Mit dem Namen „Erdmann & Rossi“ verbinden Kenner auch nach bald 100 Jahren technische Perfektion und zeitlose Eleganz. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begeisterte die Berliner Karosserieschmiede Automobilisten mit hochwertigen und handgefertigten Individualkarosserien, unter anderem fur Mercedes, Horch, Maybach und Rolls-Royce. Es entstanden Meilensteine der Automobilgeschichte, zugeschnitten auf ihre jeweiligen Käufer. Zur Kundschaft zählte, wer Rang und Namen hatte: reiche Unternehmer, Spitzenpolitiker und Hochadel, darunter Werner von Siemens, Kronprinz Wilhelm, der irakische König Ghazi I., und viele mehr.

Ein Bentley 4¼-Liter Cabriolet von Erdmann & Rossi.
Ein Bentley 4¼-Liter Cabriolet mit einer Karosserie von Erdmann & Rossi. | Bild: Daniel Volz

Exklusive Luxusfahrzeuge im MAC 2

Das MAC Museum Art & Cars in Singen zeigt im Museumsgebäude MAC 2 mit „Nobelkarosserien der 20er & 30er Jahre“ derzeit und noch bis ins nächste Jahr solche Autos. Die einzigartigen Automobile stammen aus der Sammlung Saulius Karosas. In Oldtimer-Kreisen war der erfolgreiche litauische Unternehmer als bedeutender Sammler seltener Vorkriegsfahrzeuge bekannt, erzählt Christoph Karle, Kurator der automobilen Kunst im MAC. Karosas Sammlung umfasste mehrere hundert Oldtimer, darunter rund 80 Fahrzeuge von „Erdmann & Rossi“. Aus diesem Nachlass wurden 15 Fahrzeuge ausgewählt, die im MAC zu sehen sind, elf davon sind Nobelkarosserien von „Erdmann & Rossi“.

Kurator Christoph Karle vor dem Horch 853 Stromlinien Coupé „Manuela von 1937 – ein Einzelstück für für Rennfahrer Bernd Rosemeyer.
Kurator Christoph Karle vor dem Horch 853 Stromlinien Coupé „Manuela„ von 1937 – ein Einzelstück für Rennfahrer Bernd Rosemeyer. | Bild: Daniel Volz

Unter den ausgestellten Fahrzeugen findet sich beispielsweise ein sportlicher Mercedes-Benz Special Roadster 380 von 1933, mit dem Karosas auch an dem prestigeträchtigen Oldtimer-Schönheitswettbewerb „Concorso d´Eleganza Villa d´Este“ am Comer See in der Lombardei teilnahm, wie Karle zu berichten weiß. Noch heute gewinnen Fahrzeuge mit einer Karosserie von Erdmann & Rossi regelmäßig Auszeichnungen bei internationalen Wettbewerben und werden zu außergewöhnlich hohen Preisen gehandelt.

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Das Unternehmen „Erdmann & Rossi“

Der Betrieb wurde 1898 von Willy Erdmann in Berlin als Stellmacherbetrieb zur Herstellung von Kutschen gegründet. Mit dem Eintritt des Automobilverkäufers Eduard Rossi 1906 expandierte das Unternehmen in Aufbauten für Automobile. Während seiner Blütezeit bis 1936 entstanden automobile Schmuckstücke, die für Christoph Karle einen Spiegel der Blutezeit der Mechanik und des Autobilismus bilden. Obwohl seit 1949 keine Karosserie mehr die Werkstätten in Berlin-Halensee verlassen hat, steht der Name „Erdmann & Rossi“ noch heute weltweit für die nobelste Karosserieschmiede des deutschen Automobilbaus.

Bild: Daniel Volz

Fotografien nähern sich längst vergangenen Zeiten

Kurator Christoph Karle ist stolz auf die sorgfältige Inszenierung seiner Exponate. Die edlen Fahrzeuge sind Teil einer Gesamtkomposition mit ausgewählten Fotografien zweier zeitgenössischer Künstler: Otto Max „Umbo“ Umbehr (1902-1980) und Martin Höhlig (1882-1948). Ihre Werke transportieren zusammen mit zahlreichen Bildern aus der Geschichte von „Erdmann & Rossi“ das Lebensgefühl der Weltstadt Berlin der GoldenenZwanziger Jahre. Höhligs Bilder des hell erleuchteten nächtlichen Berlins und Umbehrs Charakter-Fotografien umgeben die ausgestellten Oldtimer mit einem zeitlosen Gefühl der Großstadt Anfang des 20. Jahrhunderts.

Bild: Daniel Volz

Einen interessanten Kontrast bieten Bilder aus der Reihe „Sleeping Beauties“ (Schlafende Schönheiten) des Rosenheimer Fotografen Herbert W. Hesselmann, die neben den perfekten Formen der hochglanzpolierten Fahrzeuge vergessene Oldtimer zwischen Rost, Staub und Wildwuchs zeigen.

Bild: Daniel Volz

Abgerundet wird die Ausstellung mit Werken bekannter lokaler Künstler: Die Licht- und Videoinstallation „Frozen Cars“ des Konstanzers Markus Brenner und die leuchtenden Kompositionen von Beatrice Hug aus Singen lassen die Exponate im MAC 2 buchstäblich in neuem Licht erscheinen.

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