sagt Cosima König. Ein Studium in einer großen Stadt sei oft im Gespräch gewesen. „Doch mit Corona wird das schwierig“, sagt die 17-Jährige. Neue Stadt, neues Leben, aber im Fernstudium sei derzeit nur schwer vorstellbar. Auch weil der soziale Kontakt komplett fehle. „Isolation und Neustart ist nur schwer vereinbar“, so Cosima König weiter. Aber zuerst sei das Abi dran.

Beschweren wollen sich die beiden nicht. „Es gibt andere Länder, die ihren Schülern nicht einmal die Infrastruktur für den Fernunterricht daheim anbieten können“, betont Cosima König. Und dann stecken die zwei wieder die Köpfe zusammen und fangen an zu pauken: Mathe steht auf dem Tagesplan – nicht unbedingt das Lieblingsfach der beiden angehenden Abiturientinnen, aber auch da müssen sie durch.