Jedes Jahr erstaunt das Bodensee-Kammerorchester sein Publikum aufs Neue. Schier unglaublich scheint es, wie es den 50 Profimusikern, Musikstudenten und ambitionierten Laien unter der Leitung von Gero Wittich gelingt, nach einer Probenzeit von nur wenigen Tagen Konzerte der Extraklasse zu präsentieren. Denn nur einmal im Jahr treffen die überwiegend jüngeren Musiker für eine intensive Probenwoche in Gaienhofen zusammen.

Zwei gänzlich andere Werke

Auch dieses Jahr stellte ihr Konzert einen besonderen Höhepunkt des Singener Kultursommers dar. Nach der öffentlichen Generalprobe in Gaienhofen und dem ersten Konzert in Überlingen begeisterte das Orchester sein Publikum in der neuen Curana-Halle im Singener Stadtteil Beuren. Mehr als 150 Zuhörer bekamen zwei gänzlich unterschiedliche Werke präsentiert. Mit dem Konzert für Violoncello und Orchester in a-Moll op. 129 von Robert Schumann stand im ersten Teil des Abends ein eher melancholisches Werk auf dem Programm.

Ein Konzert der Extraklasse präsentierte das Bodensee-Kammerorchester, dieses Jahr zum ersten Mal in der Curana-Halle in Beuren.
Ein Konzert der Extraklasse präsentierte das Bodensee-Kammerorchester, dieses Jahr zum ersten Mal in der Curana-Halle in Beuren. | Bild: Sandra Baindl

Einen völligen Gegensatz dazu bildete die Sinfonie Nr. 2 in D-Dur op. 73 von Johannes Brahms mit ihren liedhaften Melodien und heiteren, warmen Klangfarben.

Das Orchester

Den Solo-Part bei Schumanns Konzert übernahm Lukas Rothenfußer. Der gebürtige Münchner erhielt seinen ersten Cellounterricht im Alter von acht Jahren. Das musikalische Talent scheint ihm in die Wiege gelegt worden sein. Doch er entschied sich als Einziger seiner Familie für eine Karriere als Profimusiker.

24-jähriges Ausnahmetalent gibt Zugaben

Das technisch äußerst anspruchsvolle Konzert Schumanns bot dem mehrfachen Preisträger unter anderem bei den Wettbewerben „Jugend musiziert“ und „Musica Juventutis“ reichlich Gelegenheit, sein virtuoses Können zu präsentieren. Publikum und Orchestermitglieder applaudierten dem 24-jährigen Ausnahmetalent gleichermaßen, sodass er erst nach zwei Zugaben die Bühne verlassen konnte.

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Er selbst zeigte sich nach seinem Auftritt von der Zusammenarbeit mit dem Orchester begeistert. Die Probentage seien großartig gewesen. Mit welcher Spielfreude die jungen Musiker bei der Sache waren, zeigte sich auch, als ein paar von ihnen die Pause für ein Kurzkonzert mit eher lateinamerikanischen Rhythmen nutzten.

2000 Euro für einen Filmemacher

Zur Tradition des Konzertes gehört ebenfalls die Verleihung des mit 2000 Euro dotierten Jugend-Kulturförderpreises des Fördervereins des Lions Club Singen-Hegau. Wurden in den vergangenen Jahren oftmals Musiker ausgezeichnet, war dieses Jahr mit Tom Lawrence Franklin ein Filmemacher an der Reihe.

Sie freuen sich über die Auszeichnung mit dem Jugend-Kulturförderpreis (v.r.): Lions-Vizepräsident Andreas Lier, Preisträger Tom ...
Sie freuen sich über die Auszeichnung mit dem Jugend-Kulturförderpreis (v.r.): Lions-Vizepräsident Andreas Lier, Preisträger Tom Lawrence Franklin und Laudatorin Margit Schlenker, die seine kreative Energie hervorhob: „Je älter er wird, desto klarer werden seine kreativen Visionen.“ | Bild: Sandra Baindl

Bereits mit sechs Jahren sammelte der Deutsch-Brite mittels einer Digitalkamera erste Erfahrungen mit bewegten Bildern. Im Teenager-Alter stellte der junge Künstler aus Wangen am Bodensee schon erste kommerzielle Filmprojekte fertig. Nach dem Abitur wurde sein Karrierewunsch immer deutlicher. Seit zwei Jahren arbeitet er in der Filmbranche in Köln. Aktuell stellt er seinen ersten eigenen Kurzfilm „Louanne“ fertig, der im Landkreis Konstanz spielt.

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Sein Ziel ist es, einen der begehrten Regie-Studienplätze an einer der renommierten Filmhochschulen im Lande zu bekommen. Die Liebe zum visuellen Gestalten, zur Musik und dem Schauspiel sei ein wichtiges Element in seinem Leben, erklärte der 20-Jährige in seiner Dankesrede. Der Film sei die perfekte Möglichkeit, diese drei Künste miteinander zu kombinieren. Worte seien ihm nicht genug, um sich akkurat auszudrücken. Das Belohnendste an dieser Kunst sei es, anderen eine Freude damit zu machen.

Gibt es eine Rückkehr nach Singen?

Ob das Bodensee-Kammerorchester auch im nächsten Jahr wieder in der Beurener Curana-Halle – und nicht wie bisher im Singener Bürgersaal auftreten wird, ließ der Vize-Präsident des Lions Club, Andreas Lier, an diesem Abend noch offen. Für die Halle spreche eindeutig die hervorragende Akustik, von der sich das Publikum an diesem Abend überzeugen konnte.

Die Beurener würden sich sicherlich freuen. So meinte eine Besucherin aus dem Singener Teilort nach dem Ende des Konzertes in Beuren kurzerhand: „Wenn das Kultur ist, können sie gerne öfters wiederkommen.“