Es war ein unmissverständlicher Warnruf, den OB Bernd Häusler und Gerd Springe, Vorsitzender des Standortmarketingvereins Singen aktiv, mit ihrem Brandbrief an Kanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Winfried Kretschmann verfasst hatten. Der Inhalt war eindeutig: Die Spitzenkandidaten der Parteien im Landtagswahlkampf sollen damit aufhören, die Corona-Pandemie für ihren Wahlkampf zu nutzen. Stattdessen lautete der Appell von OB Häusler und Springe: „Arbeiten Sie mit aller Kraft und aller zur Verfügung stehender Manpower an einem Leben mit dem Corona-Virus.“

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Adressaten sind unter anderem die beiden Spitzenkandidaten in Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann (Grüne) und Susanne Eisenmann (CDU), die als aussichtsreiche Kandidaten für den Ministerpräsidenten gelten. Auch die beiden Landtagsabgeordneten für den Wahlkreis Singen/Stockach, Tobias Herrmann (CDU) und Dorothea Wehinger (Grüne), haben den Brandbrief wahrgenommen. Ihre Meinungen zu dem Vorwurf gehen indes auseinander.

Uneinigkeit bei Landtagskandidaten

Während Dorothea Wehinger nicht das Gefühl habe, dass die Spitzenkandidaten Corona für ihren Wahlkampf nutzen, sagt Herrmann: „Ja, dieses Gefühl habe auch ich zuweilen. Und das sollte nachdenklich stimmen.“ Aber auch Wehinger gibt zu, dass Corona im Moment „unser aller Leben bestimmt“ und deshalb auch für die Spitzenkandidaten das dominante Thema sei. „Kritik bleibt da nicht aus, auf Landesebene geht das an die Adresse des Grün-geführten Sozialministeriums wegen der Impfstrategie genauso wie an das CDU-geführte Kultusministerium wegen der Kita- und Schulöffnungen“, sagt sie. Da aber viele Regelungen auf Bundesebene getroffen werden, tragen für sie CDU und SPD als Regierungsparteien die Verantwortung. „Was die Oppositionsparteien anbelangt, ist Kritik zu üben, der leichtere Part in dieser Krise“, so Dorothea Wehinger.

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Ob auch Wehinger und Herrmann mit den Vorwürfen konfrontiert werden? „Mir ist es wichtig, die Anliegen der Bürger ernst zu nehmen, ihnen zuzuhören und die Maßnahmen soweit wie möglich zu erklären“, sagt Dorothea Wehinger. Auch sie würden viele Fragen aus der Bürgerschaft erreichen. „Vorschläge und Anregungen nehme ich mit in unsere wöchentlich stattfindenden Fraktionssitzungen und suche je nach Anfrage das Gespräch mit den Ministerien“, sagt sie. Tobias Herrmann sieht das ähnlich: Auch er äußere seine Überzeugungen: „Ja gerade in diesem Moment.“ Die Hoffnung, andere für die eigene Position zu gewinnen, habe nichts Verwerfliches, vielmehr sei sie im Gegenteil nötig. „Verwerflich ist es, selbst nicht zu glauben, was man sagt. Da sollte man lieber schweigen, was ich ja gerade nicht tue“, so Herrmann weiter.