Jeden Freitag treffen sich die Gartenfreunde im Emil-Sräga-Haus. Da wird zusammen gesät, gejätet oder geerntet. Es wird eigenes Sauerkraut hergestellt, eigene Suppe gekocht – oder auch die Atmosphäre genossen. Denn schon allein die Atmosphäre zwischen Blumenkohl, Brokkoli und Bohnenkraut ist besonders.

Jung und alt kommen zusammen und bewirtschaften gemeinsam einen Garten. Und das seit nun zehn Jahren. Im rund 25 Quadratmeter kleinen Sräga-Garten treffen sich derzeit rund zehn bis 15 Bewohner. Vor Corona waren es doppelt so viel. Und in Zeiten ohne Corona kommen dann noch zusätzlich fünf bis zehn Kinder vom benachbarten Kindergarten St. Martin dazu. Gemeinsam kümmern sie sich um Kartoffeln, Kohlrabi oder Kürbisse.

Rat und Tat gehen Hand in Hand

Das Projekt steht und fällt mit Irmgard Weggler, Betreuungskraft im Emil-Sräga-Haus. Sie hat stets ein achtsames Auge auf den Garten. Unter ihrer Regie hat der Garten sogar schon verschiedene Preise gewonnen. „Die Kinder bringen Leben in das Projekt und die Senioren geben ihre Erfahrungen an die Kinder weiter“, bringt sie den Erfolg auf den Punkt.

Aus Ringelblumen stellen die Bewohner des Emil-Sräga-Hauses Salbe her. Alte Rezepte sind ein Schlüssel zu den Erinnerungen von Menschen mit Demenz.
Aus Ringelblumen stellen die Bewohner des Emil-Sräga-Hauses Salbe her. Alte Rezepte sind ein Schlüssel zu den Erinnerungen von Menschen mit Demenz. | Bild: Uli Zeller

Die Jungen seien tatkräftig, die Alten ratkräftig. Zwischen Tomaten und Thymian seien schon richtige Freundschaften unter den Generationen entstanden. Kindergartenkinder und Pflegeheimbewohner, die sich aufeinander freuen.

Nach den Sommerferien wieder Aktionen

Wegen Corona hat das Miteinander zwischen den Generationen nun für über ein Jahr geruht. Aber nach den Sommerferien soll es wieder eine erste gemeinsame Aktion geben. Irmgard Weggler freut sich schon darauf. Auch gerade Menschen mit einer Demenz würden sehr positiv auf den Garten reagieren. Die Bewohner würden sich in Anwesenheit der Kinder oft entspannen.

Es könne zwischen Rosen, Radieschen und Rotkohl jedoch auch anstrengend werden, räumt sie ein: „Es kommt vor, dass der ein oder andere Heimbewohner durch die Lebendigkeit und die vielen Eindrücke unruhig wird.“ Meistens helfe es dann aber schon, sie ein wenig zur Seite zu nehmen oder einzeln auf sie einzugehen. Auch seien die Kindergruppen schon zu groß gewesen. Dies haben dann die betagten Gäste überfordert. „Inzwischen hat sich eine ideale Gruppengröße eingespielt“, findet Irmgard Weggler.

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Die Menschen, die heute im Pflegeheim leben, seien noch viel näher an der Natur dran als die späteren Generationen. „Früher hatte jeder ein kleines Gärtchen. Viele waren auch nebenberuflich in der Landwirtschaft tätig“, weiß Irmgard Weggler. Entsprechend tief habe sich das Wissen rund um Kompost, Kräuter und Kapuzinerkresse ins Gedächtnis eingegraben.

Auch demente Menschen haben Gartentipps

Sogar demente Menschen können da noch einiges erzählen. Sie geben beispielsweise Tipps, wie man gegen Ungeziefer vorgeht. Gegen Schnecken könne man etwa Bierfallen aufstellen. „Der Sräga-Garten wurde noch nie mit der chemischen Keule behandelt und die Ernte ist trotzdem beachtlich“, sagt Irmgard Weggler. Alles, was aus dem Garten komme sei biologisch.

Gemeinsam ernten die Senioren Kräuter aus der aus Steinen gestalteten Kräuterschnecke und kochen damit eigenen Tee. Aus Thymian und Spitzwegerich werden eigene Hustensäfte hergestellt. Der Garten schenkt Salat, der im Pflegeheim gegessen wird und Erdbeeren, die man zwischendurch mal naschen kann. Jetzt hoffen die Senioren des Emil-Sräga-Hauses nur noch darauf, dass die Kindergartenkinder bald wieder kommen – und Leben ins Heim bringen.