Herr Kamenzin, was ist Ihnen als erstem Vorsitzenden des Schwarzwaldverein Engen/Hegau e.V. wichtig?

Das Wandern ist im Verein die eine Seite, aber mein Schwerpunkt ist die Heimatpflege. Engen bietet eine Reihe an interessanten Objekten, die es wert sind, gepflegt und erhalten zu werden. Und das gelingt uns in Engen wirklich ausgesprochen gut. Bereits im Jahr 1998 habe ich einen Arbeitskreis gegründet, mit dem ich seither die Ruinenanlage auf unserem Hausberg, dem Hohenhewen, pflege.

Zu den Arbeiten gehört, dass wir regelmäßig das Gehölz zurückschneiden sowie mehrmals jährlich die Freifläche innerhalb der Ruinenmauern mähen. Außerdem pflegt der Schwarzwaldverein Engen seit vielen Jahren die Talkapelle, deren Ursprung bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht. Hier sind nicht nur rund um die Kapelle erhebliche Pflegemaßnahmen notwendig, sondern auch aufwendige Renovierungsarbeiten.

So wurde in den letzten Jahren der Dachstuhl gerichtet, die Kapelle neu gestrichen und der Aufgang renoviert. Auch für die nahe am Krankenhaus gelegene Spitalkapelle gibt es einen speziellen Arbeitskreis. Ein weiteres Projekt ist das „Sudhaus“ der ehemaligen Felsenbrauerei Engen, das uns als Vereinslokal dient. Dort brauen wir selbst unsere Biere, bieten Führungen an, und vermieten dessen imposantes Kellergewölbe für Feiern.

Welche Wanderungen bietet der Verein an?

Es gibt ganz unterschiedliche. So haben wir donnerstags unsere Kleinwanderungen – jeweils mit einem Höhepunkt, bei dem es etwas zu besichtigen gibt. Anschließend lassen wir den Tag dann bei einem gemeinsamen Hock in einer Wirtschaft ausklingen. Wir organisieren auch verschiedene Tagestouren und natürlich auch Mehrtageswanderungen sowie Bergtouren und Radausflüge.

Gewandert wird zudem alle 14 Tage am Samstag oder Sonntag. Außerdem bieten wir verschiedene naturkundliche Exkursionen und Vorträge an. Hinzu kam in den letzten Jahren eine neue Veranstaltung: eine viertägige Motorradtour, bei der wir das Motorradfahren mit dem Wandern verbinden. Und etwas ganz Besonderes ist unsere 24-Stunden Tour, die auch in diesem Jahr wieder stattfinden wird.

Hegau24 haben Sie diese Veranstaltung genannt. Was steckt dahinter?

Die 24-Stunden-Wanderung startet an einem Freitagabend um 18 Uhr, und Ziel ist, dass am Samstag um 18 Uhr alle Teilnehmer im Ziel ankommen. Damit geht so manch begeisterter Wanderer an seine eigene Leistungsgrenze. Alle Teilnehmer erhalten bei uns eine Vollverpflegung, die vom Mitternachtssnack und Frühstück, über Snacks auf den einzelnen Etappen, bis hin zum Abendbuffet nach der Ankunft im Ziel reicht. Die Erlebnisstationen entlang der etwa 71 bis 84 Kilometer langen Strecke halten auch noch einige Überraschungen parat.

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Das ist ein unglaubliches Gemeinschaftserlebnis, bei dem die Ungeübten von den Fitten mitgerissen und so zu Höchstleistungen motiviert werden. Wenn jemand nicht im Zeitplan liegt, oder die Kräfte nachlassen, können auch Shuttle-Stationen genutzt werden. Wichtig ist uns aber: Es geht weder um Schnelligkeit, noch um Konkurrenz, sondern um das Erlebnis in der Natur und das berauschende Gefühl, wenn man seinen inneren Schweinehund überwunden hat.

Und dazu muss man wirklich kein Extremsportler sein, sondern es reicht eine solide Kondition und der Wunsch, sich auf die Tour und ihre verschiedenen Stationen einzulassen. Ein genauer Termin für dieses Jahr steht allerdings noch nicht fest.

Welche Rolle spielt in Ihrem Verein der Naturschutz?

Im Rahmen eines Naturschutzprojektes pflegen wir Trocken- und Reliktstandorte. Diese Pflegemaßnahmen dienen dem Schutz und Erhalt unserer botanisch äußerst wertvollen nacheiszeitlichen Steppen-Flora.

Durch sogenannte Entbuschungsmaßnahmen und Mäharbeiten fördern wir konkurrenzschwache und lichtbedürftige Arten der Steppen-Heide. Davon profitieren im Übrigen auch Blumen, wie Orchideen, und zahlreiche Insektenarten.

Wandern klingt für viele Kinder und Jugendliche oft uncool. Wie viele junge Mitglieder haben Sie, und wie können Sie diese für sich gewinnen?

In der Tat ist die Jugendarbeit relativ schwierig und ich muss zugeben, dass wir in letzter Zeit – außer den Familienwanderungen – gar nichts Spezielles anbieten konnten. Aufgrund der unterschiedlichen Bedürfnisse und Voraussetzungen ist es auch schwierig, die Familien mit Kindern mit den anderen Gruppen zu mischen.

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Und spätestens, wenn die Kinder größer werden, lässt das Interesse am Wandern eher nach und wir verlieren sie als Mitglieder. Nichtsdestotrotz: Kürzlich trat eine Familie mit Kindern dem Verein bei, so dass wir nun wieder eine Familiengruppe initiieren können. Für Ostern ist die erste Veranstaltung geplant.

Wie ist denn die allgemeine Altersstruktur des Engener Ortsvereins?

Im Wanderbereich liegt das Alter ab 60/65 Jahren aufwärts. In der Heimatpflege und bei den Motorradtouren gibt es etwas Jüngere. Da fängt es so ab 50 Jahren an – vereinzelt sind die Mitglieder sogar etwas jünger.

Was würden Sie sich für den Verein wünschen?

Gerade in Corona-Zeiten, in denen Unternehmungen und Aktivitäten nur eingeschränkt möglich sind, haben viele von uns unsere Heimat und die Freizeitmöglichkeiten direkt vor der Haustür zu schätzen gelernt.

Da uns die Heimatpflege am Herzen liegt, benötigen wir für den Verein „Manpower“, also Leute, die bereit sind, uns aktiv zu helfen und sich mit der Verwirklichung unserer Ideen und Ziele identifizieren können. Außerdem brauchen wir aktuell einen Fachwart für den Naturschutz, der uns unterstützen möchte.

Ist es eigentlich möglich, auch als Gast an den Veranstaltungen des Vereins teilzunehmen?

Selbstverständlich, Gäste sind uns herzlich willkommen. Wer mal zum Schnuppern an einer Veranstaltung teilnehmen möchte, der soll sich einfach bei uns melden, entweder per Telefon oder per Mail.