Der Warnschuss muss funktioniert haben, so die erste Bilanz der Polizei nach dem Einsatz gegen die Freunde aufgemotzter Autos am Freitagabend. Denn was die einen freut, ist für andere Ärgernis. „Problematisch sind neben den illegalen Autorennen vor allem Lärm und fehlende Verkehrssicherheit“, erläutert Polizeisprecher Herbert Storz auf Nachfrage des SÜDKURIER nach der groß angelegten Maßnahme mit Sperrung der vierspurigen Georg-Fischer-Straße am Obi-Kreisel.

Das könnte Sie auch interessieren

Die Konzeption der Schutzpolizeidirektion am Polizeipräsidium Konstanz richte den Fokus gezielt auf den technischen Zustand der Fahrzeuge. Deshalb seien konsequent auch die bekannten Alternativstandorte der Tuningszene im Stadtgebiet angefahren worden. Bei Schwerpunktkontrollen mit zahlreichen Einsatzkräften wurden in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung Singen Treffs der Autoliebhaber kontrolliert.

Polizeibeamte bekamen Unterstützung durch einen privaten Sicherheitsdienst.
Polizeibeamte bekamen Unterstützung durch einen privaten Sicherheitsdienst. | Bild: Tesche, Sabine

„Die Kontrollen führten zu mehreren Verkehrsverstößen, an insgesamt sechs Fahrzeugen wurde festgestellt, dass jeweils durch technische Veränderungen die Betriebserlaubnis erloschen war, weshalb durch die Polizei die Weiterfahrt untersagt wurde“, erklärt Storz, dass die Fahrzeugführer nun mit entsprechenden Anzeigen und Bußgeldern zu rechnen haben. Überdies solle keinesfalls zugelassen werden, dass die Szene sich andere Tage sucht. Schon am Mittwoch waren Beamte des Verkehrsdienstes deshalb in der Stadt unterwegs, um gezielt getunte Fahrzeuge zu kontrollieren. Auch dabei seien teils gravierende Mängeln festgestellt worden. Im Rückblick habe man positive Erfahrungen mit dem außergewöhnlichen Instrument gesammelt, nachdem vor Wochenfrist hunderte Tuning-Fans rund um den Obi-Kreisel zusammen kamen. Nun sollte die Bremse scharf angezogen werden. Dass Kreisel und besonders die Aral-Tankstelle gesperrt werden, habe sich schnell über die sozialen Medien verbreitet. Eine Maßnahme, die Schule machen könnte? Aus dem Rathaus kommt ein Nein. „Es handelt sich um eine situationsbedingte Maßnahme“, betont Singens Pressesprecher Achim Eickhoff. Zu normalen Zeiten werde die Stadtverwaltung wie bisher auf die angeordnete Geschwindigkeitsbegrenzung und verstärkte Polizeikontrollen setzen.

Der Obi-Kreisel an der Georg-Fischer-Straße in Singen ist am Freitagabend gesperrt worden, um den Auftritt der Tuningszene in Singen auszubremsen.
Der Obi-Kreisel an der Georg-Fischer-Straße in Singen ist am Freitagabend gesperrt worden, um den Auftritt der Tuningszene in Singen auszubremsen. | Bild: Tesche, Sabine

Zwei Autofreaks aus der Singener Szene finden den Polizei-Einsatz hingegen total übertrieben, wie sie gegenüber dem SÜDKURIER erklären. Ihre Namen wollen sie nicht nennen. Discos hätten ebenso geschlossen wie andere Lokale, die sich für ein Treffen eignen. Ihnen ist bewusst, dass es in der Szene schwarze Schafe gibt. „Zehn Prozent tanzen aus der Reihe und wir werden alle unter Generalverdacht gestellt“, betonen die Tuningfreunde, dass es ihr Ziel sei, sich friedlich mit Gleichgesinnten zu treffen. Singen sei eine Autostadt und die Automeile Treffpunkt für all jene, die ihre Fahrzeuge mit viel Arbeit, Geld und Liebe oft selbst getunt haben. Problematisch seien die so genannten Poser, die oftmals die teuren Autos nur gemietet oder aus Vaters Garage geschnappt hätten. Doch die Hoffnung auf einen Platz, an dem die Szene keinen stört, hat sich bislang nicht erfüllt.

Das könnte Sie auch interessieren