Kreativität ist gefragt in der Pandemie. In der Hinsicht ist der Musikverein von Hausen an der Aach nicht um Ideen verlegen. Zum Beispiel beim abgesagten Stadtfest. Normalerweise erarbeitet sich der kleine Verein dort mit seinem Wursthäusle ein kleines Finanzpolster für die Jugendarbeit, für neue Instrumente oder für Ausflüge. Aber normal ist mit Corona ja nichts mehr. Und so hatten die Musiker im Internet ein virtuelles Wursthäusle aufgestellt. Für einen Euro konnte man eine virtuelle Wurst erwerben, garantiert kalorien- und fettfrei. Die Würste wurden sogar in den hohen Norden Deutschlands verkauft, wo ein ehemaliges Vereinsmitglied heute wohnen. Aber der Spaß ist nur ein kleiner Trost, wenn sich die Musiker nicht mehr zu ihren gewohnten Proben treffen dürfen. Und das ausgerechnet im Jubiläumsjahr.

Jubiläumsfest um ein Jahr verschoben

50 Jahre nach der Gründung wollte der Verein in diesem Jahr Ende des Monats das Jubiläum richtig zünftig feiern. Zusammen mit acht oder zehn Vereinen des Bezirks Hohentwiel wollten die Musiker auf zwei Bühnen nicht nur Würstchen, sondern vor allem non-stop Blasmusik servieren. Doch Corona hat einen gründlichen Strich durch die Rechnung gemacht. Wie viele andere Vereine auch, hat der Musikverein Hausen seine Festaktivitäten auf 2022 verlegt. „Wir setzen auf die Impfungen“, gibt sich der Vorsitzende Alexander Kopp trotz der schleppenden Impfkampagne zuversichtlich.

Kein Ton kommt derzeit aus den Instrumenten des Musikvereins Hausen an der Aach, weil die Menschen, die sie bedienen, sich nicht treffen dürfen. Dabei gäbe es im Jubiläumsjahr eigentlich jede Menge zu feiern. Die Pandemie hat dem Verein einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Kein Ton kommt derzeit aus den Instrumenten des Musikvereins Hausen an der Aach, weil die Menschen, die sie bedienen, sich nicht treffen dürfen. Dabei gäbe es im Jubiläumsjahr eigentlich jede Menge zu feiern. Die Pandemie hat dem Verein einen Strich durch die Rechnung gemacht. | Bild: MV Hausen

Aktives Vereinsleben hält Mitglieder trotz Corona zusammen

Was allerdings nach der Pandemie noch von dem Verein übrig sein wird, kann Kopp nicht sagen. „Bisher sind noch alle an Bord“, berichtet er. Aber die langen Probenpause im Lockdown geben ihm schon sehr zu denken. Er hält es für möglich, dass vereinzelte Mitglieder den Weg ins aktive Vereinsleben nicht mehr schaffen. Umso mehr ist er darum bemüht, den Kontakt zu den Musikern so lebendig wie möglich zu halten. Dazu gehört ein Jahreskalender, der Erinnerungen an bessere Zeiten wach hält. „Wir haben uns bewusst gegen eine Chronik entschieden, die niemand liest“, sagt Alexander Kopp. „Auf den Kalenderblättern zeigen wir Szenen aus der 50-jährigen Geschichte von der Gründung bis zu den gemeinsamen Ausflügen. Das sind so viele tolle Erlebnisse, die unsere Gemeinschaft greifbar machen.“ Da werden Szenen von der Fasnacht bis zum Adventskonzert, von der Jugendausbildung bis zum Dämmerschoppen.

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Vereinseigener Kalender sorgt für schöne Erinnerungen

Jedes Kalenderblatt enthält einen QR-Code, mit dem sich die Betrachter weitere Informationen holen können. Alexander Kopp ist froh, dass der 21-jährige Niklas Radtke sich so leidenschaftlich um den Internetauftritt des Vereins kümmert. Am Kalender haben etliche Vereinsmitglieder mitgewirkt und über E-Mail oder die WhatsApp-Gruppe ihre Ideen und Bilder beigesteuert. Auch über die Homepage des MV Hausen können Interessierte mehr über die Geschichte und kuriose Interna erfahren.

Kuriose Gründungsgeschichte

Kurios ist die Gründung des Vereins selbst. Diese Geschichte erzählt Alexander Kopp gerne: Eigentlich liegt der Ursprung des MV Hausen in der Fasnacht. Dafür wurde ein Fanfarenzug benötigt. Es wurden Freiwillige gesucht, gestandene Hausener, 40, 50 Jahre alt. „Eine Ausbildung hatte niemand“, schildert Kopp. „Jeder bekam ein Instrument in die Hand gedrückt und los ging‘s.“ Danach wurde beschlossen, dass ein Musikverein gegründet wird. „Nach vier Probenwochen hatten die Bläser ihren ersten Auftritt auf dem Friedhof“, erzählt Kopp und muss lachen, wenn er sich vorstellt, wie das geklungen haben muss. Immerhin stand das städtische Blasorchester Singen Pate für die Gründung des Musikvereins.

Wie der Vorsitzende als spätberufener zur Musik kam

Alexander Kopp ist nicht nur Vorsitzender des Vereins, sondern auch selber von der Blasmusik geprägt. Er hat seine Frau Gabi beim Musizieren kennengelernt. Und auch die beiden Kinder spielen aktiv im Verein. Dabei bezeichnet er sich selber als Spätberufenen. „Ich war schon 14 und recht groß, als ich dazu kam“, berichtet er. „Weil ich so groß war, hat man mir die Tuba in die Hand gedrückt. Das Instrument hat mir Glück gebracht. Als ich bei der Bundeswehr war hat der Musikzug Ulm zwei Tubisten gesucht. Ich durfte vorspielen und wurde genommen.“

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Ausbildung auch für Erwachsene

Mitgliederwerbung ist ein großes Thema in dem kleinen Musikverein. Weil Alexander Kopp weiß, wie lange es dauert, bis Kinder richtig ausgebildet sind, sucht er parallel zur Jugendausbildung erwachsene Einsteiger. Aus Erfahrung weiß er, dass Ältere einen besonderen Ehrgeiz an den Tag legen, wenn sie sich erstmal für ein Instrument begeistert haben. Der Vorsitzende ist auch froh über den Dirigenten Christian Waibel, der Orchsternoten auch neu für den Verein arrangiert. So zum Beispiel auch für das Quartett, das im Advent im Hospiz spielen durfte und auch am Palmsonntag in der Kirche auftrat.