Der ständige Wechsel der Unterrichtsformen zehrt an den Nerven. Nach den Osterferien war Wechselunterricht geplant: Jetzt geht es mit Homeschooling weiter. Danach soll, verbunden mit einer Teststrategie, Wechselunterricht kommen. Dass ständig alles über den Haufen geworfen werde und das Schulpersonal in den Ferien die Schule neu organisieren müssten, gehe an die Substanz, sagt Anja Claßen, geschäftsführende Schulleiterin der Singener Schulen und Schulleiterin der Waldeck-Grundschule: „Die Schulen sind am Anschlag, man sieht ihre Not nicht.“

Das Umorganisieren brachte die Lehrer schon mehrfach um ihre Ferien: „Man fragt sich, ob wir kein Recht auf Erholungsurlaub haben. So kann man nicht mit seinen Mitarbeitern umgehen“, erklärt die Schulleiterin. Sie kann verstehen, dass man auf die steigende Zahl der Infizierten reagieren müsse, auch an ihrer Schule waren vor Ostern vier Klassen in Quarantäne. Aber sie würde sich wünschen, dass man auch mal die Schulleiter fragen würde, was praktikabel sei. „Man kann das Riesensystem Schule, nicht gefühlt alle zwei Wochen umorganisieren“, sagt auch Bürgermeisterin Ute Seifried. Damit Schulen und Familien Planungssicherheit hätten, plädiert sie für Wechselunterricht mit Notbetreuung bis zu den Sommerferien.

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600 Testungen pro Woche

Besondere Sorge bereitet Schulleiterin Claßen der Blick auf den 19. April, wenn Wechselunterricht, Homeschooling, Notbetreuung und das Testen räumlich und personell gestemmt werden sollen. Anja Claßen weiß nicht, woher sie die Lehrer nehmen soll, um all das zu bewältigen. Sie hat ausgerechnet, dass bei 200 Schülern, die im Wechselunterricht vor Ort sind, plus 100 Schüler in der Notbetreuung, rund 300 Schüler zwei Mal pro Woche getestet werden müssen. Das seien 600 Testungen pro Woche. Das brauche Personal und Zeit: „Die Kollegen müssten sich dreiteilen.“

An der Waldeck-Schule konnten sich Schüler schon vor den Osterferien freiwillig testen lassen. Das hätte gut geklappt, aber dazu brauche es eine entsprechende Betreuung durch Lehrer. Bürgermeisterin Seifried ist derweil noch damit beschäftigt, genügend Testkits zu beschaffen: Rund 6500 braucht die Stadt für Schüler und Schulpersonal pro Woche.

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Eltern hoffen auf normalen Schulbetrieb

Markus Sonnenschein, stellvertretender Elternbeiratsvorsitzender der Beethovenschule, kann verstehen, dass aufgrund der Infektionslage Homeschooling gemacht wird. Für seinen Sohn, der die zweite Klasse besucht, sei das natürlich schade. „Ich bin nicht begeistert, aber aufgrund der steigenden Zahl der Infizierten finde ich es richtig“, sagt Sonnenschein. Er freue sich, wenn es ab dem 19. April wieder Wechselunterricht gebe und begrüße das Testen in den Schulen, weil es mehr Sicherheit gebe und Unterricht ermögliche. „Mit dem Testen und Impfen hoffe ich, dass wir wieder zu einem normalen Schulbetrieb kommen“, erklärt er.

Es werde aber nicht einfach, alle Schüler auf einen Stand zu bringen. Die Kinder, die keine Unterstützung von den Eltern hätten, gingen verloren. Den Lehrern möchte er ein dickes Lob aussprechen: „Sie machen einen tollen Job.“ Sie würden weitaus mehr leisten, als die müssten und seien teilweise auch am Wochenende erreichbar.

So geht es nach den Osterferien weiter

  • Ab dem 12. April: Am 1. April informierte das Kultusministerium angesichts der sich verstärkt unter Jüngeren ausbreitenden britischen Virusvariante über die neuen Regelungen für den Schulbetrieb nach den Osterferien. Ab dem 12. April findet demnach kein Präsenzunterricht statt, ausgeschlossen davon sind die sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren und die Abschlussklassen. Die Abschlussklassen dürfen Wechselunterricht haben. Eine Notbetreuung gibt es für die Schüler von Klasse 1 bis 7. Für Grundschüler ist das Lernen mit Materialien zu Hause und für Schüler ab Klasse 5 Fernunterricht vorgesehen.
  • Ab dem 19. April: Es ist geplant, ab dem 19. April in den Wechselunterricht für alle Klassenstufen zu gehen, sofern es das Infektionsgeschehen zulässt. Außerdem soll die Testung, die schon ab dem 12. April auf freiwilliger Basis angeboten wird, Voraussetzung für die Teilnahme am Präsenzunterricht und an der Notbetreuung sein. Von dieser Testpflicht ausgenommen seien Abschlussprüfungen und zwingend notwendige, schriftliche Prüfungen.