Herbert Storz nimmt kein Blatt vor den Mund: „Ich bin sicher, dass höllisch etwas los sein wird“, sagt der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Konstanz. Im Gespräch mit dem SÜDKURIER geht es um die geplante Öffnung der Grenze zur Schweiz, die schrittweise bis zum 15. Juni vollzogen werden soll. Dabei sind es weniger Ausflügler oder Einkaufstouristen, die den Pressesprecher in Alarmbereitschaft versetzen. Storz geht es um eine kleine Gruppe Schweizer Verkehrsrowdys, die der Polizei allzu gut bekannt ist. „Ich schätze, sie können kaum abwarten, wieder über die Grenze zu kommen“, mutmaßt er.

Bild: Picture-Factory

Einen Vorgeschmack dessen, wie sehr den Rasern der Gasfuß juckt, erhält die Polizei am Sonntagabend gegen 19.15 Uhr auf der Autobahn 81 zwischen Geisingen und Engen. Ein weiß lackierter Audi RS 6, ein schwarzer und ein silberner BMW – alle mit Schweizer Kennzeichen – bremsen zunächst die anderen Verkehrsteilnehmer aus, um sich anschließend in Fahrtrichtung Singen auf beiden Spuren ein wildes Rennen zu liefern. „Die Tathandlung verlief nach dem mittlerweile allseits bekannten Muster“, sagt Storz, der darauf hofft, mithilfe von Zeugen weitere Hinweise auf die Verdächtigen zu erhalten.

Inmitten der Ermittlungsarbeiten, dann am frühen Mittwochmorgen der nächste Vorfall. Dieses Mal sind es vier Autos, die sich zwischen den gleichen Anschlussstellen duellieren: drei Mercedes und ein BMW, alles hochmotorisierte Sportwagen mit Schweizer Zulassung.

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Aber im Unterschied zu dem Rennen am Sonntag gelingt es der Polizei noch in der gleichen Nacht, Tatverdächtige zu stellen – acht aus der Schweiz stammende Personen, die auf dem Parkplatz eines Lebensmitteldiscounters in Bietingen versammelt sind. Inzwischen ist laut Polizei ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Szene wird sich sammeln

Können sich Autofahrer im Hegau darauf einstellen, ab Mitte Juni noch öfter illegale Rennen dieser Art unfreiwillig mitverfolgen zu müssen? „Die Szene wird sich sammeln“, sagt Herbert Storz. Gerade da der sogenannte Carfreitag in Singen aufgrund der Corona-Krise ausfallen musste, rechne die Polizei mit Nachholbedarf unter Tunern und Geschwindigkeits-Freaks.

Am ersten und zweiten Freitag nach der Grenzöffnung gelte es deshalb, besonders wachsam zu sein, erklärt der Pressesprecher. Herbert Storz meint damit die Polizei im kompletten Einzugsgebiet des Präsidiums Konstanz. Er geht davon aus, dass seine Kollegen bis dahin auch einschlägig bekannte Facebook- und Instagram-Gruppen auf entsprechende Hinweise sichten werden. Während sich die Polizisten im Hegau für die Rückkehr der Raser wappnen, hat die Polizei im Nachbarland bereits alle Hände voll zu tun.

Schaffhauser Polizei schon jetzt im Dauereinsatz

„Seit Beginn der Corona-Zeit konnte ein Zuwachs von Meldungen aus der Bevölkerung wahrgenommen werden, die beschrieben, dass mit PS-starken Fahrzeugen auf den Schaffhauser Straßen gerast oder unnötiger Lärm verursacht wird“, schreibt die Schaffhauser Polizei in einer Pressemitteilung. Man habe die Kontrollen insbesondere mit zivilen Polizeifahrzeugen erhöht.

Raser und Poser würden mit ihren häufig getunten Fahrzeuge die Verkehrssicherheit mindern, andere Verkehrsteilnehmer mit ihrem rücksichtslosen Fahrverhalten gefährden und die Bevölkerung mit ihren lärmenden Fahrzeugen stören. „Vorwiegend kamen diese Meldungen aus der Stadt Schaffhausen und aus der Gemeinde Neuhausen am Rheinfall. Sehr stark frequentiert sei insbesondere der Erholungsort Lindli sowie allgemein das Rheinufer in Schaffhausen„, heißt es in der Mitteilung weiter.

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Zwischen dem 1. März und dem 30. April seien 17 Strafanzeigen wegen Verursachen von vermeidbarem Lärm durch Hochdrehen des Motors erstattet worden. Dazu kommen 17 Strafanzeigen wegen Überschreiten der zulässigen Maximalgeschwindigkeit, zwei Verkehrsunfälle wegen Nichtbeherrschen des Fahrzeuges aufgrund überhöhter Geschwindigkeit und zehn Strafanzeigen wegen illegalen Abänderungen an Motorfahrzeugen.

„Weiter wurden vereinzelt Fahrzeuge vorläufig stillgelegt und deren abgeänderte Auspuffanlagen ausgebaut und sichergestellt“, teilt die Schaffhauser Polizei mit. „Gegen die beschuldigten Personen wurden Strafverfahren wegen Widerhandlungen im Straßenverkehr eröffnet.“

Warnung für Polizisten im Kreis Konstanz

Auch Herbert Storz hat die Meldungen aus dem Nachbarland verfolgt. „Ich habe die Mitteilung der Kollegen gelesen und konnte es kaum glauben“, sagt der Polizeisprecher. Gerade weil ihm die empfindlichen Strafen bekannt sind, mit denen Verkehrssünder in der Schweiz zu rechnen haben, habe ihn die Zahl der Verstöße überrascht.

Klar, scheint schon jetzt: Die Risikobereitschaft der Raser hat auch in Zeiten der Corona-Pandemie nicht abgenommen. Dass die Ende April in Kraft getretene Verschärfung der Straßenverkehrsordnung eine abschreckende Wirkung auf die Verkehrsrowdys aus der Schweiz haben wird, wirkt ziemlich unwahrscheinlich.

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