Was macht ein Winzer im Winter? Georg Vollmayer lacht. Er weiß genau, was sich hinter dieser Frage versteckt. Wer denkt, der Weinbauer ruhe sich aus, der wird schnell eines Besseren belehrt.

„Jetzt ist die Zeit, die Jungweine zum zweiten Mal von der Hefe abzulassen“, sagt Vollmayer. „Dann können wir Anfang März mit der Abfüllung beginnen.“ Soweit ist die Arbeit im Weinkeller schnell erklärt. Aber das ist längst nicht alles.

Mit dem Raupenfahrzeug zum Mähen

Kurz vor dem großen Schneefall konnte man Georg Vollmayer schon wieder im Elisabethenberg sehen. Während sich die Kinder auf der Nordseite des Hohentwiel im ersten Schnee mit ihren Schlitten den Hang hinunterstürzen, ertönen am Westhang Motorengeräusche im Weinberg. Ungewöhnlich für diese Jahreszeit, noch dazu auf frostigem Boden.

Einen Augenblick später taucht der Winzer mit seinem kleinen Traktor mitten in den Reben auf. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich dieser Traktor als Schmalspurschlepper. Das ist ein Raupenfahrzeug mit vier Kettenrädern in Form eines Dreiecks, das für die Pflege der Weinterrassen eingesetzt wird. Vorsichtig fährt Vollmayer Reihe für Reihe ab. Am Heck bringt er ein Mähwerk zum Mulchen in Schräglage. Es passt sich der Böschung der Rebenterrasse an. So arbeitet sich der Winzer langsam in die Steillagen hoch.

Gut für Tiere und Boden

„Das Fahrzeug verteilt die Lasten besser“, erklärt Vollmayer. „Der Druck ist gering und der Boden wird weniger verdichtet.“ Das sei wichtig für die Kleinlebewesen und die Sauerstoffversorgung der Wurzeln. Warum er das im Winter macht? „Im Frühjahr und Sommer würde man die Vegetation in voller Blüte erwischen und den Insekten die Nahrungsgrundlage entziehen“, erklärt er. „Ich muss aber einmal im Jahr mähen, damit die Landschaft nicht verbuscht. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt.“

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Die Methode scheint zu wirken. „Biologen aus ganz Deutschland waren schon bei uns, weil sie hier so eine große Artenvielfalt vorfinden“, erzählt Vollmayer. „Schmetterlinge, die Italienische Schönschrecke und die Gottesanbeterin wurde hier gesehen.“ Naturschutzorganisationen wollen wissen, was im Weinbau in biologischen Betrieben passiert. Sobald der jüngste Schnee geschmolzen und der Boden abgetrocknet ist, wird Georg Vollmayer die Arbeit fortsetzen. Dann stört er die Vegetation am wenigsten.