Emil Netzhammer war kein Mann der lauten Töne. Wer ihm mittags auf dem Weg zum gemeinsamen Essen mit Freunden in der Singener Innenstadt begegnete, erlebte ihn als distinguierten Zeitgenossen, der gerne diskutierte und dem das Wohl der Gemeinschaft am Herzen lag. Im Kern seines Wesens war Emil Netzhammer ein zutiefst politischer Mensch.

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Dass er dennoch kein politisches Amt ausübte, sondern eher im Hintergrund tätig war, lag an seiner anderen Leidenschaft, dem mittelständischen Unternehmertum. Als Sohn von Georg und Pia Netzhammer lag ihm – wie auch seinen Geschwistern – das Kaufmännische im Blut. Und so war es für ihn nur folgerichtig, nach dem Betriebswirtschaftsstudium in Mannheim in den elterlichen Betrieb einzusteigen. Unter seiner Regie und zusammen mit seinen Brüdern Pius und Georg wuchs der vom Vater gegründete Großhandel kontinuierlich.

Ein typischer Mittelständler

„Mein Mann war der typische mittelständische Einzelunternehmer“, sagt seine Witwe Veronika Netzhammer. „Es war ihm ungemein wichtig, dass das Familienunternehmen gesund und stets für schwierige Zeiten gewappnet ist.“ Er habe schnell entscheiden und seine Ideen rasch umsetzen wollen. Daher wurde auch die Verbindung mit dem Okle-Großmarkt durch den Verkauf der Anteile rasch wieder beendet. Heute hat der Großmarkt Standorte in Singen, Konstanz und Waldshut-Tiengen und insgesamt rund 200 Beschäftigte.

Als junger Unternehmer engagierte sich Emil Netzhammer kurz bei den Wirtschaftsjunioren der IHK. „Doch die Verbandsarbeit war nicht sein Ding“, sagt Veronika Netzhammer. „1989 interessierte er sich auch mal für eine Gemeinderatskandiatur. Doch der zeitliche Aufwand schreckte ihn schließlich ab. Das habe ich dann übernommen. Schließlich haben wir uns im Studium über die Studentenpolitik kennengelernt.“ Während ihrer Zeit als Gemeinderätin und Landtagsabgeordnet für die CDU habe Emil Netzhammer sehr viel Anteil an der Politik genommen. „Wir haben uns da sehr gut ergänzt“, erzählt Witwe. „Aus 45 Ehejahren gibt es viele gute Erinnerungen.“

Vielfältiger Einsatz für die Region

Emil Netzhammer war ein weltoffener Mensch, der gerne gelebt hat und auch genießen konnte. Zum Beispiel auf Reisen, beim Skifahren, Segeln oder Wandern in den Bergen. Seine Offenheit und Neugier auf andere Themen zeichneten ihn aus. Sein Verantwortungsbewusstsein für die Gemeinschaft war kein Lippenbekenntnis. So war er nicht nur ideeller Mitbegründer der Singener Bürgerstiftung, sondern hat diese auch finanziell befüttert. Emil Netzhammer hat sich an Hilfstransporten für die ukrainische Partnerstadt Kobeljaki beteiligt. Auch die jüdische Geschichte hat ihn nicht losgelassen, so dass er das Museum in Gailingen unterstützte.

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Die letzten Jahre waren geprägt von schwerer Krankheit, aber auch Lichtblicken. Es sei tröstlich, dass er im Kreise der Familie sterben durfte, sagt Veronika Netzhammer. In der Stadt hinterlässt er ein tiefes Andenken. „Emil Netzhammer bekannte sich zu dieser Stadt. So war es kein Zufall, dass er zu den Gründungsmitgliedern der 2011 ins Leben gerufene Singener Bürgerstiftung zählt. Sein Wirken wird uns auch in Zukunft in dieser Stadt an vielen Stellen wieder begegnen und an ihn erinnern“, würdigt Oberbürgermeister Bernd Häusler sein Engagement.