Vor 125 Jahren war der Sozialdemokrat August Bebel in Singen zu Besuch. Davon handelt die erste Szene von „Mit Karacho in die Neuzeit – Singen wird Industriestadt“, dem aktuellen Werk von Regisseurin Susanne Breyer, welches mit dem Theaterverein Pralka ab Oktober im MAC Museum Art und Cars zur Aufführung kommt.

Theaterprobe im Stadtgarten

Junge Familien, die mit dem Kinderwagen unterwegs waren, Passanten auf der abendlichen Gassirunde und Spaziergänger, die den spätsommerlichen Abend nutzten, warfen verwunderte und interessierte Blicke zu der stilvoll gekleideten Gruppe im Stadtgarten.

Pralka probte hier eingangs erwähnte Szene, die auf dem Hohentwiel spielt: Tausende hatten sich damals auf dem Berg versammelt, um zwischen dem sozialdemokratischen Gedanken der Genossen und dem Kampfwillen für den Kaiser dem Festredner August Bebel zu lauschen. „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“, erklang lautstark die Parole des arbeitenden Volkes aus Singen.

Es sind andere Proben als sonst, zu denen sich die Laienschauspieler treffen. Die Corona-Pandemie veränderte vieles, aber nicht die Kreativität und Leidenschaft der Laiendarsteller fürs Theater. Zu Beginn der Proben fanden diese einzeln mit der Regisseurin statt, später dann in kleinen festen Gruppen und jetzt, rund drei Wochen vor der Premiere, im Freien.

Pro Vorstellung nur 50 Zuschauer

So werden auch die Vorstellungen ab dem 9. Oktober etwas anders ablaufen, als man dies sonst von den Abenden mit Pralka gewohnt ist. Um den nötigen Abstand einhalten zu können, werden pro Vorstellung in der Sky-Lounge des MAC Museums maximal 50 Zuschauer zugelassen. Wegen Corona gibt es strenge Auflagen, die eingehalten werden müssen. Unter anderem ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes auf den Wegen im Museum und eine Registrierung am Eingang nötig.

Trotz Corona hatte die Autorin und Regisseurin Susanne Breyer ihre Hoffnung auf die Durchführung des großen Theaterprojektes um den rasanten Aufstieg Singens vom Dorf zur Industriestadt nicht aufgegeben. Ihre Planungen und Recherchen reichen weit zurück in die Zeit vor der Corona-Pandemie. „Ich lehne mich an Geschichten an, die real erzählt und aufgeschrieben wurden“, verrät Susanne Breyer. Nur Namen und Orte hätte sie verändert. „Mit Karacho in die Zukunft“ verspricht Emotionen, Musik, Kampf und Tanz um Singens Geschichte seit der Industrialisierung. Dabei geht es um Hintergründe und um die Menschen in Singen.

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Entstanden ist eine Geschichte um die Figur Reinhold, der aus Riedheim nach Singen auswandert und dort als Hilfsarbeiter in der Georg-Fischer-Fabrik anfängt. Seine zukünftige Frau Berta, die in der Maggi arbeitet, lernt er auf einem Ausflug der Naturfreunde kennen. Die Tochter der beiden erlebt das Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg und Reinholds Enkelin wirft einen Blick auf das heutige Singen. In der letzten Szene wagt Pralka mit den Zuschauern einen fiktiven Blick in die Zukunft Singens – greifbar nah.

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