Auch vom Coronavirus will sich der deutsch-schweizerische Verein Pro Dampfer nicht bremsen lassen. Zwar musste die Jahresversammlung abgesagt werden, aber die Schweizer verordnungen lassen eine so genannte Restversammlung zu. Weil die Finanzierung der laufenden technischen Planungen, die Arbeit des Vorstandes, sowie das Budget 2020 auch rechtlich abgesichert sein müssen, wurden die Mitglieder zur schriftlichen Teilnahme aufgefordert. Bis zum 19. Juni läuft das Verfahren. Für Vereinsvorsitzenden Raimund Hipp ein wichtiger Schritt, denn die kommenden Monate entscheidend. „Wir sind von der Phase Vorprojekt in die Phase Planung eingetreten“, erklärt er. Zumal auch derzeit nicht sicher sei, ob im Herbst eine Jahresversammlung möglich wäre.

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  • Die Planung: In den vergangenen Monaten seien etliche Projektfortschritte für die Antriebsanlage mit Verbundmaschine, Dampfkessel und Holzpelletsfeuerung erzielt worden. Von der Dampflokomotiv- und Maschinenfabrik (DLM AG) in Winterthur wurden erste Konstruktionszeichnungen präsentiert und die thermodynamischen Grundlagen der Zweizylinder-Verbunddampfmaschine mit Abdampfkondensation präsentiert. „Die mit einem neuen Berechnungsprogramm ermittelten Indikatordiagramme stimmen exakt mit existierenden und gut ausgemessenen Diagrammen überein“, erklärt Vorstandsmitglied Andrew Thompson in einer Pressemitteilung angesichts der außergewöhnlichen Umstände. Mit diesen Daten konnten Zusammenstellungszeichnungen, aus denen sich Leistungs-, Raum- und Gewichtsangaben ermitteln lassen, erstellt werden. Dreidimensionale Grafiken zeigen das Layout der neuen Zweizylinder-Verbunddampfmaschine mit Abdampfkondensation und einer Exzentersteuerung. Basierend auf dieser virtuellen Konstruktion der Maschine am Computer werden auch konkrete Gewichtsangaben der Antriebsanlage zur Verfügung stehen, die dem beauftragten Schiffbauingenieur Bernhard Utz als Grundlage für die nächsten Arbeitsschritte dienen. „Seitens des Vereins werden die Arbeiten der DLM AG durch den technischen Projektleiter Christoph Meier begleitet“, so Thompson. Dampfmaschinenexperte Robert Horlacher steht weiterhin beratend zur Seite und konzentriert sich auf den Wasser-Dampf-Kreislauf. Schließlich wolle man einen Prototyp für künftige Raddampfer auf Untersee und Rhein schaffen. „Die alten Schiffspläne und technischen Eigenheiten des früheren Raddampfers Schaffhausen, der 1967 verschrottet wurde, sind heute nicht mehr einsetzbar, denn das ursprünglich 1913 erbaute Schiff würde den heutigen Vorschriften nicht mehr genügen und wäre so nicht mehr zulassungsfähig“, erklärt Thompson. Insbesondere in Sachen Schiffsstabilität müsse der neue Dampfer den heute gültigen Vorschriften entsprechen. Zudem soll das Schiff genügend Leistung über die Schaufelräder ins Wasser bringen, aber trotzdem nicht breiter werden als die alte Schaffhausen, um die Brücke in Diessenhofen passieren zu können.
Hansjörg Lang zeigt eine Visualisierung des geplanten Raddampfers, der künftig auf der Strecke Schaffhausen-Kreuzlingen verkehren soll. Bild: Güntert
Hansjörg Lang zeigt eine Visualisierung des geplanten Raddampfers, der künftig auf der Strecke Schaffhausen-Kreuzlingen verkehren soll. Bild: Güntert
  • Die Finanzierung: Die nun beginnende Planungsphase erfordere weitere finanzielle Mittel: „Für unser Schiff gibt es nur wenige Komponenten fertig zu kaufen“, so Vereinspräsident Raimund Hipp. Alle technischen Aspekte gelte es daher bis ins Detail zu planen und zu entwickeln. Mit Eintritt in die Phase Planung erhöhen sich externe Kosten massiv. Die Planung von Dampfmaschine und Pellet-Brenner, die Anpassung des Generalplans an die Optimierung von Schaufelrad und Schale, die Projektleitung und Planung der klimaneutralen Bord-Energie kosten Geld, das der Verein mittelfristig nicht mehr aufbringen kann. „Praktisch unser ganzes Vermögen haben wir vor einem Jahr in die Planung budgetiert und investiert“, so Hipp. Deshalb sei zusätzlich zur Arbeitsgruppe Technik eine Arbeitsgruppe Finanzen unter der Leitung von Vizepräsident Hansjörg Lang geschaffen worden, um Geld zu beschaffen und Möglichkeiten zu finden, wie der rund zwölf Millionen Franken teure Bau finanziert werden kann. „Wir bleiben also auf neue Mitglieder, Spender und Sponsoren angewiesen“, so Lang.
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  • Die Koordination: Die Zusammenarbeit des Vereins mit der Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh) wird aktiv gepflegt und hat sich durch gemeinsame Sitzungen gut weiterentwickelt. Die regelmäßigen Zusammenkünfte finden zwar aktuell eine Unterbrechung, aber noch im März wurde zwischen Verein und URh besprochen, wie das Dampfschiff in einen künftigen Betrieb eingebunden werden könnte. Sobald es die Umstände zulassen, werden die Arbeiten wieder aufgenommen, da realistisch eingeschätzte Einsatzprogramme für die Ausarbeitung eines Businessplan entscheidend seien.

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