Wenn im September der Sommer zurückkommt, zieht es viele Menschen in Freibäder und Naturgewässer. Für die DLRG-Ortsgruppen ist es momentan besonders herausfordernd. Gerade die jüngsten Badbesucher wurden aufgrund der langen Corona-Einschränkungen benachteiligt, Schwimmkurse konnten im Lockdown nicht stattfinden, der verregnete August machte den Wasserrettern ebenfalls einen Strich durch die Rechnung. Rund eine Million Kinder hätten wegen ausgefallener Schwimmkurse nicht schwimmen gelernt, gab der DLRG-Dachverband im Juli bekannt.

In Baden-Württemberg seien es Stand August rund 100.000 Kinder, so der Engener DLRG-Vorsitzende Ingo Sterk. „Die holen wir nicht auf, ich wüsste nicht, wie man das schaffen soll“, so Sterk. In Engen fanden bis März 2020 Kurse statt, im Sommer folgten weitere. Die Kinderschwimmkurse unter Pandemiebedignungen waren laut Sterk ein „Riesenkraftakt“.

Die DLRG Engen konnte sich vor Anfragen für die Schwimmkurse im Sommer kaum retten, berichtet der Vorsitzende Ingo Sterk (hinten ...
Die DLRG Engen konnte sich vor Anfragen für die Schwimmkurse im Sommer kaum retten, berichtet der Vorsitzende Ingo Sterk (hinten rechts). Im Engener Erlebnisbad machten die Kursteilnehmer ihre ersten Schwimmzüge, nachdem sie sich zuvor am Beckenrand der Beinarbeit gewidmet hatten. Im Herbst gibt es noch zwei weitere Kurse mit jeweils 15 Plätzen im Hallenbad in Tengen. | Bild: Kerle, Helene

Es brauchte viele Helfer, da die Eltern unter strengeren Corona-Auflagen nicht dabei sein durften. In diesem August mussten durch das kühle Wetter Kurse und Trainings verschoben werden. Außerhalb der Saison hat die Gruppe das Hallenbad in Tengen als Stützpunkt. Trainingsmöglichkeiten sind rar: „Bäder kosten sehr viel. Das leisten sich nicht mehr viele Gemeinden“, zeigt der DLRG-Vorsitzende Verständnis.

Die DLRG Gottmadingen konnte bis zum Pandemieausbruch das Therapie-Becken im Jugendwerk Gailingen benutzen. „Leider haben wir auch für den kommenden Winter diese Möglichkeit nicht“, sagt Trainerin Manuela Beschle. „Wir sind auf der Suche, aber bisher erfolglos.“

Bei jedem Wetter im Wasser: Der Sommerferien-Schwimmkurs der DLRG Gottmadingen mit den Trainerinnen Monika Biller und Conny Pohl.
Bei jedem Wetter im Wasser: Der Sommerferien-Schwimmkurs der DLRG Gottmadingen mit den Trainerinnen Monika Biller und Conny Pohl. | Bild: DLRG Gottmadingen

Mit drei Gruppen begann der Verein zum Saisonstart des Höhenfreibads wieder das Kindertraining für Sieben- bis 15-Jährige an. „Das lief ganz gut an“, so Beschle, Eltern und Kinder seien froh gewesen, dass wieder etwas stattfinden konnte. Die lange Pause habe sich aber bemerkbar gemacht: „Die Kondition geht verloren“, hat die Trainerin festgestellt.

Außerdem fand ein Schwimmlernkurs für Sechs- bis Achtjährige im Rahmen des Sommerferienprogramms in Gottmadingen statt. Das durchwachsene Wetter störte hier nicht: „Es war nicht optimal, aber solange es nicht gewittert, sind wir im Wasser, auch beim Training; Regen hält uns nicht ab“, sagt Manuela Beschle.

Erst mit dem bronzenen Abzeichen könne man sicher schwimmen

Dran bleiben, auch nach dem Seepferdchen-Abzeichen, halten beide DLRG-Vertreter für elementar. „Das Seepferdchen reicht nicht, um Kinder unbeaufsichtigt schwimmen zu lassen“, macht Ingo Sterk klar. Die Nachfrage nach den nachfolgenden Abzeichen habe massiv nachgelassen. „Das ist schade“, so Sterk. Und leichtsinnig: Erst mit dem bronzenen Schwimmabzeichen könne man sicher schwimmen.

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„Schwimmen ist die Allgemeinkompetenz Nummer Eins“, ist auch die Jugendtrainerin Beschle überzeugt. Die Eltern sollten Schwimmfähigkeit an oberster Stelle ansiedeln: „Wenn ein Kind nicht Fußball spielen kann, ist es schade; wenn ein Kind nicht schwimmen kann, ist es tödlich“, so Sterk.

Gerne würden die DLRG-Ortsgruppen auch wieder Schwimmunterricht an den Schulen sehen. Immerhin können sich Lehrer und Erzieher jetzt zum Ausbildungsassistenten ausbilden lassen. Das Projekt „Seepferdchen für alle“ wurde von der DLRG und einem Sponsor initiiert, damit auch Pädagogen Kindern das Schwimmen beibringen können.