Normalerweise sind die Geschichten hinter einem Neubau geradlinig. Es gibt ein Grundstück. Das soll bebaut werden. Es wird geplant. Ein Team zusammengestellt. Und dann geht’s los. Irgendwann ist das Haus fertig. Und dann erscheint ein solcher Text. Wie gesagt: Ganz einfach! Auch die Geschichte der Praxedis-Gärten in Singen lässt sich im Kern auf diese Formel herunterbrechen. Aber sie ist auch mehr. Vielfältiger. Bunter. Verankert in anderen Geschichten. Auch das macht diesen Singener Neubau, der in Zukunft für hunderte Menschen ein neues Zuhause bilden wird, so spannend.

Bild 1: Praxedis- Gärten Neubau Singen: Gebaut auf Geschichte und Geschichten
Altbau von 1936

Wer vor einigen Jahren durch die Singener Romeiasstraße fuhr, dem stachen unwillkürlich die hier aufgereihten Arbeiterwohnungen in den Blick. Der langgezogene Altbau, 1936 gebaut, beinahe blockartig an die Straße gereiht, war ungewöhnlich für die hiesigen Gefilde. Eine möglichst praktikable Architektur, die aber nicht wirklich gut gealtert war. Bereits in den 90er Jahren hatte die Baugenossenschaft HEGAU die insgesamt 36 Wohnungen übernommen – auch mit dem Plan vor Augen, das Gelände irgendwann konsequent zu modernisieren. Vielgliedrige Untersuchungen der Bausubstanz zeigten aber schnell und deutlich, dass eine solche Modernisierung aufgrund der maroden Bausubstanz unmöglich und ein Neubau unausweichlich war. Die ersten Pläne für die Praxedis-Gärten nahmen Gestalt an. Pläne, die ein hochmodernes, nachhaltiges Wohnen in bester Singener Lage möglich machen sollten. Doch bevor diese Form annehmen konnten, stand zunächst der Abriss der Wohnblöcke auf dem Plan. Eigentlich.

Bild 2: Praxedis- Gärten Neubau Singen: Gebaut auf Geschichte und Geschichten
ARTE ROMEIAS

Denn genau in dieser Zeit las HEGAU-Geschäftsführer
Axel Nieburg vom Projekt
“Zwischenrich” der Allgemeinen Luzerner Baugenossenschaft – sah Parallelen und die einmalige Chance eines Kunstfestivals auf Zeit in der Romeiasstraße. Der zunächst fixe Gedanke wuchs über Monate – und wurde schlussendlich mit Hilfe des künstlerischen Leiters Jörg Lillich umgesetzt: So entstand in den mittlerweile leerstehenden Arbeiterwohnungen ein Kunst- und Kulturfestival, wie es Singen noch nicht gesehen hatte: Die ARTE ROMEIAS! Dutzende Künstler und Künstlerinnen besiedelten die Wohnungen, entwickelten Ausstellungen, Skulpturen, Street-Art, es gab Konzerte, Performances, Lesungen und Theater und einen Publikums-Ansturm, mit dem so niemand gerechnet hätte. Nicht wenige Besucher und Besucherinnen ulkten, dass die Baugenossenschaft hier doch ein festes Kulturzentrum installieren sollte – doch der große Reiz der ARTE ROMEIAS lag in ihrer Vergänglichkeit. Und so reifte der Abriss zum finalen Kulturmoment. Das
Baggerballett entblätterte mit der Abrissbirne ein mehrstöckiges Kunstwerk von Bert Binnig. Die ARTE ROMEIAS war Geschichte und die Zeichen standen auf Neuanfang. Und hier schließt sich der zu Beginn geöffnete Kreis, denn zwischen den hinterlegten Spuren von Singener Arbeitergeschichte und Kunstfestival entstand ein ganz und gar ungewöhnlicher Neubau in der Romeiasstraße: Die Praxedis-Gärten!

Bild 3: Praxedis- Gärten Neubau Singen: Gebaut auf Geschichte und Geschichten

Moderne Oase in hoher gestalterischer Qualität

Streift man 2022 über das Gelände der Praxedis-Gärten, so zeigt sich schnell, dass der Gebäudename viel mehr als nur Mittel zum Zweck ist. Denn der ursprüngliche Platz wurde keinesfalls durch den Neubau komplett zubetoniert. Im Gegenteil: Um eine möglichst vielschichtige und passende Bebauung des stadtnahen Grundstücks zu gewährleisten, lobte die Baugenossenschaft einen Architektenwettbewerb aus. So werden auch die zukünftigen Bewohner und Bewohnerinnen Zugang zu einer grünen Gartenanlage im Innenhof haben, die rein flächenmäßig den Grundriss des Gebäudes übertrifft. Wer Lust hat, kann sich ein Hochbeet oder einen Garten mieten und sich als Kleingärtner austoben, die elf Erdgeschoss-Wohnungen sind ohnehin mit eigenen Gärten ausgestattet. So wird der Innenhof, der als Reminiszenz an typisch badische Bauerngärten gestaltet ist, zur waschechten Oase, zum Rückzugsort für alle Bewohner und Bewohnerinnen. Und auch darüber hinaus markieren die Praxedis-
Gärten keinesfalls einen schnöden Klotz, sondern bestechen in Sachen Architektur durch eine gehörige Portion Leichtigkeit im Wohnkonzept. Die Fassaden kombinieren mit geometrischer Eleganz schwarze, weiße und hellgraue Formen zu einem konsequenten Gesamtwerk, das in letzter Konsequenz aber vor allem durch seine Klarheit besticht. Und selbst die Treppenhäuser zeichnen sich durch eine ungewöhnliche Dynamik und Bewegung innerhalb der Formgebung aus, sie etablieren sich als helle Lichtschächte, welche die Bewohner und Bewohnerinnen willkommen heißen. Wenn man so will tragen die Praxedis-Gärten den Geist des Kunst-Festivals ARTE
ROMEAIS bis heute in sich. Denn eine solche gestalterische Qualität der Wohnanlage, eine derartige kreative Offenheit der Architektur ermöglicht ein anderes Wohn- und damit auch Lebensgefühl. Modern. Aber doch auch nahe am Menschen.

Bild 4: Praxedis- Gärten Neubau Singen: Gebaut auf Geschichte und Geschichten

Insgesamt 73 Mietwohnungen sind im 100 Meter langen Neubau entstanden. Dabei ist es egal wie viele Zimmer die Wohnungen haben – sie sind allesamt „durchgesteckt“. Das bedeutet, dass jede Wohnung sowohl mit Fenstern in den ruhigen Garten im Innenhof in Richtung Nordosten, aber auch mit Fenstern zur besonnten Straßenseite in Richtung Südwesten aufwarten kann und ihren Bewohnern somit eine gesunde Brise Licht und Offenheit bietet. In Kombination mit den großen, einladenden Fenstern, Frischluft garantierenden Balkonen und Terrassen und dem einladenden Echtholzparkett wirkt sich die Architekturqualität des Neubaus direkt auf die Wohnqualität aus.

Bild 5: Praxedis- Gärten Neubau Singen: Gebaut auf Geschichte und Geschichten

Denn als Mieter oder Mieterin hat man in den Praxedis-Gärten eben nicht das Gefühl in ein unpersönliches Wohnungskonglomerat gepresst zu werden. Gerade in Singen, wo besondere Architektur nach wie vor Mangelware ist, erscheinen die Praxedis-Gärten als Hingucker, der zur echten Heimat werden kann.

Bild 6: Praxedis- Gärten Neubau Singen: Gebaut auf Geschichte und Geschichten

Leichtigkeit und Nachhaltigkeit vereint

Architektur, die sich zu sehr auf die gestalterische Ebene konzentriert, verliert von Zeit zu Zeit die einfache Nutzbarkeit aus den Augen. Doch alle optischen Reize verpuffen, wenn sie nur zum schönen Schein aufgeboten werden. Die
Praxedis-Gärten bestechen bei genauerem Hinsehen aber vor allem auch durch eine herausragende Praktikabilität, die im Kern ihren Bewohnern und Bewohnerinnen zu Gute kommt.

Bild 7: Praxedis- Gärten Neubau Singen: Gebaut auf Geschichte und Geschichten
Offene, soziale Gemeinschaft

Die Grundrisse der Wohnungen zielen auf eine optimierte Grundfläche ab. Bedeutet: Die Wohnungen besitzen die gleiche Zimmeranzahl bei geringerer Wohnfläche – für die Mieter und Mieterinnen bedeutet das geringere Wohnkosten. Rund die Hälfte der Mietwohnungen sind als Mikro- und Kleinstwohnungen konzipiert und damit ideal für Alleinerziehende, Rentner, junge Paare und Singles. Das Wohnkonzept soll Niemanden ausschließen, im Gegenteil: Hier soll eine offene und soziale Mietgemeinschaft mit gemischter sozialer Bewohnerstruktur entstehen, in der jeder seinen Platz findet. In diesem Zusammenhang ist es besonders wichtig, dass alle Wohnungen barrierefrei zu erreichen und auch zu bewohnen sind. Dafür sorgen schwellen-
los betretbare Balkone, superflache Duschwannen und Badewannen mit bodennahem Türeinstieg.

Bild 8: Praxedis- Gärten Neubau Singen: Gebaut auf Geschichte und Geschichten
Passivhaus-Standard

Mit Blick auf die Nachhaltigkeit sticht das Konzept ins Auge, das die HEGAU schon seit einigen Jahren erfolgreich etabliert hat und nun immer weiter optimiert. Das gesamte Gebäude wurde energie- und CO2-
effizient im Passivhaus-Standard gebaut, die Wärmeversorgung erfolgt mit dem heimischen Biobrennstoff Holz über eine Holzpellets-Anlage, womit eine kommende CO2-Steuer vermieden werden kann, die Stromversorgung über eine eigene Fotovoltaik-Anlage – in Kombination ergibt sich so ein Null-Emissionshaus, dessen Bewohner und Bewohnerinnen ihre Heizkosten zukünftig pauschal als Flatrate über die Miete bezahlen.

Bild 9: Praxedis- Gärten Neubau Singen: Gebaut auf Geschichte und Geschichten
Zu Fuß in die Innenstadt

Eine unterirdische Tiefgarage verspricht zudem eine nervenschonende Parkplatzsuche und einen direkten Zugang zu den Wohnungen. Und noch besser: Gerade innerhalb von Singen kann das Auto auch einmal getrost stehen bleiben: Alle wichtigen Einkaufsmöglichkeiten, aber auch Anbindung zu Bahnhof und Busbahnhof, zu Ärzten und Ärztinnen, Banken und zur Gastronomie ist fußläufig oder mit dem Fahrrad in kürzester Zeit zu erreichen. Für die Fahrräder gibt es eigene Fahrradhäuser, die von allen Bewohnern und Bewohnerinnen mitgenutzt werden dürfen.

Bild 10: Praxedis- Gärten Neubau Singen: Gebaut auf Geschichte und Geschichten

Und so schreiben die
Praxedis-Gärten ihr eigenes Kapitel in der vielfältigen Geschichte der Romeiasstraße. Und damit ist es nun auch Zeit für einen solchen Text.

Bild 11: Praxedis- Gärten Neubau Singen: Gebaut auf Geschichte und Geschichten
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